Dor­ni­ge Zur Ro­se

CEO Mar­tin Buyle ver­lässt die Grup­pe über­ra­schend im kom­men­den Herbst. 2018 dürf­te bes­ser aus­fal­len als er­war­tet.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - GA­B­RI­EL­LA HUNTER Al­le Fi­nanz­da­ten zu Orell Füss­li im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/OFN

Die Ka­pi­tal­er­hö­hung des Ver­sand­apo­the­kers sorgt für viel Auf­re­gung und Är­ger un­ter den Ak­tio­nä­ren.

Sie wirft ein schlech­tes Licht auf die in­vol­vier­ten Ban­ken, den An­ker­ak­tio­när und letzt­lich auf das Un­ter­neh­men selbst.

Un­er­war­te­ter Ab­gang bei Orell Füss­li: CEO Mar­tin Buyle wird das Un­ter­neh­men aus per­sön­li­chen Grün­den per En­de Sep­tem­ber 2019 ver­las­sen. Die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge sei vom Ver­wal­tungs­rat ein­ge­lei­tet wor­den, teil­te Orell Füss­li am Di­ens­tag mit. Er­freu­li­ches mel­det die In­dus­trie- und Han­dels­grup­pe aus ope­ra­ti­ver Sicht. Neu geht sie von ei­nem be­rei­nig­ten Ebit auf Vor­jah­res­ni­veau aus, nach­dem sie zu­vor mit ei­nem schlech­te­ren Er­geb­nis ge­rech­net hat­te.

Buyle lei­tet das Un­ter­neh­men seit Ok­to­ber 2014. Un­ter sei­ner Füh­rung ha­be Orell Füss­li zahl­rei­che ope­ra­ti­ve Her­aus­for­de­run­gen ge­meis­tert und die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung vor­an­ge­trie­ben, sag­te Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent An­ton Blei­kom an ei­nem In­for­ma­ti­ons­an­lass am Di­ens­tag. Der Ab­gang kommt zu ei­nem über­ra­schen­den Zeit­punkt, denn Orell Füss­li be­fin­det sich in ei­ner um­fas­sen­den Trans­for­ma­ti­on. «Mit der frü­hen An­kün­di­gung er­mög­li­chen wir den­noch ei­nen har­mo­ni­schen Über­gang», glaubt Blei­kom.

Ver­schie­de­ne Bau­stel­len

Der­zeit sind noch ei­ni­ge Bau­stel­len of­fen. Die Toch­ter­ge­sell­schaft At­lan­tic Zei­ser be­fin­det sich im Um­bau. Die deut­sche An­la­gen­baue­rin hat ent­täu­schen­de Jah­re hin­ter sich. 2017 ging der Um­satz knapp ein Vier­tel auf 50,2 Mio. € zu­rück. Im ers­ten Halb­jahr 2018 schrieb sie ro­te Zah­len. Aus dem Ak­tio­na­ri­at von Orell Füss­li sind For­de­run­gen ge­kom­men, sich der un­ren­ta­blen Tei­le der Toch­ter zu ent­le­di­gen.

Die Ge­schäfts­fel­der Kar­ten­per­so­na­li­sie­rungs­sys­te­me und Ver­pa­ckung wur­den an die ita­lie­ni­sche Coe­sia-Grup­pe ver­kauft. Auch für die Ak­ti­vi­tä­ten im Be­reich Soft­ware für Se­ria­li­sie­rung und Sen­dungs­ver­fol­gung ( Track and Tra­ce) wird ein Käu­fer ge­sucht. Die ren­ta­blen Tei­le von At­lan­ti­cZ eis er, die Ge­schäfts­fel­der Bank­no­ten num­me­rie­rung so­wie In­di­vi­dua­li­sie­rung vonSic her heits do­ku­men­ten, brin­gen ge­schätzt rund 20 Mio. € Um­satz.

