Ge­org Fi­scher han­deln un­ter Wert

Die mas­si­ve Kurs­kor­rek­tur bil­det ein düs­te­res Sze­na­rio ab, das die Fort­schrit­te der ver­gan­ge­nen Jah­re aus­blen­det.

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CHRIS­TI­AN BRAUN Al­le Fi­nanz­da­ten zu Ge­org Fi­scher im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/FI-N

Ge­org Fi­scher gleicht ei­nem ge­rupf­ten Huhn. Die Ak­ti­en ha­ben in der schar­fen Bör­sen­kor­rek­tur mit am meis­ten Fe­dern ge­las­sen. Zu vie­le. Ak­tu­ell no­tie­ren sie 44% un­ter Jah­res­hoch. Zum Ver­gleich: Die Ab­wei­chung im SMIM, dem In­dex der mit­tel­gros­sen Un­ter­neh­men, be­trägt 16%; in dem von den In­dex­schwer­ge­wich­ten Nest­lé, No­var­tis und Ro­che ge­stütz­ten SPI sind es 7% (vgl. Chart).

Die Hö­her­be­wer­tung, die sich die Schaff­hau­ser In­dus­trie­grup­pe durch ei­ne Aus­rich­tung auf de­fen­si­ve­re und höher­mar­gi­ge Ge­schäfts­ge­bie­te er­ar­bei­tet hat­te, ist aus­ra­diert. Be­wer­tungs­kenn­zah­len wie das Ver­hält­nis aus Kurs und Ge­winn oder das aus Un­ter­neh­mens­wert und Ebit­da, dem Be­triebs­ge­winn vor Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­ti­on, sind mas­siv zu­rück­ge­kom­men (vgl. Gra­fik 1).

Be­weis steht aus

Wie viel we­ni­ger kon­junk­tur­an­fäl­lig das Ge­schäft von Ge­org Fi­scher heu­te ist, harrt in­des noch ei­nes Be­wei­ses. Dar­auf wol­len es vie­le An­le­ger of­fen­bar nicht an­kom­men las­sen. An­ge­sichts der zahl­rei­chen Un­wäg­bar­kei­ten ha­ben sie es vor­ge­zo­gen, Kurs­ge­win­ne zu rea­li­sie­ren.

Das Vor­an­kom­men wird 2019 so oder so schwie­ri­ger als die­ses Jahr. Da­für spricht al­lein schon die ho­he Ver­gleichs­ba­sis. Ein der­art gu­tes Se­mes­ter wie das ers­te – mit 12% or­ga­ni­schem Um­satz­wachs­tum – gibt es sel­ten. Vor al­lem aber prä­sen­tiert sich das Markt­um­feld in­zwi­schen ver­hal­te­ner. Da­von aus­ge­hend, dass es 2019 oh­ne­hin lang­sa­mer vor­an­ge­hen wird, ha­ben Ana­lys­ten des­halb ih­re Um­satz­ und Ge­winn­schät­zun­gen jüngst et­was ge­senkt (vgl. Gra­fik 2).

Ein­zel­ne Kun­den­bran­chen wie Au­to­mo­ti­ve und Halb­lei­ter büs­sen Tem­po ein, an­de­re we­cken ver­mehrt Be­den­ken. Dem­ge­gen­über sind die Markt­in­di­ka­to­ren für die Luftfahrt wei­ter­hin güns­tig, wie der Trieb­werk­pro­du­zent MTU Ae­ro En­gi­nes gera­de be­stä­tigt hat. Der Sek­tor hat im Ge­schäft der Grup­pe merk­lich an Ge­wicht ge­won­nen, in der Di­vi­si­on GF Ma­chi­ning So­lu­ti­ons eben­so wie bei GF Cas­ting So­lu­ti­ons (frü­her GF Au­to­mo­ti­ve).

Pfei­le im Kö­cher

Da­zu kom­men noch an­de­re Fak­to­ren, die da­zu bei­tra­gen, den Ein­fluss ei­ner wirt­schaft­li­chen Ab­küh­lung zu min­dern.

In der Di­vi­si­on GF Cas­ting So­lu­ti­ons ist das zum ei­nen der im April voll­zo­ge­ne Kauf von Pre­ci­cast. Mit dem auf Flug­zeug­trieb­werk­ und Gas­tur­bi­nen­tei­le spe­zia­li­sier­ten Fein­guss­un­ter­neh­men aus dem Tes­sin nimmt die Ab­hän­gig­keit vom zy­kli­schen Au­to­mo­ti­ve­Be­reich et­was ab, nach Pro­for­ma­Zah­len für 2017 von 94 auf 86%. Doch auch Au­to­mo­ti­ve gibt Im­pul­se. Der di­rek­te Markt­ein­tritt in Nord­ame­ri­ka über das Jo­int Ven­ture GF Li­n­a­mar bringt Neu­ge­schäft. Für das neue Leicht­me­tal­lD­ruck­guss­werk in Mills Ri­ver, North Ca­ro­li­na, das im Ju­li die Se­ri­en­pro­duk­ti­on auf­ge­nom­men hat, be­steht ein ho­her Auf­trags­be­stand. Schon 2019 soll es ei­ne gu­te, da­nach ei­ne vol­le Aus­las­tung ha­ben.

