De­ri­vatus

Die Ka­kao­no­tie­run­gen sind seit Früh­ling stark ge­sun­ken. Der Bo­den dürf­te nun er­reicht sein.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - FRANK HEINIGER

Die Be­stre­bun­gen Pe­rus, die Be­völ­ke­rung vom An­bau il­le­ga­ler Kok­ablät­ter ab­zu­brin­gen, trägt im­mer mehr Früch­te – ge­nau­er ge­sagt: Ka­kao­früch­te. Ana­lys­ten ge­hen für die Ern­te­sai­son 2018/19 von ei­ner Pro­duk­ti­on von 156 000 Ton­nen aus, was al­lein über die letz­ten fünf Jah­re fast ei­ner Ver­dop­pe­lung ent­spricht. Kon­kret ge­för­dert wur­de der Um­stieg über Wei­ter­bil­dun­gen, die Grün­dung von Ko­ope­ra­ti­ven und den er­leich­ter­ten Zu­gang zu Ka­pi­tal.

Doch Pe­ru ist bei­lei­be nicht das ein­zi­ge Land, das die Ka­kao­pro­duk­ti­on mas­siv aus­ge­wei­tet hat. Dank grös­se­ren An­bau­flä­chen und hö­he­rer Ef­fi­zi­enz ist die glo­ba­le Ern­te 2016/17 auf ei­nen neu­en Re­kord­wert ge­klet­tert – wo­bei die­ser auch vor­teil­haf­ten Wet­ter­ver­hält­nis­sen in den wich­ti­gen An­bau­re­gio­nen West­afri­kas zu ver­dan­ken war (vgl. Gra­fik 1).

Klein­bau­ern do­mi­nie­ren

Wäh­rend bei an­de­ren Agrar­gü­tern der Trend zu Gross­far­men geht, wird der Ka­kao­an­bau noch im­mer von klei­nen Fa­mi­li­en­be­trie­ben do­mi­niert. Ihr An­teil an der Welt­pro­duk­ti­on be­wegt sich zwi­schen 80 und 90%. Grund da­für ist, dass die Ern­te wei­ter­hin zu­meist von Hand durch­ge­führt wer­den muss – et­wa weil die Früch­te an den Bäu­men nicht zur sel­ben Zeit den idea­len Rei­fe­grad er­rei­chen.

In El­fen­bein­küs­te und in Gha­na, die ge­mein­sam für bei­na­he zwei Drit­tel der Welt­pro­duk­ti­on ver­ant­wort­lich sind (vgl. Gra­fik 2), exis­tie­ren rund 2 Mio. Ka­kao­far­men, die über we­ni­ger als vier Hekt­ar An­bau­flä­che ver­fü­gen. We­gen der ho­hen Kos­ten, die ex­ter­ne Ar­bei­ter ver­ur­sa­chen wür­den, sind die Bau­ern oft da­zu ge­zwun­gen, die ei­ge­nen Kin­der in den Be­trieb ein­zu­span­nen.

Trotz ei­ner grund­sätz­lich so­li­den Ka­kao­nach­fra­ge prä­sen­tiert sich die fi­nan­zi­el­le La­ge der Klein­bau­ern al­les an­de­re als ent­spannt. Zwar gibt es von­sei­ten der öf­fent­li­chen Hand, Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und der Ka­kao­in­dus­trie im­mer wie­der Be­stre­bun­gen, die Ein­kom­mens­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Den­noch leb­ten 2016 ge­mäss Welt­bank in El­fen­bein­küs­te rund 37% der Ka­kao­bau­ern in Ar­mut – wenn man die Gren­ze bei 1.90 $ pro Tag fest­legt. Dies be­reits be­vor im Spät­jahr 2016 ein deut­li­ches Über­an­ge­bot den Welt­markt­preis von über 3000 $ pro Ton­ne un­ter 2000 $ fal­len liess (vgl. Gra­fik 3).

Zwar er­hal­ten Klein­bau­ern in El­fen­bein­küs­te und Gha­na fi­xier­te Ab­nah­me­prei­se, die je­weils zu Ern­tebe­ginn fest­ge­legt wer­den. Doch die­se ori­en­tie­ren sich eben­falls am Welt­markt­preis. Im Zu­ge der Preis­schwä­che wur­de für die Ern­te­sai­son 2017/18 die Ent­schä­di­gung pro Ki­lo­gramm des­halb um 36% auf 700 CFA-Franc BCEAO – die lo­ka­le Wäh­rung in West­afri­ka – zu­rück­ge­fah­ren (vgl. Gra­fik 4).

