Co­met-Prä­si­di­um

Nicht Heinz Kun­dert von VAT wird zur Wahl vor­ge­schla­gen, son­dern Chris­toph Kut­ter, ein Phy­si­ker mit In­dus­trie­ver­gan­gen­heit.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - PE­TER MORF

Der VR schlägt an der kom­men­den Ge­ne­ral­ver­samm­lung Chris­toph Kut­ter zur Wahl ins VR-Prä­si­di­um vor. Der Kan­di­dat von zwei Gross­ak­tio­nä­ren fällt durch.

Der Gross­ak­tio­när Ve­rai­son ist ent­täuscht: Der Ver­wal­tungs­rat von Co­met hat nicht sei­nen Kan­di­da­ten, Heinz Kun­dert, son­dern Chris­toph Kut­ter zur Wahl zum neu­en VR-Prä­si­den­ten an der kom­men­den GV vom 25. April vor­ge­schla­gen. Ge­mäss dem noch bis zur GV am­tie­ren­den VR-Prä­si­den­ten Hans Hess, er tritt nach zwölf Jah­ren an der Spit­ze zu­rück, wur­de ein sorg­fäl­ti­ges, pro­fes­sio­nel­les Aus­wahl­ver­fah­ren durch­ge­führt, in das auch Kun­dert ein­be­zo­gen wor­den war. Nach In­ter­views mit den Kan­di­da­ten hat sich der Ver­wal­tungs­rat ein­stim­mig für Kut­ter ent­schie­den.

Der 54-jäh­ri­ge Kut­ter ist Phy­si­ker und seit 2012 Di­rek­tor der Fraun­ho­fer-Ein­rich­tung für Mi­kro­sys­te­me und Fest­kör­per- Tech­no­lo­gi­en. Er hält zu­dem ei­ne Pro­fes­sur für Po­ly­tro­ni­sche Sys­te­me an der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr in Mün­chen. