Mo­ni­tor

Bleibt es beim Stroh­feu­er?

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - FE­LIX BRILL,

Der Start in die Wo­che hät­te kaum bes­ser aus­fal­len kön­nen. Die asia­ti­schen Bör­sen be­grüss­ten An­le­ger in Eu­ro­pa mit ei­ner von gros­ser Er­leich­te­rung ge­präg­ten Stim­mung. Die Teil­neh­mer des G20-Gip­fels hat­ten sich am Wo­che­n­en­de in Bu­e­nos Ai­res zwar nur mit Mü­he auf ei­ne nichts­sa­gen­de Ab­schluss­er­klä­rung ge­ei­nigt. Aber die Twit­ter-Bot­schaf­ten von US-Prä­si­dent Do­nald Trump im Nach­gang zum Tref­fen mit Chi­nas Staats­prä­si­dent Xi Jin­ping weck­ten Hoff­nun­gen, dass sich der Han­dels­kon­flikt doch noch in Wohl­ge­fal­len auf­löst.

Das Zwi­schen­er­geb­nis vom Mon­tag: Der Dax schloss mit knapp 2% im Plus, S MI und S&P 500 leg­ten rund 1% zu und der Öl­preis schoss, auch be­güns­tigt durch die Mel­dung, dass das Öl­för­der­land Ka­tar die Opec ver­las­sen wird, 5% in die Hö­he.

Stim­mung schlägt um

Und am Di­ens­tag? Statt Er­leich­te­rung wie­der Er­nüch­te­rung. Aus­ge­löst wur­de der Stim­mungs­um­schwung da­durch, dass so­wohl Fi­nanz­mi­nis­ter Ste­ven Mnu­ch­in als auch Do­nald Trumps Wirt­schafts­be­ra­ter Lar­ry Kud­low rhe­to­risch zu­rück­ru­der­ten. Do­nald Trump hat­te von ei­nem «aus­ser­ge­wöhn­li­chen» Tref­fen ge­schwärmt und get­wit­tert, Chi­na ha­be «zu­ge­stimmt», die Im­port­zöl­le auf USFahr­zeu­ge von der­zeit 40% fal­len zu las­sen. Mnu­ch­in und Kud­low spra­chen nun nur noch von Ab­sichts­er­klä­run­gen. Zu­dem räum­te das Weis­se Haus ein, dass die auf neun­zig Tage an­ge­setz­te Ver­hand­lungs­frist nicht erst am 1. Ja­nu­ar 2019 star­tet, son­dern be­reits am 1. De­zem­ber be­gon­nen hat.

Al­so le­dig­lich Ab­sichts­er­klä­run­gen statt Burg­frie­den, und dann auch noch Ver­wir­rung über das wei­te­re Vor­ge­hen. Dem am Mon­tag vor­herr­schen­den Op­ti­mis­mus wur­de der Wind aus den Se­geln ge­nom­men. Der Nik­kei schloss am Di­ens­tag mit über 2% im Mi­nus. Auch die eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­märk­te ent­wi­ckel­ten sich im Ta­ges­ver­lauf ne­ga­tiv.

Zins­kur­ve kehrt

Ver­stärkt wur­de die­se Ent­wick­lung durch die auf­kom­men­de Ner­vo­si­tät an den An­lei­hen­märk­ten. Erst­mals seit 2007 war­fen fünf­jäh­ri­ge US-Staats­an­lei­hen mit 2,807% wie­der we­ni­ger Ren­di­te ab als zwei­jäh­ri­ge Pa­pie­re, die 2.813% ren­tier­ten. In­ver­se Zins­kur­ven gel­ten als Vor­bo­te für Re­zes­sio­nen. In Eu­ro­pa sind die Zins­kur­ven zwar noch nicht in­vers, aber auch im Eu­ro und Fran­ken hat sich der Ren­di­te­ab­stand zwi­schen lang- und kurz­lau­fen­den Staats­an­lei­hen spür­bar ein­ge­engt. Dar­an än­der­te auch der am Mon­tag pu­bli­zier­te An­stieg des ISM Ma­nu­fac­tu­ring In­dex nichts.

Am heu­ti­gen Mitt­woch blei­ben die Bör­sen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf­grund des na­tio­na­len Trau­er­fei­er­tags zu Eh­ren des ver­stor­be­nen frü­he­ren US-Prä­si­den­ten Ge­or­ge Bush ge­schlos­sen. Auch der ge­plan­te Auf­tritt von Fed-Prä­si­dent Je­ro­me Po­well vor dem Kon­gress wur­de kurz­fris­tig ab­ge­sagt. Ent­spre­chend müs­sen sich die Fi­nanz­märk­te für neue Im­pul­se von Sei­ten des Fed noch et­was ge­dul­den.

Fed oh­ne Au­to­pi­lot

Die jüngs­ten Aus­sa­gen Po­wells hat­ten vie­le Markt­teil­neh­mer da­zu ver­lei­tet, ih­re Er­war­tun­gen in Be­zug auf die wei­te­re Zins­po­li­tik des Fed nach un­ten zu re­vi­die­ren. Nimmt man et­wa die aus den Ter­min­märk­ten ab­les­ba­ren Er­war­tun­gen als Mass­stab, ist ei­ne Zins­er­hö­hung an der nächs­ten Sit­zung des für die US-Geld­po­li­tik zu­stän­di­gen Of­fen­markt­aus­schus­ses am 18. und 19. De­zem­ber 2018 mit le­dig­lich acht­zig­pro­zen­ti­ger Wahr­schein­lich­keit ein­ge­preist. Aus den Ter­min­kon­trak­ten las­sen sich nur noch zwei Zins­er­hö­hun­gen ab­lei­ten. Zu­min­dest die Ter­min­märk­te ge­hen al­so da­von aus, dass die US-Zen­tral­bank den Au­to­pi­lo­ten 2019 ab­schal­ten und deut­lich zu­rück­hal­ten­der agie­ren wird.

In die­sem von Vor­sicht und Ner­vo­si­tät ge­präg­ten Um­feld kommt der am Frei­tag an­ste­hen­den Ver­öf­fent­li­chung des USAr­beits­markt­be­richts für No­vem­ber gros­se Be­deu­tung zu. Der jüngs­te An­stieg der Erst­an­trä­ge auf Ar­beits­lo­sen­un­ter­stüt­zung lässt die Kon­sens­schät­zung von knapp 200 000 neu ge­schaf­fe­nen Stel­len am­bi­tio­niert er­schei­nen.

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