Ge­gen Schwä­chen im Ge­schäft mit Au­to­mo­bil­ und Last­wa­gen­kun­den hilft auch Neu­ge­schäft mit Kom­po­nen­ten für elek­tri­fi­zier­te und elek­tri­sche Fahr­zeu­ge, pri­mär Bat­te­rie­ge­häu­sen. Mit Schwä­chen ist ge­mäss der Ra­ting­agen­tur Fitch durch­ aus zu rech­nen. In der jüngs­ten Beur­tei­lung des eu­ro­päi­schen Au­to­mo­bil­sek­tors heisst es, er kom­me 2019 we­gen nach­las­sen­der Ab­satz­zah­len in Eu­ro­pa, Chi­na und den USA zu­neh­mend un­ter Druck.

Wich­ti­ge Bei­trä­ge zur Sen­kung der Kon­junk­tur­an­fäl­lig­keit stam­men von GF Ma­chi­ning So­lu­ti­ons. Der Her­stel­ler von Ma­schi­nen für den Werk­zeug­ und den For­men­bau so­wie zur Fer­ti­gung von Prä­zi­si­ons­tei­len macht heu­te rund ein Drit­tel des Um­sat­zes mit schwan­kungs­är­me­ren Bran­chen wie Luftfahrt, Me­di­zi­nal­tech­nik so­wie In­for­ma­ti­ons­ und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie. Je ein wei­te­res Drit­tel stammt vom sta­bi­len Ser­vice­ge­schäft so­wie aus zy­kli­schen In­dus­tri­en.

Doch auch so schla­gen wirt­schaft­li­che Schwan­kun­gen an. Des­halb gibt es trotz «star­ker Auf­trags­la­ge» per Mit­te Jahr zur kleins­ten Di­vi­si­on auch Be­den­ken, vor al­lem we­gen der Wachs­tums­ver­lang­sa­mung der chi­ne­si­schen Wirt­schaft. Chi­na ist der wei­t­aus gröss­te Markt für Werk­zeug­ma­schi­nen. Ein Ab­fla­chen der Konjunktur wür­de die Bran­che be­las­ten. An­de­rer­seits be­fin­det sich das Land in ei­nem Struk­tur­wan­del hin zu hö­her­wer­ti­gen Pro­duk­ten, wo­zu es mehr hö­her­wer­ti­ge Ma­schi­nen braucht.

Die um­satz­ und mar­gen­stärks­te Di­vi­si­on, die auf Rohr­lei­tungs­sys­te­me spe­zia­li­sier­te GF Pi­ping Sys­tems, ist auch die sta­bils­te. Das gilt vor al­lem für Lö­sun­gen rund um den Trans­port von Was­ser und Gas, wo­ge­gen die Nach­fra­ge nach In­dus­trie­an­wen­dun­gen wie dem Trans­port von Che­mi­ka­li­en oder von Pro­zess­flüs­sig­kei­ten in der Halb­lei­ter­pro­duk­ti­on zy­kli­scher ist. So dürf­te der re­ge Be­stel­lungs­ein­gang für Halb­lei­ter­fa­bri­ken in Asi­en in­zwi­schen nach­ge­las­sen ha­ben.

Da­für er­hält GF Pi­ping Sys­tems Im­pul­se aus der Ent­wick­lung des neu­en, aus­sichts­rei­chen Markt­seg­ments Küh­lung (vori­so­lier­te Roh­re). Die letzt­jäh­ri­ge Über­nah­me von Ure­con in Ka­na­da dient als Sprung­brett für den nord­ame­ri­ka­ni­schen Markt. Da­zu kommt auch in die­ser Di­vi­si­on die fort­lau­fen­de Ver­la­ge­rung in hö­her­wer­ti­ge Ge­schäfts­fel­der.

Glück und Ver­stand

Al­les in al­lem soll­te Ge­org Fi­scher dank ei­ner er­folg­rei­chen Stra­te­gie­um­set­zung, aber auch dank glück­li­chem Ti­ming, wie im Fall von GF Li­n­a­mar, in der La­ge sein, in ei­nem raue­ren Um­feld ma­nier­lich zu be­ste­hen. Ein sol­ches wird Spu­ren hin­ter­las­sen. Dar­um ist ein Be­wer­tungs­ab­schlag we­gen der Ver­meh­rung und Ver­grös­se­rung der wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Un­wäg­bar­kei­ten so­wie auf­grund der Er­war­tung ver­min­der­ter Stei­ge­rungs­ra­ten frag­los ge­recht­fer­tigt.

Doch ei­ne Kor­rek­tur, die al­le Fort­schrit­te der letz­ten Jah­re aus­blen­det, ist über­trie­ben. Oder als Vor­weg­nah­me ei­nes star­ken Ge­winn­rück­gangs zu­min­dest sehr pes­si­mis­tisch. Die FuW­Schät­zung für 2019 sieht im Haupt­sze­na­rio ei­ne leich­te Um­satz­stei­ge­rung und ei­ne un­ter­pro­por­tio­na­le Ge­winn­zu­nah­me auf 72 Fr. je Ti­tel. An­ders ge­sagt: Ge­org Fi­scher ver­dient von der Bör­se ein schö­ne­res Fe­der­kleid.

Rund zwei Drit­tel des Um­sat­zes von GF Ma­chi­ning So­lu­ti­ons stam­men heu­te aus sta­bi­len oder we­ni­ger zy­kli­schen Ge­schäfts­fel­dern.

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