An­de­rer­seits kann Orell Füss­li die zu En­de ge­hen­den Gross­auf­trä­ge von zwei No­ten­ban­ken, ei­ne da­von ist die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB), wohl kaum durch ähn­lich lu­kra­ti­ve Auf­trä­ge er­set­zen. Ein Um­satz­rück­gang ist wahr­schein­lich, so­bald die Emis­si­on der neu­en Bank­no­ten­se­ri­en der SNB 2019 ab­ge­schlos­sen wird. Zwar hat das Un­ter­neh­men be­reits neue Auf­trä­ge im Um­fang von 20 bis 100 Mio. Fr. ak­qui­riert, wie Blei­kom aus­führ­te. Doch da­mit las­sen sich kaum die gleich ho­hen Mar­gen er­zie­len. In der Spar­te Si­cher­heits­druck er­wirt­schaf­te­te das Un­ter­neh­men im letz­ten Jahr bei­na­he je­den zwei­ten Fran­ken (vgl. Gra­fik). Der ge­plan­te Füh­rungs­wech­sel in der Di­vi­si­on wird vor­ge­zo­gen: Micha­el Kasch wird den neu­en Pos­ten im Ja­nu­ar 2019 an­tre­ten.

Der Ver­wal­tungs­rat nennt am Di­ens­tag ex­pli­zit die Stär­kung der «di­vi­sio­na­len Kern­ak­ti­vi­tä­ten Si­cher­heits­druck und Bank­no­ten­se­ria­li­sie­rung». Aber auch der Buch­han­del ge­hö­re wei­ter­hin zu Orell Füss­li, sag­te Blei­kom. Im­mer wie­der gibt es Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Ver­kauf der Di­vi­si­on. «Es gibt im Ver­wal­tungs­rat kei­ner­lei Be­schlüs­se in die­se Rich­tung.» Im Buch­han­del kämpft Orell Füss­li ge­gen den struk­tu­rel­len Nie­der­gang. Der weg­fal­len­de Um­satz soll mit Kos­ten­dis­zi­plin kom­pen­siert wer­den. Im ers­ten Halb­jahr 2018 re­sul­tier­te un­ter dem Strich den­noch ein leich­ter Ver­lust.

Ber­ei­nig­ter Ge­winn sta­gniert

Orell Füss­li er­gänz­te zu­dem den Aus­blick für 2018. Die Grup­pe er­war­tet ein be­rei­nig­tes Er­geb­nis auf Stu­fe Ebit auf de­mVor­jah­res­ni­veau. 2017 be­trug der Ebit 12,6 Mio. Fr. In der bis­he­ri­gen Pro­gno­se ging Orell Füss­li von ei­ner sich ab­schwä­chen­den Er­trags­si­tua­ti­on aus. Un­ter dem Strich las­tet ein Son­der­auf­wand von 67 Mio. Fr. we­gen de­s­Ver­kaufs der Ge­schäfts­tei­le auf dem Er­geb­nis.

Wird die Trans­for­ma­ti­on vor­an­ge­trie­ben, müss­te Orell Füss­li im nächs­ten Jahr ei­nen so­li­den Ge­winn er­wirt­schaf­ten. Die Grup­pe will 2019 da­für nut­zen, die lang­fris­ti­ge Stra­te­gie zu de­fi­nie­ren. «Das Um­feld ist nicht ein­fach», sag­te Blei­kom. Der Pro­zess sei dar­auf aus­ge­legt, dem auch mit Zu­käu­fen zu be­geg­nen. Orell Füss­li wol­le aber nur ak­qui­rie­ren, was zum bis­he­ri­gen Ge­schäft pas­se. «Geld ist da­bei kein Pro­blem», er­gänz­te CEO Buyle.

Da­mit lässt das Un­ter­neh­men vie­les of­fen, und auch die Fra­ge wie es im rück­läu­fi­gen Kern­seg­ment Si­cher­heits­druck in den kom­men­den Jah­ren Um­satz- und Ge­winn­wachs­tum er­wirt­schaf­ten kann, ist nicht rest­los ge­klärt. Für die An­le­ger ist des­we­gen Zu­rück­hal­tung an­ge­bracht.

Mar­tin Buyle, CEO von Orell Füss­li

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