Un­schö­ne Be­gleit­tö­ne zur Ka­pi­tal­er­hö­hung von Zur Ro­se

Ein Feh­ler der Haus­bank des An­ker­ak­tio­närs KWE hat un­er­wünsch­te Fol­gen. Der Re­pu­ta­ti­ons­scha­den strahlt auf den Ver­sand­apo­the­ker ab.

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AR­NO SCHMO­CKER Al­le Fi­nanz­da­ten zu Zur Ro­se im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/RO­SE

Die Ge­schich­te rund um die jüngs­te Ka­pi­tal­er­hö­hung des Ver­sand­apo­the­kers Zur Ro­se ist um ein un­ge­wöhn­li­ches Ka­pi­tel rei­cher. Nun­mehr ist klar, war­um ver­gan­ge­ne Wo­che bloss et­wa 35% der Be­zugs­rech­te von bis­he­ri­gen Ak­tio­nä­ren aus­ge­übt wur­den: Aus­ge­rech­net der An­ker­ak­tio­när, die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft KWE der Fa­mi­lie Frey, blieb aus­sen vor, ob­schon sie zu­vor ihr Mit­tun be­kräf­tigt hat­te. Ih­re Haus­bank, ge­mäss In­for­ma­ti­on von «Fi­nanz un­dWirt­schaft» Cre­dit Suis­se, hat­te ver­ges­sen, den Auf­trag zur Aus­übung der Be­zugs­rech­te an die mit der Ka­pi­tal­er­hö­hung be­auf­trag­ten Ban­ken zu sen­den – mit un­er­wünsch­ten Fol­gen.

Der nied­ri­ge Zu­tei­lungs­preis von 93 Fr. je Ak­tie sorg­te am Don­ners­tag für Ir­ri­ta­tio­nen. Er lag fast 11% un­ter dem Schluss­kurs vomVor­tag. Lei­der sei die Plat­zie­rung im «ak­tu­ell an­ge­spann­ten Fi­nanz­markt­ um­feld zu ei­nem hö­he­ren Preis nicht mög­lich», sag­te CEO Wal­ter Ober­häns­li En­de Wo­che zu «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Ra­scher Ver­gleich

Der Haupt­grund war ein an­de­rer: Weil die Zeich­nung von KWE aus­ge­blie­ben war, muss­ten mehr Ak­ti­en am Markt plat­ziert wer­den, um die von Zur Ro­se an­vi­sier­ten 200 Mio. Fr. brut­to zu er­rei­chen. Mit KWE wä­ren fast 50% der neu­en Ak­ti­en von bis­he­ri­gen Teil­ha­bern ge­zeich­net wor­den. Statt­des­sen wur­de mit ei­ner Be­tei­li­gung von nur 35% ein ne­ga­ti­ves Si­gnal aus­ge­sandt. Das Un­ter­neh­men hat­te kei­nen Be­zugs­preis ge­nannt. Er soll­te «At mar­ket» lie­gen, na­he am ak­tu­el­len Bör­sen­kurs. Das Geld braucht Zur Ro­se für die Über­nah­me des dritt­gröss­ten On­li­ne­Apo­the­kers in Deutsch­land, Med­pex.

Das pein­li­che «Ver­se­hen» dürf­te die CS ei­ni­ges ge­kos­tet ha­ben. Schon am Mon­ tag­abend schloss KWE ei­nen Ver­gleich ab. Von wel­chem In­halt, dar­über woll­te Va­nes­sa Frey als Ver­tre­te­rin der Fa­mi­lie kei­ne Aus­kunft er­tei­len. Auf An­fra­ge er­klär­te sie: «Für KWE­Be­tei­li­gun­gen war es wich­tig, ei­ne ra­sche und prak­ti­ka­ble Lö­sung mit der Haus­bank ge­fun­den zu ha­ben. Sonst wä­ren Markt­spe­ku­la­tio­nen Tür und Tor ge­öff­net wor­den.»

Auf je­den Fall han­del­te es sich beim Ver­gleich nicht um die Lie­fe­rung von ZurRo­se­Ak­ti­en be­zie­hungs­wei­se de­ren Be­schaf­fung im Markt durch die CS, um den An­teil von KWE auf­zu­sto­cken. Der An­teil von KWE ist von 14,5 auf 10,8% ge­sun­ken. Va­nes­sa Frey ist seit 2016 Mit­glied des sechs­köp­fi­gen Ver­wal­tungs­rats des Ver­sand­apo­the­kers. Ein wei­te­res Mit­glied ist Heinz Baum­gart­ner, CEO von Schwei­ter. Am In­dus­trie­un­ter­neh­men hält KWE über 25%. Man­che Aus­sen­ste­hen­de zäh­len Baum­gart­ner da­her zur «Frey­Frak­ti­on », die nun im VR über­re­prä­sen­tiert wä­re.

Ei­ne an­de­re Fra­ge bleibt den­noch: Hät­ten nicht die bei­den in­vol­vier­ten In­vest­ment­ban­ken UBS und Mor­gan St­an­ley oder Zur Ro­se den Feh­ler der Haus­bank von KWE bei der Ka­pi­tal­er­hö­hung be­mer­ken müs­sen, weil er­staun­lich we­nig Be­zugs­rech­te aus­ge­übt wur­den? Ei­ne Spre­che­rin von Zur Ro­se meint: «In ei­ner «At mar­ket»­Be­zugs­recht­s­e­mis­si­on ist die Aus­übungs­quo­te der be­ste­hen­den Ak­tio­nä­re er­fah­rungs­ge­mäss deut­lich nied­ri­ger als in ei­ner Be­zugs­recht­s­e­mis­si­on mit Dis­count. In­so­fern hat­te Zur Ro­se kei­nen An­lass, an den ihr von den Syn­di­kats­ban­ken ge­lie­fer­ten An­ga­ben zu zwei­feln.»

Nach vor­ne schau­en

Wie hoch schätzt Zur Ro­se den Ima­ge­scha­den ein? Der Vor­fall sei für al­le Be­tei­lig­ten sehr är­ger­lich, be­tont die Spre­che­rin. Der Feh­ler sei sehr be­dau­er­lich, lie­ge aber aus­ser­halb der Ein­fluss­sphä­re. Das We­sent­li­che sei un­ter­ge­gan­gen: «Dass wir mit dem Kauf von Deutsch­lands Num­mer drei der Ver­sand­apo­the­ken ei­nen gros­sen Schritt vor­wärts­ma­chen und viel Wert für un­se­re Ak­tio­nä­re schaf­fen kön­nen.»

Nüch­tern be­trach­tet, ist der ak­tu­el­le Kurs ei­ne Ein­stiegs­ge­le­gen­heit. Die Ak­ti­en no­tie­ren ein Drit­tel un­ter dem Aus­ga­be­preis von 140 Fr. vom Ju­li 2017.

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