Im letz­ten Früh­ling ha­ben sich die Ka­kao­prei­se zwi­schen­zeit­lich zwar deut­lich er­holt – schwe­re Re­gen­fäl­le in El­fen­bein­küs­te hat­ten tem­po­rär die Be­fürch­tun­gen ge­schürt, dass ei­ne Schäd­lings­pla­ge zu Qua­li­täts­ein­bus­sen und Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen führt. Ho­he Ern­te­vo­lu­men zu Be­ginn der Sai­son 2018/2019 ha­ben die­se Ängs­te nun aber zer­streut und die No­tie­run­gen wie­der auf knapp 2000 $ pro Ton­ne sin­ken las­sen.

Ana­lys­ten er­war­ten An­stieg

Die Ana­lys­ten­gil­de geht da­von aus, dass die Prei­se ab die­sem Ni­veau ten­den­zi­ell wie­der stei­gen dürf­ten. Zu­ver­sicht­lich ist et­wa das Re­se­arch der Com­merz­bank, die für das vier­te Quar­tal 2019 ein Preis­ziel von 2800 $ pro Ton­ne ge­setzt hat. Ei­nen wich­ti­gen Trei­ber se­hen die Ana­lys­ten in der so­li­den Nach­fra­ge: Ge­mäss Pro­gno­sen von Eu­ro­mo­ni­tor In­ter­na­tio­nal dürf­te die Nach­fra­ge zum Bei­spiel in der Re­gi­on Asi­en/Pa­zi­fik mehr als 3% ex­pan­die­ren.

Län­ger­fris­tig soll­ten die Pro­duk­ti­ons­län­der nicht nur von ei­ner stei­gen­den Ka- kao­nach­fra­ge pro­fi­tie­ren. Auch dürf­te sich ihr An­teil an der glo­ba­len Wert­schöp­fungs­ket­te ste­tig ver­grös­sern. In der Ver­gan­gen­heit wur­den vie­le Ver­ar­bei­tungs­schrit­te – wie et­wa das Rös­ten und das Mah­len zur Ge­win­nung von Ka­kao­mas­se re­spek­ti­ve das Pres­sen zu Ka­kao­but­ter und -pul­ver – meist na­he bei den End­ab­neh­mern durch­ge­führt. Doch in­zwi­schen wer­den auch die Pro­duk­ti­ons­län­der im­mer stär­ker in den Pro­zess ein­ge­bun­den.

Die­ser Trend dürf­te sich zu­sätz­lich in­ten­si­vie­ren, wenn der Scho­ko­la­den­ab­satz in den Pro­duk­ti­ons­län­dern ei­ne kri­ti­sche Grös­se er­reicht. An­schau­ungs­un­ter­richt lie­fert bei­spiels­wei­se die El­fen­bein­küs­te: Dank staat­li­cher För­de­rung soll­te das Land schon 2022 ge­nü­gend Ka­pa­zi­tät be­sit­zen, die Hälf­te der ei­ge­nen Ka­kao­pro­duk­ti­on selbst zu mah­len.

Um auf die Ent­wick­lung des Ka­kao­prei­ses zu set­zen, kön­nen An­le­ger in Fu­tures in­ves­tie­ren. Ent­spre­chen­de Kon­trak­te wer­den so­wohl am Ter­min­markt in Lon­don als auch in New York ge­han­delt. Zu­dem bie­ten ver­schie­de­ne Emit­ten­ten in Eu­ro­pa bör­sen­ge­han­del­te Pro­duk­te (Ex­ch­an­ge Tra­ded Pro­ducts, ETP) an, die den Ka­kao­preis ab­bil­den. Der Markt für ETP ist li­qui­de und er­mög­licht es den In­ves­to­ren, zu ver­hält­nis­mäs­sig tie­fen Kos­ten kon­ti­nu­ier­lich zu han­deln.

Die kal­ten Win­ter­mo­na­te ste­hen vor der Tür – die idea­le Jah­res­zeit für ein Glas heis­se Scho­ko­la­de.

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