Prak­ti­kus

Zur Ro­se blät­tert – CS über­treibt

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE -

Vie­le sind sprach­los, wenn es um Zur Ro­se geht. Ich na­tür­lich nicht. Aber zu­erst muss ich mei­ne Aus­sa­ge vom Sams­tag re­la­ti­vie­ren. Ich hat­te ge­schrie­ben, den tie­fen Plat­zie­rungs­preis für die neu­en Ak­ti­en der Ver­sand­apo­the­ke ha­be vor al­lem das Ma­nage­ment von Zur Ro­se zu ver­ant­wor­ten und nicht Ban­ken.

Ganz so ab­so­lut kann man das nicht mehr sa­gen. Denn die Haus­bank von Zur-Ro­se-Gross­ak­tio­nä­rin KWE und der Ver­tre­te­rin Va­nes­sa Frey (auch im Ver­wal­tungs­rat Zur Ro­se da­bei) hat trotz Rück­be­stä­ti­gung den Auf­trag zur Aus­übung der Be­zugs­rech­te nicht oder nicht recht­zei­tig wei­ter­ge­lei­tet. Des­halb ist die Gross­ak­tio­nä­rin oh­ne Zu­tei­lung ge­blie­ben

(vgl. Sei­te 10). Je­der, der die Mit­tei­lung von Zur Ro­se in die­ser Sa­che am Mon­tag­mor­gen las, dach­te: Die Bank – wie ich hö­re, han­delt es sich um Cre­dit Suis­se – wird die Ak­ti­en am Markt be­schaf­fen. Am Di­ens­tag­mor­gen hiess es, die Haus­bank und KWE hät­ten ei­nen Ver­gleich ab­ge­schlos­sen, der nicht die Lie­fe­rung der Ak­ti­en um­fas­se. Ich weiss nicht, wie der Ver­gleich aus­sieht. Aber ich bin er­staunt, dass man sich nicht schon am Wo­che­n­en­de auf ei­nen De­al ei­ni­gen konn­te, son­dern erst den Markt ver­rückt ma­chen muss­te. Am Mon­tag wa­ren – aus­ser dem Bör­sen­kurs – kei­ne neu­en In­for­ma­tio­nen vor­han­den. Mich stimmt es zu­dem skep­tisch, dass nicht of­fen­siv über den De­al zwi­schen Bank und KWE in­for­miert wird. Das nährt na­tür­lich Spe­ku­la­tio­nen der übels­ten Art. Ein biss­chen spe­ku­lie­ren muss ich auch: Soll­te KWE von ih­rer Bank Geld er­hal­ten ha­ben, dann wä­re ihr so­zu­sa­gen das Be­zugs­recht in bar ab­ge­gol­ten wor­den. Genau das hät­ten sich die an­de­ren Ak­tio­nä­re auch ge­wünscht.

Ei­ne an­de­re Sa­che ist die mit der Plat­zie­rung. Mit rund 35% lag die Aus­übungs­quo­te un­ter Al­t­ak­tio­nä­ren von Zur Ro­se et­was un­ter dem, was his­to­risch bei ähn­li­chen Plat­zie­run­gen er­reicht wur­de. Das mach­te In­ves­to­ren of­fen­bar skep­tisch und ver­an­lass­te sie, tie­fe­re Kur­se in die Plat­zie­rung ein­zu­ge­ben. Hät­ten die Plat­zie­rungs­ban­ken UBS und Mor­gan St­an­ley so­wie die Ge­sell­schaft es mer­ken sol­len? Schwie­rig. Auf je­den Fall gab es bei all den in­vol­vier­ten kei­nen Ex­traCheck mehr. Um ein Lieb­lings­wort von mir zu ver­wen­den: ein Rie­sen-Cock­up.

Hel­den­haf­te Cre­dit Suis­se

Pen­si­ons­kas­sen le­ben ja in schwie­ri­gen Zei­ten mit Mi­nus­zin­sen und Zins­ga­ran­ti­en, die sie den Rent­nern ab­zu­ge­ben ha­ben, zu­las­ten von mir als ak­ti­vem Spa­rer. Aber las­sen wir mei­ne per­sön­li­che Si­tua­ti­on bei­sei­te: Mir ist wie­der mal ein kras­ses Bei­spiel auf­ge­fal­len für ein Pro­dukt, des­sen Sinn sich mir nicht er­schliesst und das eben spe­zi­ell für Pen­si­ons­kas­sen ge­macht ist. Es han­delt sich um die An­la­gestif­tung der Cre­dit Suis­se, die in Pri­va­te- Equi­ty-Fonds in­ves­tiert. Wis­sen Sie, wie viel das Pro­dukt kos­tet? 5,1%. Pro Jahr.

Ein Wahn­sinn. Stel­len Sie sich vor, das Pro­dukt er­zielt ei­ne Jah­res­ren­di­te von 10%, da geht die Hälf­te weg für Ge­büh­ren, ne­ben der Bank macht be­son­ders der Ma­na­ger Part­ners Groups ein gu­tes Ge­schäft. Be­son­ders krass fin­de ich das Bei­spiel, weil die Ren­di­te nach Ge­büh­ren deut­lich dem Wel­t­ak­ti­en­in­dex hin­ter­her­hinkt, pro Jahr rund 4 Pro­zent­punk­te.

