Ho­he Ren­di­te in Schwel­len­län­dern

Nach ei­nem schmerz­haf­ten Jahr für die Emer­ging Mar­kets kön­nen An­le­ger dar­auf hof­fen, dass sie im nächs­ten Jahr ei­ne ho­he Ren­di­te ein­strei­chen kön­nen.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ALEX­AN­DER TRENTIN

2018 war ent­täu­schend für An­le­ger in An­lei­hen der Emer­ging Mar­kets. Für nächs­tes Jahr gibt es Hoff­nungs­zei­chen.

Die An­lei­hen der Schwel­len­län­der ren­tie­ren so hoch wie kaum ei­ne an­de­re An­la­ge­klas­se. Je nach In­dex kann man im Durch­schnitt um die 5 bis 6% Ren­di­te ein­sam­meln. Selbst gros­se Schuld­ner­län­der wer­fen in lo­ka­ler Wäh­rung über 8% ab, in Dol­lar sind Kri­sen­län­der wie Ar­gen­ti­ni­en und Ve­ne­zue­la ho­he Ren­di­te­brin­ger (vgl. Ta­bel­le).

Doch trotz ho­hem Markt­zins war für An­le­ger die­ses Jahr ei­ne Ent­täu­schung: Ge­mes­sen an ETF (bör­sen­ge­han­del­ten Fonds) auf die Bonds der Emer­ging Mar­kets (EM) ver­lor man die­ses Jahr mit Dol­lar­an­lei­hen 6%, in Lo­kal­wäh­run­gen über 7%. Die ge­trenn­ten Wel­ten der zwei An­lei­hen­uni­ver­sen (vgl. Kas­ten rechts oben) zeigt der lang­fris­ti­ge Ver­gleich: Ab 2014 liegt die Ge­samt­ren­di­te der Dol­lar­an­lei­hen 20% im Plus, bei Lo­kal­wäh­run­gen 7,5% im Mi­nus (vgl. Gra­fik 1).

Gros­ser Ver­lust­brin­ger bei Lo­kal­wäh­rungs­an­lei­hen über die letz­ten Jah­re war die Ab­wer­tung ge­gen­über dem Dol­lar. Seit An­fang 2014 ha­ben sie im Mit­tel fast ein Drit­tel ab­ge­ge­ben. Gleich­zei­tig hat der Ab­wer­tungs­druck die An­lei­hen­kur­se be­las­tet: No­ten­ban­ken der Schwel­len­län­der, die ei­ne Ab­wer­tung ver­hin­dern woll­ten, muss­ten die Leit­zin­sen er­hö­hen.

Be­son­ders be­trof­fen wa­ren Mit­te Jahr die Tür­kei und Ar­gen­ti­ni­en: Sie wa­ren auf Mit­tel aus dem Aus­land an­ge­wie­sen, um ih­re Im­por­te zu fi­nan­zie­ren. Hier kam es zum «Sud­den Stop» – der Ka­pi­tal­zu­fluss ver­sieg­te plötz­lich. Die­se Länder müs­sen nun durch Kon­sum­ver­zicht und Wachs­tum­s­ein­bruch schmerz­haft ein neu­es Gleich­ge­wicht fin­den. Aber auch Länder mit ei­nem bes­se­ren Sal­do in der Aus­sen­fi­nan­zie­rung wa­ren be­trof­fen.

Güns­tig wie in Asi­en­kri­se

Die Hoff­nung ist nun, dass sich der Trend um­keh­ren könn­te. Öko­no­men von Ox­ford Eco­no­mics be­ob­ach­ten: «We­gen des Aus­ver­kaufs er­schei­nen EM-De­vi­sen viel güns­ti­ger.» Ihr preis­be­rei­nig­ter (rea­ler) Wech­sel­kurs no­tie­re so weit un­ter dem lang­fris­ti­gen Durch­schnitt wie zu­letzt im Nach­klang der Asi­en­kri­se ab den spä­ten Neun­zi­ger­jah­ren. Der Ban­ken­ver­band In­sti­tu­te of International Fi­nan­ce se­kun­diert: «Un­se­re Mo­del­le si­gna­li­sie­ren neu­tra­le oder güns­ti­ge Be­wer­tun­gen für die meis­ten Schwel­len­län­der.»

Ne­ben die­ser tech­ni­schen Über­le­gung spielt die Aus­sicht für die US-Geld­po­li­tik ei­ne ent­schei­den­de Rol­le. Se­an Tay­lor, Chief In­vest­ment Of­fi­cer Asi­en-Pa­zi­fik bei der Fonds­ge­sell­schaft DWS, er­klärt: «Schwel­len­län­der ka­men durch hö­he­re US-Zin­sen und den star­ken Dol­lar un­ter Druck.» Da­bei könn­ten die Länder aber von der wei­ter­hin gu­ten US-Konjunktur pro­fi­tie­ren. Wür­de nun der Dol­lar ab­wer­ten, kä­men die at­trak­ti­ven Ren­di­ten der Emer­ging Mar­kets zum Zug: «In­ves­to­ren wür­den dann zu­rück­keh­ren.»

Die Ana­lys­ten von Mor­gan St­an­ley set­zen eben­falls auf ei­ne Er­ho­lung der Schwel­len­märk­te – ob­wohl die La­ge ei­gent­lich nicht be­son­ders ro­sig sei: «Wir er­war­ten, dass ri­si­ko­rei­che An­la­gen in den USA schwä­cheln und glo­bal ein lang­sa­me­res Wachs­tum.» Doch die Um­kehr der glo­ba­len Ka­pi­tal­flüs­se ha­be ei­nen grös­se­ren Ef­fekt.

Un­üb­li­che Kom­bi­na­ti­on

Dar­aus folgt laut Mor­gan St­an­ley ei­ne un­üb­li­che Kom­bi­na­ti­on: Ris­kan­te Un­ter­neh­mens­an­lei­hen in den USA wür­den ver­lie­ren, da­ge­gen die Schwel­len­län­der ge­win­nen. His­to­risch sei­en die­se ei­gent­lich eng mit­ein­an­der kor­re­liert. Doch ei­ne Ab­wer­tung der US-Va­lu­ta könn­te hier hel­fen – die Ana­lys­ten er­war­ten ei­ne Ab­wer­tung von 12% ge­gen­über den ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­part­nern. «Die Fi­nan­zie­rungs­kon­di­tio­nen in den Schwel­len­län­dern bes­sern sich, wenn der Dol­lar schwach ist», be­ob­ach­tet Mor­gan St­an­ley.

Für Ox­ford Eco­no­mics hängt die Er­ho­lung der Schwel­len­län­der auch an der Sti­mu­lus­po­li­tik Chi­nas. Fehlt solch ein Sti­mu­lus, «könn­te das Wachs­tum in den EM schlech­ter be­ur­teilt wer­den.» Aber die Si­gna­le sei­en bis­her «er­mu­ti­gend.»

Ein Ri­si­ko­fak­tor ist in­des der Öl­preis (vgl. Kas­ten rechts un­ten). Vie­le Dol­lar­schuld­ner sind Öl­ex­por­teu­re. Der stark ge­sun­ke­ne Öl­preis ist ei­ne Be­las­tung für die­se Länder. Ener­gie­im­por­teu­re wie die Tür­kei und Süd­afri­ka hilft es aber, wenn Ener­gie güns­tig bleibt.

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