Was die Bör­sen 2019 brin­gen

Die meis­ten In­ves­to­ren möch­ten 2018 am liebs­ten schnell ver­ges­sen. Ob das neue Bör­sen­jahr er­freu­li­cher wird, ver­ra­ten die Ex­per­ten der gros­sen Fi­nanz­häu­ser.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - SAN­DRO RO­SA

Zu­letzt wa­ren die Nach­rich­ten für die Ak­ti­en­märk­te wie­der er­freu­li­cher. Die USNo­ten­bank Fed sen­de­te we­ni­ger ag­gres­si­ve Si­gna­le und am G­20­Tref­fen in Bu­e­nos Ai­res ei­nig­ten sich die USA und Chi­na auf ei­ne Pau­se im Han­dels­dis­put. Nach Mo­na­ten, in de­nen vie­le Bör­sen mas­siv an Wert ein­ge­büsst ha­ben, sind das will­kom­me­ne Nach­rich­ten. Doch reicht die­ser Schwung für das nächs­te Jahr? Die Bul­len je­den­falls po­si­tio­nie­ren sich be­reits für ein po­si­ti­ves 2019. Und dies zu­recht – zu­min­dest wenn die Gross­ban­ken mit ih­ren Pro­gno­sen rich­tig lie­gen. Denn sie er­war­ten, dass Ak­ti­en auch im neu­en Jahr Freu­de be­rei­ten wer­den.

Die Er­leich­te­rung ist spür­bar: Am G-20-Gip­fel in Bu­e­nos Ai­res ha­ben sich US-Prä­si­dent Do­nald Trump und sein chi­ne­si­scher Amts­kol­le­ge Xi Jin­ping auf ei­ne Waf­fen­ru­he im Han­dels­dis­put ge­ei­nigt. Zu­min­dest für die nächs­ten neun­zig Tage, in de­nen strit­ti­ge Punk­te wie der Schutz geis­ti­gen Ei­gen­tums oder Fra­gen des Tech­no­lo­gie­trans­fers adres­siert wer­den sol­len.

Die po­si­ti­ve Nach­richt ver­lieh den zu­letzt ge­beu­tel­ten Ak­ti­en­märk­ten end­lich wie­der Schub. Die Bul­len stel­len sich be­reits auf ein er­freu­li­ches Bör­sen­jahr 2019 ein. Und dies zu Recht – glaubt man den Stra­te­gen der wich­tigs­ten glo­ba­len Ban­ken und Bro­ker. So dürf­ten Ak­ti­en 2019 wenn­gleich kei­ne über­ra­gen­de, so doch ei­ne an­spre­chen­de Ren­di­te ab­wer­fen.

Schö­ne Ein­hel­lig­keit

Die Konjunktur wer­de sich zwar von ei­nem ho­hen Ni­veau ver­lang­sa­men, sich aber auch im neu­en Jahr ro­bust ent­wi­ckeln. Die zu­letzt auf­kei­men­den Be­fürch­tun­gen, die Welt­wirt­schaft ste­he an der Schwel­le zur nächs­ten Re­zes­si­on, tei­len die Ex­per­ten nicht. Stra­te­ge Mis­lav Ma­te­j­ka von J.P. Mor­gan ver­weist in sei­nem Markt­aus­blick auf vier der ver­läss­lichs­ten Re­zes­si­ons­in­di­ka­to­ren, von de­nen kei­ner ei­nen be­vor­ste­hen­den Kon­junk­tur­ab­schwung si­gna­li­sie­re. Ge­meint sind die Ren­di­te­auf­schlä­ge auf hoch­ver­zins­li­chen An­lei­hen, die Steil­heit der Zins­kur­ve, die Ar­beits­lo­sen­ra­te so­wie die Re­al­zin­sen (vgl. Gra­fik 1). Kommt es le­dig­lich zu ei­ner kon­junk­tu­rel­len Ab­küh­lung, sind die Vor­aus­set­zun­gen für wei­ter wach­sen­de Un­ter­neh­mens­ge­win­ne – und so­mit stei­gen­de Bör­sen­kur­se – ge­ge­ben.