Ich bin ja nicht der Ein­zi­ge, der die

Hö­he der Ge­büh­ren in Fra­ge stellt. Mir ist schon klar, dass es klei­ne­re bis mitt­le­re Pen­si­ons­kas­sen gibt, die nicht selbst in Pri­va­te Equi­ty in­ves­tie­ren kön­nen, weil sie ganz ein­fach zu klein sind. Für sie sind sol­che An­la­gestif­tun­gen ja auch ge­macht. Aber wie­so um Him­mels wil­len wür­de man in Pri­va­te Equi­ty mit die­ser lau­si­gen Per­for­mance in­ves­tie­ren wol­len? Pri­va­te Equi­ty ist ja so­wie­so nur Ak­ti­en plus viel Fremd­ka­pi­tal. Nun gut, auf je­den Fall ha­ben die Mit­glie­der der An­la­gestif­tung selbst ei­ne Re­vol­te ge­star­tet. Cre­dit Suis­se ist so gross­zü­gig und kommt ih­nen ent­ge­gen. Sie senkt ih­re Ge­bühr um 0,5 Pro­zent­punk­te. Da­mit sinkt die künf­ti­ge Ge­bühr je nach Per­for­mance Fee auf 4,6%. Hel­den­haft.

Ar­bo­nia: Per­so­na­li­en

Der Ge­bäu­de­aus­rüs­ter Ar­bo­nia wech­selt den Fi­nanz­chef. Dass Fe­lix Bod­mer nach fünf­zehn Jah­ren geht, über­rascht mich nicht. Die Wahl des Nach­fol­gers schon mehr, aber dann doch wie­der nicht. Denn der Neue, Da­ni­el Wüest, ist ein In­vest­ment­ban­ker bei UBS. Er ist qua­si ein ex­ter­ner In­si­der. Wüest be­glei­te­te als UBS-Ban­ker seit Jah­ren Ar­bo­ni­as wich­ti­ge Trans­ak­tio­nen wie Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen, Über­nah­men und De­ves­ti­tio­nen. Al­so gibt es aus­ser­halb Ar­bo­ni­as wohl nur we­ni­ge Leu­te, die das Un­ter­neh­men so gut ken­nen wie er. Der CFO-Wech­sel lenkt mei­ne Auf­merk­sam­keit aber auf ei­ne an­de­re Per­so­na­lie: Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent und «Ad-in­te­rim-CEO» Alex­an­der von Witz­le­ben.

Witz­le­ben hat nun schon seit drei Jah­ren ad in­te­rim das Dop­pel­man­dat in­ne. Im April sag­te er ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft», er blei­be bis An­fang 2020 CEO, dann müs­se man schau­en. Ich fin­de, er soll­te frü­her mit dem Dop­pel­man­dat auf­hö­ren. Ich war da­mals der Mei­nung, für die Rie­sen­übung, die Ar­bo­nia be­vor­stand, sei es aus­nahms­wei­se okay. Aber ir­gend­wann muss Schluss sein. Man kann ar­gu­men­tie­ren, von Witz­le­ben wer­de von Gross­ak­tio­när Micha­el Pie­per aus­rei­chend kon­trol­liert, doch das über­zeugt mich nicht. Den CFO-Wech­sel soll­te von Witz­le­ben auf je­den Fall noch als CEO be­glei­ten. Dann aber soll er sich ver­ab­schie­den als CEO und sich in den Ver­wal­tungs­rat zu­rück­zie­hen. Al­so lie­ber 2019 statt 2020. Von Witz­le­ben ist bis­her ja viel ge­lun­gen. Mal se­hen, ob er den Rol­len­wech­sel auch so gut hin­kriegt.

Apol­lo und Ai­ro­pack

Er­staunt hat mich der Ver­pa­ckungs­her­stel­ler Ai­ro­pack: Nach ei­ner Auf­bau­pha­se ver­brei­te­te der Her­stel­ler von Sprüh­do­sen­spen­dern zu­letzt Hoff­nung auf schwar­ze Zah­len auf Stu­fe Ebit­da. Doch die fi­nan­zi­el­len Mit­tel gin­gen frü- her aus. Rund 130 Mio. Fr. Ka­pi­tal will das Un­ter­neh­men auf­neh­men. Viel Geld an­ge­sichts des Bör­sen­werts von 70 Mio. Fr. Ich fra­ge mich auch, was das USP­ri­va­te-Equi­ty-Haus Apol­lo in Ai­ro­pack sieht. Bis­lang mit 22% be­tei­ligt, wird es nun die Mehr­heit über­neh­men. Apol­lo ist auch noch be­deu­ten­der Kre­dit­ge­ber. Zu­dem kommt ein neu­er Chef, des­sen Na­me noch nicht ge­nannt wird we­gen Ver­trags­ver­hand­lun­gen. Wer nach dem Schnäpp­chen grei­fen will: Ich ra­te drin­gend da­von ab. Bis­her kam aus dem Sprüh­do­sen­sys­tem nur war­me Luft.

Zur Um­fra­ge: Der Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na scheint un­ter­bro­chen. Ist er be­en­det? Sa­gen Sie’s mir auf www.fuw.ch/um­fra­ge.

«In der Schweiz gibt es ei­nen un­ver­mu­te­ten In­di­vi­dua­lis­mus, der fast bri­tisch-ego­zen­trisch da­her kommt, aber of­fen ist.» DO­RIS DÖR­RIE dt. Re­gis­seu­rin und Au­to­rin (geb. 1955)

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