Gold als Spiel­ball

Die Geld- und Wirt­schafts­po­li­tik be­wegt die Gold­no­tie­run­gen.

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - DARIO SIGRON, GAM

Die ame­ri­ka­ni­schen Zwi­schen­wah­len am 6. No­vem­ber lie­fer­ten die im Vor­feld er­war­te­ten Er­geb­nis­se. Da­bei ver­fü­gen nun die De­mo­kra­ten über die Mehr­heit im Re­prä­sen­tan­ten­haus, wäh­rend die Re­pu­bli­ka­ner ih­re Mehr­heit im Se­nat wei­ter aus­bau­en konn­ten.

Das Wah­l­er­geb­nis und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Spal­tung des US-Kon­gres­ses las­te­ten auf dem Dol­lar und führ­ten zu ei­nem – wenn auch nur kurz­fris­ti­gen – Preis­an­stieg beim Gold. Zur­zeit be­wegt sich der Preis für die Un­ze Gold im Be­reich von 1220 $ und so­mit wie­der hö­her als in den ver­gan­ge­nen zwei Mo­na­ten. Das Edel­me­tall liegt da­mit aber im­mer noch klar un­ter­halb des Jah­res­hochs von 1365 $.

Ak­tu­ell be­schäf­ti­gen sich zahl­rei­che Markt­teil­neh­mer mit den po­ten­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der Er­geb­nis­se der Zwi­schen­wah­len auf die ame­ri­ka­ni­sche Volks­wirt­schaft und ins­be­son­de­re auf den Dol­lar. Auf­grund der star­ken Kor­re­la­ti­on zwi­schen dem Green­back und Gold könn­te die­ses Wah­l­er­geb­nis folg­lich auch den Pfad des Gold­prei­ses in der mitt­le­ren Frist be­ein­flus­sen.

Mit dem Sieg der De­mo­kra­ten im Re­prä­sen­tan­ten­haus wird es für Do­nald Trump kaum mehr mög­lich sein, ei­ne wei­te­re Run­de von Steu­er­sen­kun­gen im Jah­re 2019 ein­zu­läu­ten. All­ge­mein könn­te die Ein­däm­mung der ex­pan­si­ven Fis­kal­po­li­tik die ame­ri­ka­ni­sche Zen­tral­bank Fed da­zu ver­an­las­sen, die Zin­sen et­was lang­sa­mer als er­war­tet zu er­hö­hen. Dies wür­de den Dol­lar un­wei­ger­lich be­las­ten und dem Gold­preis Auf­trieb ver­lei­hen. Die fis­kal­po­li­ti­schen Aus­wir­kun­gen in­fol­ge der Zwi­schen­wah­len dürf­ten sich je­doch erst im Lau­fe des Jah­res 2019 be­merk­bar ma­chen und sich in ei­nem ab­fla­chen­den Wachs­tum spie­geln.

Nach den Zwi­schen­wah­len le­gen die Markt­teil­neh­mer den Fo­kus nun wie­der gänz­lich auf die ma­kro­öko­no­mi­schen Fak­to­ren. In die­ser Wo­che fand ei­ne zwei­tä­gi­ge Ver­samm­lung des Of­fen­markt­aus­schus­ses des Fed statt. Er­war­tungs­ge­mäss liess sich die No­ten­bank nicht vom Re­sul­tat der Zwi­schen­wah­len be­ein­flus­sen. In ei­ner Stel­lung­nah­me wur­de auf die star­ke Wirt­schafts­ak­ti­vi­tät so­wie auf den fes­te­ren Ar­beits­markt hin­ge­wie­sen. Ein wei­te­rer Zins­schritt im Mo­nat De­zem­ber von 25 Ba­sis­punk­ten gilt da­mit als be­sie­gelt.

Der Dol­lar re­agier­te stark auf die Äus­se­run­gen des Fed, wo­durch der Gold­preis un­ter Druck ge­ra­ten ist. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Green­back wei­ter­hin Un­ter­stüt­zung von Sei­ten der Geld­po­li­tik er­hal­ten wird und sich in der kur­zen Frist auf stär­ke­rem Ni­veau be­haup­ten kann. In­fol­ge der ne­ga­ti­ven Kor­re­la­ti­on wird es für Gold zur­zeit schwie­rig, ein po­si­ti­ves Mo­men­tum zu ge­ne­rie­ren. Des Wei­te­ren wer­den mit den stei­gen­den Zin­sen und ei­ner ge­mäs­sig­te­ren In­fla­ti­on die Re­al­zin­sen leicht stei­gen, was dem Gold zu­sätz­lich Ge­gen­wind be­sche­ren könn­te.

Gold wird das In­ter­es­se als si­che­rer Ha­fen bei den An­le­gern al­ler­dings kaum ver­lie­ren. Es ist sehr wahr­schein­lich, dass sich die Nach­fra­ge nach Gold als An­la­ge­instru­ment künf­tig mar­kant er­hö­hen wird, denn Do­nald Trump dürf­te sich im Zu­ge des ge­spal­te­nen US-Kon­gres­ses ver­mehrt auf die Han­dels­po­li­tik kon­zen­trie­ren. Hier be­nö­tigt er kei­ne Ge­setz­ge­bung und kann un­ab­hän­gig vom Re­prä­sen­tan­ten­haus agie­ren.

Da­mit be­steht die Ge­fahr, dass sich der Han­dels­streit mit Chi­na noch in­ten­si­viert. Der Gold­preis wird auf­grund ei­ner stei­gen­den Ri­si­ko­aver­si­on klar pro­fi­tie­ren, auch wenn der Dol­lar noch an Stär­ke ge­win­nen soll­te.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.