Opa­ke Bör­sen

Chi­nas Ak­ti­en­markt lei­det un­ter feh­len­der Trans­pa­renz.

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ERNST HERB

Chi­nas Finanzmarkt gleicht ei­nem un­dich­ten Kü­bel. So lässt es zu­min­dest der Ak­ti­vis­mus der Re­gie­rung er­schei­nen. Es ver­geht kein Tag, oh­ne dass die ver­un­si­cher­ten In­ves­to­ren von der Ob­rig­keit mit Ver­weis auf die so­li­den Fun­da­men­te zur Be­son­nen­heit auf­ge­ru­fen wer­den. Pe­king ver­sucht, die seit Jah­res­be­ginn an­hal­ten­de Ab­wärts­fahrt der Ak­ti­en­kur­se mit im­mer neu­en Mass­nah­men zu stop­pen.

Nach­dem En­de Ok­to­ber die Bör­sen Shang­hai und Shen­zhen vier Ta­ge hin­ter­ein­an­der deut­lich im Mi­nus aus dem Han­del gin­gen, wur­de an­ge­kün­digt, dass Un­ter­neh­men un­ter an­de­rem ver­ein­facht ei­ge­ne Ak­ti­en zu­rück­kau­fen kön­nen. Wag­nis ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten und Bro­ker­häu­sern ist es neu er­laubt, auch in fi­nan­zi­ell an­ge­schla­ge­ne Un­ter­neh­men zu in­ves­tie­ren.

Vor al­lem aber hat die Re­gie­rung ihr lan­ge ag­gres­siv vor­an­ge­trie­be­nes Schul­den­ab­bau­pro­gramm auf die Sei­te ge­legt. Sie stützt nun das Wachs­tum, mit der An­kün­di­gung im­mer wei­te­rer geld- und fis­kal­po­li­ti­scher Mass­nah­men. Trotz all dem schloss der Shang­hai Com­po­si­te In­dex am Frei­tag 22% un­ter den Stand von An­fang Jahr.

Es gibt vie­le gu­te Grün­de, war­um die Tal­fahrt wei­ter­geht: der Han­dels­krieg, das lang­sa­me­re Ge­winn­wachs­tum, der schwa­che Yuan. Am meis­ten dürf­te aber ins Ge­wicht fal­len, dass den In­ves­to­ren an­ge­sichts der feh­len­den Trans­pa­renz das Ver­trau­en in den Markt ab­han­den­ge­kom­men ist.

Die Zeit um den Bör­sen­crash 2015 hat das mehr als deut­lich ge­macht. Da­vor for­der­te die Re­gie­rung ih­re Bür­ger förm­lich da­zu auf, Ak­ti­en zu er­wer­ben. Durch stei­gen­de Kur­se soll­te die Kauf­kraft von In­ves­to­ren ge­stei­gert und da­mit das Wirt­schafts­wachs­tum an­ge­feu­ert wer­den. Prompt stieg die Bör­se in zwölf Mo­na­ten um 100% in stra­to­sphä­ri­sche Hö­hen. Mit­te 2015 folg­te das bö­se Er­wa­chen. Das al­les ent­hielt ge­wal­ti­gen po­li­ti­schen Zünd­stoff.

Um­so ag­gres­si­ver hat die Re­gie­rung in das Bör­sen­ge­sche­hen ein­ge­grif­fen, in­dem sie in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren den Ver­kauf von Ak­ti­en un­ter­sag­te oder den Han­del von Tau­sen­den von Ti­teln mo­na­te­lang sus­pen­dier­te. Seit­her ma­len die staat­lich zen­su­rier­ten Me­di­en ein ro­sa­ro­tes Bild der La­ge. Doch die La­ge hat sich nur zeit­wei­se sta­bi­li­siert.

An den Bör­sen Chi­nas sto­chern die In­ves­to­ren – viel mehr noch als an­ders­wo – im dich­ten Ne­bel. Das ist of­fen­bar ein kla­res Ver­kaufs­si­gnal.

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