Fünf-Ster­ne-Re­zes­si­on in Ita­li­en

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - KUE

Ver­un­si­cher­te Haus­hal­te und Un­ter­neh­men ge­ben we­ni­ger Geld aus.

Ita­li­ens Wirt­schaft ist im drit­ten Quar­tal erst­mals seit der Re­zes­si­on von 2011 bis 2014 wie­der ge­schrumpft, wenn auch nur we­nig, um 0,1%. Zwar dürf­ten Son­der­ef­fek­te ge­bremst ha­ben, Volks­wir­te war­nen gleich­wohl, dass die po­li­ti­sche Un­si­cher­heit – aus­ge­löst durch die Bud­get­plä­ne der Re­gie­rung – in ei­ne mil­de Wirt­schafts­kri­se füh­ren. Et­wa, wenn Pri­vat­haus­hal­te und Un­ter­neh­men sich beim Geld­aus­ge­ben zu­rück­hal­ten.

Ei­ne schrump­fen­de Wirt­schafts­leis­tung ver­schärft das Schul­den­pro­blem des ita­lie­ni­schen Staa­tes, der mit mehr als 130% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) die zweit­höchs­te Schul­den­quo­te im Eu­ro­raum aus­weist. Auf die Ver­schul­dung im Pri­vat­sek­tor dürf­ten die seit Früh­jahr ge­stie­ge­nen Ren­di­ten der Staats­an­lei­hen bis­her aber kaum ge­wirkt ha­ben. Die Öko­no­men der Be­ren­berg Bank fra­gen sich den­noch, ob jetzt nicht so­gar ei­ne «Fünf-Ster­ne-Re­zes­si­on» dro­hen könn­te, wo­mit sie auf ei­ne der bei­den po­pu­lis­ti­schen Par­tei­en an­spie­len, die die Re­gie­rung in Rom bil­den. «Ei­ne mil­de und kur­ze Re­zes­si­on steht be­vor», schrei­ben die Öko­no­men von Bar­clays.

Zu­letzt hat­ten vie­le Volks­wir­te ih­re Pro­gno­sen für das nächs­te Jahr ge­senkt, der Durch­schnitt der von Bloom­berg be­frag­ten Öko­no­men steht der­zeit bei ei­nem Plus von 1% – genau wie für das lau­fen­de Jahr. Ge­mäss der mo­nat­li­chen Um­fra­ge des In­sti­tuts Mar­kit ist der Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die In­dus­trie im No­vem­ber auf 48,6 Punk­te ge­sun­ken – nied­rigs­ter Wert seit De­zem­ber 2014. Auf­fäl­lig ist zu­dem, dass Ita­li­ens Ar­beits­lo­sen­quo­te nach An­ga­ben der Sta­tis­tik­be­hör­de Eu­ro­s­tat von 10,1% im Au­gust auf 10,6% im Ok­to­ber ge­stie­gen ist.

Die Volks­wir­te des Be­ra­tungs­diens­tes Ca­pi­tal Eco­no­mics stel­len fest, dass die Wirt­schaft be­reits an Schwung ver­lo­ren hat, be­vor die hö­he­ren Ren­di­ten auf Staats­an­lei­hen be­gon­nen ha­ben, auf den Pri­vat­sek­tor durch­zu­schla­gen. Sie ge­hen da­von aus, dass die Zin­sen auf Bank­kre­di­te erst im nächs­ten Jahr kräf­tig stei­gen wer­den, was die Aus­ga­ben der Pri­vat­haus­hal­te und der Un­ter­neh­men dämp­fen dürf­te. Bank­ak­ti­en und -an­lei­hen wa­ren zu­letzt un­ter Druck ge­ra­ten.

Bei den Un­ter­neh­men hat sich die Schul­den­auf­nah­me seit En­de der Re­zes­si­on im Jahr 2014 oh­ne­hin kaum er­holt. Mit ei­ner kur­zen Un­ter­bre­chung 2015 sank die Net­to­neu­ver­schul­dung seit 2013 un­un­ter­bro­chen. Erst 2018 dreh­te sie auf Jah­res­sicht ins Po­si­ti­ve – der Zu­wachs lag im zwei­ten Quar­tal mit 0,45% noch im­mer deut­lich un­ter dem, was vor der Fi­nanz­kri­se üb­lich war.

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