Eli­sa­beth Kopp

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - Va­len­tin Ade

Drei Frau­en in der Lan­des­re­gie­rung sind ab jetzt das ab­so­lu­te Mi­ni­mum, sagt die ers­te Bun­des­rä­tin der Schweiz.

… Eli­sa­beth Kopp, ers­te Bun­des­rä­tin Die letz­ten Aus­läu­fer ei­ner Bron­chi­tis pla­gen Eli­sa­beth Kopp die­ser Ta­ge. Doch die ers­te Bun­des­rä­tin der Schweiz nimmt sich trotz­dem Zeit, emp­fängt in ih­rer gros­sen Woh­nung in Zumikon. «Das ers­te Mal in mei­nem Le­ben wer­de ich nicht mehr von Ter­mi­nen er­drückt», sagt die 82-Jäh­ri­ge. «Es ist ein neu­es Stück Le­bens­qua­li­tät.» Zeit für Berg­wan­de­run­gen und Spa­zier­gän­ge, die Toch­ter, die drei En­kel­töch­ter und ei­nen Uren­kel muss sie sich heu­te nicht mehr vom Mun­de ab­spa­ren. «Das ist das bes­te An­ti-Aging-Pro­gramm.»

Doch ein­fa­che Pen­sio­nä­rin ist Kopp des­halb nicht. Sie hält Vor­trä­ge, nimmt an Dis­kus­si­ons­run­den teil, schreibt Gast­bei­trä­ge und be­sucht re­gel­mäs­sig Al­ters­re­si­den­zen. In den ver­gan­gen Ta­gen häu­fen sich die An­fra­gen. Rund um die Wahl der ach­ten und der neun­ten Bun­des­rä­tin am Mitt­woch ist Kopp ge­sucht. «Das ab­so­lu­te Mi­ni­mum sind ab jetzt drei Frau­en in der Lan­des­re­gie­rung», sagt sie.

1984 ist die FDP-Po­li­ti­ke­rin die ers­te und ein­zi­ge Bun­des­rä­tin. Kurz nach ih­rer Wahl kommt ei­ne AHV-Re­vi­si­on auf die Agen­da. Kopp macht sich für die An­er­ken­nung von Er­zie­hungs­jah­ren stark, was vor al­lem Frau­en zu­gu­te­kommt. Doch sie stösst bei ih­ren männ­li­chen Kol­le­gen auf Gra­nit. Das Par­la­ment schickt die Vor­la­ge des­we­gen schliess­lich an den Bun­des­rat zu­rück. Zu Kopps gröss­ten Leis­tun­gen als Bun­des­rä­tin ge­hört die Ein­füh­rung ei­nes neu­en Ehe­rechts. «Das al­te hat die Frau prak­tisch ent­mün­digt.» Die SVP warnt vor dem «Rich­ter im Ehe­bett». Das Volk nimmt die Vor­la­ge an, und Kopp be­ru­higt die Geg­ner an ei­ner Pres­se­kon­fe­renz mit der Spit­ze: «Wenn Chris­toph Blo­cher im Ehe­bett ne­ben sich greift, liegt dort im­mer noch sei­ne Sil­via und kein Rich­ter.»

Doch die Ära Kopp währt nicht lan­ge. Wäh­rend sie an ei­ner Vor­la­ge ge­gen Geld­wä­sche­rei ar­bei­tet, er­fährt sie von ei­ner Mit­ar­bei­te­rin, dass ei­ne Ge­sell­schaft, in der ihr Mann, Han­sW. Kopp, Ver­wal­tungs­rat ist, un­ter Geld­wä­sche­rei­ver­dacht steht. Kopp ruft ih­ren Mann an, for­dert ihn zum Rück­tritt auf. Der An­ruf und der Vor­wurf der Amts­ge­heim­nis­ver­let­zung wer­den ihr zum Ver­häng­nis. Un­ter mas­si­vem öf­fent­li­chem Druck tritt Kopp 1989 zu­rück. Sie spricht von der Zer­stö­rung der ei­ge­nen Per­son, trägt sich mit Selbst­mord­ge­dan­ken. Hän­gen bleibt am En­de nichts, Kopp gilt heu­te längst als re­ha­bi­li­tiert.

Fast dreis­sig Jah­re ist Kopps Rück­tritt her, und Frau­en sind in der Po­li­tik wei­ter un­ter­ver­tre­ten. Fa­mi­lie und Be­ruf un­ter ei­nen Hut zu brin­gen, sei im­mer noch schwer, dann noch Po­li­tik zu ma­chen, sei fast un­mög­lich, meint Kopp. «Die Haupt­last der Er­zie­hung liegt heu­te im­mer noch bei der Frau – und das wird sich so schnell wohl auch nicht än­dern.»

Eli­sa­beth Kopp leis­tet am 2. Ok­to­ber 1984 als ers­te Bun­des­rä­tin den Amts­eid im Na­tio­nal­rats­saal in Bern. Das Kleid, das sie da­mals trägt, ist heu­te Teil der Samm­lung des Schwei­ze­ri­schen Lan­des­mu­se­ums in Zü­rich.

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