Na­tür­lich kom­men die Emp­feh­lun­gen wie im­mer mit ei­ner Ab­si­che­rung: Denn prak­tisch al­le Au­gu­ren er­war­ten in den kom­men­den Mo­na­ten «er­höh­te Schwan­kun­gen» an den Bör­sen. So ver­wei­sen die An­la­ge­pro­fis auf den un­be­re­chen­ba­ren Dis­put zwi­schen den USA und Chi­na, der die Bör­sen in bei­de Rich­tun­gen be­ein­flus­sen kön­ne. And­rew Gar­thwai­te von Cre­dit Suis­se (CS) ist je­doch zu­ver­sicht­lich, dass sich die Wo­gen glät­ten wer­den. «Wir er­war­ten ei­nen po­si­ti­ven Aus­gang des Han­dels­kriegs, da wei­te­re Zöl­le für die USA zu­neh­mend kon­tra­pro­duk­tiv wir­ken», kommt er zum Schluss. Zu­dem sei es nor­mal, dass die Ak­ti­en­märk­te am En­de ei­nes Zy­klus zu stär­ke­ren Aus­schlä­gen nei­gen. Die er­höh­te Vo­la­ti­li­tät sei aber noch kein Grund, Ak­ti­en ab­zu­stos­sen.

Mar­gen un­ter Druck

Was eben­falls klar scheint: Die Mar­gen der Un­ter­neh­men sind aus­ge­reizt, das Ge­winn­wachs­tum wird sich ab­schwä­chen. «Die Mar­gen wer­den we­gen stei­gen­der Fi­nan­zie­rungs­kos­ten, hö­he­rer Löh­ne und stei­gen­der In­put­kos­ten fal­len», schreibt And­rew Sheets von Mor­gan St­an­ley (MS). Der Rück­gang der Roh­stoff­prei­se wird den Druck zwar et­was lin­dern, aber ins­ge­samt sind dem Ge­winn­wachs­tum kla­re Gren­zen ge­setzt. Ob­wohl prak­tisch al­le Stra­te­gen we­ni­ger op­ti­mis­tisch sind als noch vor ei­nem Jahr, er­war­ten sie im Mit­tel den­noch ein Ge­winn­wachs­tum von rund 8 bis 10% im neu­en Jahr. Im glei­chen Um­fang soll­ten die Ak­ti­en­kur­se zu­le­gen.

Op­ti­mis­tisch stimmt et­waYia­nos Kon­to­pou­los von UBS die jüngs­te Kor­rek­tur, die zu at­trak­ti­ve­ren Be­wer­tun­gen ge­führt ha­be: «Die glo­ba­len Ak­ti­en­märk­te ha­ben 2018 ei­ne si­gni­fi­kan­te Be­wer­tungs­re­duk­ti­on er­fah­ren.» So ist das ge­schätz­te Kur­sGe­winn-Ver­hält­nis (KGV) für die In­dus­trie­län­der für die nächs­ten zwölf Mo­na­te von fast 17 zum Jah­res­an­fang auf ak­tu­ell nur noch 14,3 ge­sun­ken. Bei den Schwel­len­län­dern sieht es ähn­lich aus: Noch im Ja­nu­ar han­del­ten sie auf ei­nem KGV von fast 13,6, ak­tu­ell be­trägt das Viel­fa­che 11,5 (vgl. Gra­fik 2).

Be­lieb­te Schwel­len­län­der

Gleich­zei­tig hat sich die Stim­mung un­ter den An­le­gern merk­lich ab­ge­kühlt, wie ein Blick auf die Um­fra­ge un­ter ame­ri­ka­ni­schen Klein­an­le­gern zeigt. Mitt­ler­wei­le sind die Markt­teil­neh­mer, die fal­len­de Ak­ti­en­kur­se er­war­ten, ge­gen­über den Op­ti­mis­ten in der Über­zahl (vgl. Gra­fik 3). Das sei aus Con­tra­ri­an-Sicht ein gu­tes Zei­chen.

Doch wo sol­len Ak­ti­en­an­le­ger zu­grei­fen? Wäh­rend die Ex­per­ten prak­tisch al­le auf Ak­ti­en set­zen, ist die Spann­wei­te der Emp­feh­lun­gen bei den Län­dern und Sek­to­ren gross. Am ehes­ten herrscht bei Schwel­len­län­dern Ei­nig­keit. Nach ei­nem ent­täu­schen­den Jahr sind die Be­wer­tun­gen so güns­tig wie schon lan­ge nicht mehr, meint et­wa And­rew Gar­thwai­te von CS. Zu­dem er­war­tet J.P. Mor­gan ei­ne we­ni­ger ag­gres­si­ve US-No­ten­bank, ei­nen leicht schwä­che­ren Dol­lar und ei­ne Ent­span­nung an der glo­ba­len Han­dels­front. All dies wer­de den Emer­ging Mar­kets Rü­cken­wind ver­lei­hen.

