Ren Zhengfei

Für den Grün­der des Tele­com­aus­rüs­ters ist es ein Schock: Wa­shing­ton hat sei­ne Toch­ter ver­haf­ten las­sen. Sein Un­ter­neh­men ist schon län­ger im Vi­sier der USA.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ALEX­AN­DER TRENTIN

Der von ihm ge­grün­de­te Tech-Kon­zern Hua­wei ist schon län­ger im Vi­sier der USA. Sie ha­ben sei­ne Toch­ter ver­haf­ten las­sen.

Es muss ein grosser Schock für Ren Zheng

fei ge­we­sen sein. Die Fi­nanz­che­fin Meng Wanz­hou des von ihm ge­grün­de­ten Tech­no­lo­gie­kon­zerns Hua­wei wur­de am Wo­che­n­en­de schon in Vancouver ver­haf­tet. Sie ist nicht nur ein­fach ei­ne Mit­ar­bei­te­rin Hua­weis, son­dern die äl­tes­te Toch­ter des Pa­tri­ar­chen. Sie trägt den Fa­mi­li­en­na­men der Mut­ter.

Die 46-Jäh­ri­ge wur­de auf Ge­heiss der USA ver­haf­tet. Dort wird ge­gen Hua­wei er­mit­telt. Das Un­ter­neh­men soll Netz­werk­tech­no­lo­gie an den Iran ver­kauft und da­mit ge­gen Sank­tio­nen ver­stos­sen ha­ben. Da­mit ist die Fa­mi­lie Rens ein di­rek­tes Op­fer des Kon­flikts zwi­schen Chi­na und den USA ge­wor­den. Das Un­ter­neh­men ist es schon lan­ge.

Ob­wohl Hua­wei nicht ko­tiert ist, ver­heisst die Ver­haf­tung nichts Gu­tes für An­le­ger. Die Fi­nanz­märk­te ha­ben sich auf bes­se­re Be­zie­hun­gen zwi­schen den bei­den Su­per­mäch­ten ein­ge­stellt. Auf dem G-20-Gip­fel, eben­so am Wo­che­n­en­de, wur­de aus­ge­macht, im Han­dels­kon­flikt in den nächs­ten drei Mo­na­ten ei­ne Ei­ni­gung zu fin­den. Die At­mo­sphä­re da­für ist nun ver­gif­tet.

Die «Glo­bal Ti­mes», Sprach­rohr der chi­ne­si­schen Re­gie­rung, zi­tiert ei­nen Ex­per­ten des Han­dels­mi­nis­te­ri­ums in Peking: «Chi­na soll­te sich auf ei­ne Es­ka­la­ti­on des Han­dels­kriegs mit den USA vor­be­rei­ten.» Die Ver­haf­tung Mengs zei­ge, dass sich der Kurs Wa­shing­tons nicht ge­mäs­sigt ha­be.

Hua­wei ist ei­ne Vor­zei­ge­ge­sell­schaft Chi­nas. In den USA ist sie aber nicht nur we­gen des Vor­wurfs der Sank­ti­ons­um­ge

hung un­ter Druck. Wie ZTE, ein an­de­rer chi­ne­si­scher Netz­werk­aus­rüs­ter, soll das Un­ter­neh­men mit dem Ex­port sei­ner Tech­no­lo­gie chi­ne­si­sche Spio­na­ge im Aus­land er­mög­li­chen. Das hat Fol­gen. Im Ja­nu­ar hat der Tele­com­kon­zern Ve­ri­zon be­kannt­ge­ge­ben, auf den Ver­trieb von Hua­wei-Han­dys zu ver­zich­ten. Zu gross war der Druck der US-Re­gie­rung. Die aus­tra­li­sche Re­gie­rung hat hei­mi­schen Un­ter­neh­men ver­bo­ten, für den Auf­bau ei­nes Netz­werks mit der neu­en Über­tra­gungs­tech­no­lo­gie 5G chi­ne­si­sche Kom­po­nen­ten zu ver­wen­den. In der Schweiz hat Sun­ri­se zu­letzt be­kräf­tigt, bei 5G auf Hua­wei zu set­zen.

Die Chi­ne­sen be­le­gen seit 2014 den ers­ten Platz der Netz­werk­aus­rüs­ter.

Bei Smart­pho­nes hat Hua­wei ge­mäss Markt­for­scher IDC nun App­le über­holt und ist der zweit­gröss­te Her­stel­ler nach Samsung. Das Un­ter­neh­men mit heu­te 180 000 An­ge­stell­ten wur­de vom ehe­ma­li­gen Ar­mee­of­fi­zier Ren ge­grün­det, stu­dier­ter Bau­in­ge­nieur und Mit­glied der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei 1987. Von ein­fa­chen Te­le­fon­schalt­sys­te­men han­gel­te es sich in der Wert­schöp­fungs­ket­te ste­tig vor. Nun ar­bei­tet Hua­wei in ein­und­zwan­zig For­schungs­in­sti­tu­ten an Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en wie dem In­ter­net of Things oder künst­li­cher In­tel­li­genz.

Ei­ner der wich­tigs­ten Auf­trä­ge kam an­fangs von der chi­ne­si­schen Ar­mee, die Re­gie­rung schütz­te ex­pli­zit den hei­mi­schen Markt ge­gen Wett­be­wer­ber. In­wie­weit staat­li­che Kre­di­te Ren ge­hol­fen ha­ben, ist um­strit­ten. Auch die Ei­gen­tü­mer­struk­tur ist im Dun­keln. Of­fi­zi­ell ge­hö­ren dem 74-Jäh­ri­gen we­ni­ger als 1,4% der An­tei­le. Den Gross­teil sol­len Mit­ar­bei­ter be­sit­zen – sie be­kom­men zwar Di­vi­den­de, doch oh­ne Stimm­recht, und sie müs­sen ih­ren An­teil bei Ver­las­sen des Un­ter­neh­mens ab­ge­ben. Es wird ver­mu­tet, dass Meng die Kron­er­bin Rens ist. Aber das hat­te er 2013 noch be­strit­ten: «Mei­ne Fa­mi­li­en­mit­glie­der wer­den nie Teil mei­ner Nach­fol­ge sein.»

Ren scheut das Licht der Öf­fent­lich­keit. Vor knapp vier Jah­ren trat er auf dem Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos auf:

«Es ist kei­ne Ab­sicht, dass ich mich so im Hin­ter­grund hal­te.» Er ha­be nur kei­ne Ah­nung von Fi­nan­zen oder von Tech­no­lo­gie – und wol­le sich nicht bla­mie­ren. Er er­zähl­te in Da­vos, wie man den Ser­vice für Kun­den trotz Bür­ger­krieg oder Erd­be­ben si­cher­stel­le.

In Da­vos er­klär­te Ren noch, dass er «nur po­si­ti­ve Ge­füh­le» ge­gen­über den USA he­ge. Sei­ne jüngs­te Toch­ter Anna­bel Yao aus zwei­ter Ehe stu­diert in Har­vard In­for­ma­tik. Ren ist ge­mäss der chi­ne­si­schen Pres­se in drit­ter Ehe mit ei­ner ehe­ma­li­gen Se­kre­tä­rin ver­hei­ra­tet.

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