Bun­des­rat schützt Schwei­zer Bör­sen vor der EU

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - JH

Die Schwei­zer Re­gie­rung setzt ein Zei­chen: Ab 1. Ja­nu­ar 2019 ist der Han­del von Schwei­zer Ak­ti­en in der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) ver­bo­ten. Die Mass­nah­men gel­ten bis En­de 2021. An­ge­kün­digt hat­te die Re­gie­rung den Schritt schon im Ju­ni. Die Um­set­zung war vom Bun­des­rat dar­an ge­knüpft, dass die EU-Kom­mis­si­on bis zum 1. De­zem­ber die Ver­län­ge­rung der Äqui­va­lenz be­stä­tigt oder öf­fent­lich zu­si­chert. Das ist bis­her aus­ge­blie­ben. Oh­ne die­se Äqui­va­lenz dür­fen EU-Wert­schrif­ten­händ­ler Schwei­zer Ak­ti­en nicht mehr an Schwei­zer Bör­sen han­deln, wenn sie auch an ei­ner Börse in­ner­halb der EU ge­han­delt wer­den. So dro­hen der Schwei­zer Börse SIX ge­mäss Schät­zun­gen rund zwei Drit­tel des Han­dels­um­sat­zes im Ak­ti­en­ge­schäft weg­zu­bre­chen. Er­trags­ein­bus­sen und Ar­beits­platz­ver­lus­te wä­ren die lo­gi­sche Fol­ge.

Der Bun­des­rat will mit der neu­en Ver­ord­nung die Schwei­zer Bör­sen schüt­zen, in­dem er die An­er­ken­nung aus­län­di­scher Han­dels­plät­ze neu re­gelt. Die neue Ver­ord­nung be­sagt, dass ab nächs­tem Jahr Schwei­zer Ak­ti­en nur noch auf Han­dels­plät­zen ge­han­delt wer­den, die durch die Schwei­zer Be­hör­den an­er­kannt wer­den. Mit In­kraft­tre­ten der Ver­ord­nung wer­den Han­dels­plät­ze in der EU die­se An­er­ken­nung nicht mehr er­hal­ten.

Da­mit ist si­cher­ge­stellt, dass Schwei­zer Ak­ti­en wei­ter­hin über die Schwei­zer Börse ge­han­delt wer­den. So schlägt die Schweiz die EU mit ih­ren ei­ge­nen Mit­teln: Wie du mir, so ich dir, lau­tet das Mot­to. Vor al­lem aber schafft der Bun­des­rat wie­der Rechts­si­cher­heit und Sta­bi­li­tät.

Vor­erst dürf­te der Han­del an der Schwei­zer Börse gar noch zu­neh­men, da sämt­li­che bis­lang in der EU ge­han­del­ten Schwei­zer Ak­ti­en nun eben­falls über die hie­si­ge Börse ab­ge­wi­ckelt wer­den. Der Rest der Welt ist von die­sem Vor­ge­hen nicht be­trof­fen.

Die Schwei­zer Börse SIX «be­grüsst die Even­tu­al­mass­nah­me des Bun­des­rats». Al­ler­dings be­dau­ert sie, dass es über­haupt not­wen­dig war, die­se Mass­nah­me ein­zu­füh­ren, und dass die EU-Kom­mis­si­on bis heu­te noch kei­nen Ent­scheid über die Äqui­va­lenza­n­er­ken­nung ge­trof­fen hat. Für Ro­meo La­cher, Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der SIX, hat das Er­rei­chen der Äqui­va­lenz wei­ter­hin höchs­te Prio­ri­tät, wie er sich in der Me­di­en­mit­tei­lung der Schwei­zer Börse SIX zi­tie­ren lässt.

Die Bör­sen­äqui­va­lenz be­stimmt, ob Gleich­wer­tig­keit un­ter den Bör­sen ge­ge­ben ist. Sie ist die Ba­sis da­für, dass Wert­schrif­ten­händ­ler aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on an der Schwei­zer Börse Ak­ti­en han­deln dür­fen.

Soll­te die EU-Kom­mis­si­on die Schwei­zer Börse bis En­de Jahr doch noch als äqui­va­lent klas­si­fi­zie­ren, ent­fal­ten die Mass­nah­men kei­ne Wir­kung. Die­se Mög­lich­keit be­steht, wenn der Bun­des­rat nächs­te Wo­che dem Ver­hand­lungs­er­geb­nis um das Rah­men­ab­kom­men zu­stimmt. Denn dass die Schwei­zer Börse gleich­wer­tig ist, dar­an be­steht kein Zwei­fel. Bis Re­dak­ti­ons­schluss hat sich die EU-Kom­mis­si­on noch nicht zum Be­schluss des Bun­des­rats ge­äus­sert.

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