Auch lässt sich ei­ne Prä­fe­renz für so­li­de Fir­men fest­stel­len. Pe­ter Op­pen­hei­mer von Gold­man Sachs (GS) setzt auf Qua­li­täts­un­ter­neh­men mit ge­sun­den Bi­lan­zen, wo­bei er die Bran­chen Ver­sor­ger und eu­ro­päi­sche Öl­kon­zer­ne als in­ter­es­sant er­ach­tet. Auch ein­zel­nen, zu­letzt stark ab­ge­straf­ten Seg­men­ten, wie Berg- bau und Tech­no­lo­gie trau­en die Ex­per­ten ei­ne Er­ho­lung zu.

Ob­li­ga­tio­nen wer­den prak­tisch uni­so­no ver­schmäht. Die Ab­kehr der gros­sen No­ten­ban­ken von ih­rer ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik sei Gift für An­lei­hen. Zu­sätz­li­che Ge­fahr droht von ei­ner an­zie­hen­den Teue­rung. Wei­ter stei­gen­de Zin­sen dürf­ten des­halb auch im kom­men­den Jahr für Kurs­ver­lus­te bei fest­ver­zins­li­chen Pa­pie­ren sor­gen – so der Te­nor. Kein Wun­der, sol­len An­le­ger 2019 Ak­ti­en ge­gen­über Ob­li­ga­tio­nen den Vor­zug ge­ben. Wäh­rend CS bei US-Staats­an­lei­hen nur ei­nen be­schei­de­nen Zins­an­stieg er­war­tet, «soll­ten die Ren­di­ten auf deut­schen Bun­des­an­lei­hen spür­bar stei­gen».

Ob­li­ga­tio­nen kein Kauf

Eben­falls weit­ge­hend Über­ein­stim­mung herrscht in Be­zug auf den Dol­lar. Prak­tisch al­le Ban­ken sind der Mei­nung, der Dol­lar ha­be den Ze­nit er­reicht und wer­de sich im neu­en Jahr ab­schwä­chen. Ein In­diz sind die ex­trem ein­sei­ti­gen Wet­ten von Hedge Funds auf ei­nen stär­ke­ren Gre­en­back (vgl. Gra­fik 4). Und im­mer dann, wenn ei­ne Markt­mei­nung all­zu klar scheint, nimmt die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Ge­gen­be­we­gung zu. Auch den Fran­ken er­war­ten die Ex­per­ten schwä­cher – das wird all je­ne hie­si­gen In­ves­to­ren freu­en, die aus­län­di­sche Ver­mö­gens­wer­te hal­ten. Der Eu­ro wird im Ge­gen­zug stär­ker er­war­tet.

Nur ei­ne Bank schert aus dem ins­ge­samt recht woh­li­gen Kon­sens aus. Die fran­zö­si­sche So­cié­té Gé­né­ra­le (SG) ist punk­to Ak­ti­en merk­lich vor­sich­ti­ger: «Wir se­hen bei glo­ba­len Ak­ti­en für die nächs­ten zwölf Mo­na­te Ab­wärts­po­ten­zi­al», schrei­ben Ro­land Ka­loyan und Team in ih­rem Jah­res­aus­blick. Den Eu­ro Sto­xx 50 er­war­ten sie in ei­nem Jahr rund 11% tie­fer und auch für den S&P 500 rech­nen sie mit ei­nem Mi­nus von 11%. Der Ab­wärts­sog dürf­te laut Ka­loyan im zwei­ten Halb­jahr ein­set­zen, wenn die An­le­ger die sich an­bah­nen­de US-Re­zes­si­on – die im Jahr 2020 zu er­war­ten sei – ein­zu­prei­sen be­gin­nen. Aus die­sem Grund fa­vo­ri­sie­ren sie un­ter an­de­rem den de­fen­si­ven Schwei­zer Ak­ti­en­markt, Phar­maak­ti­en und ab­ge­straf­te Berg­bau- und Au­to­wer­te.

Pro­gno­sen sind schwie­rig, be­son­ders wenn sie die Zu­kunft be­tref­fen. Bank­stra­te­gen pro­phe­zei­en den­noch ein gu­tes Bör­sen­jahr.

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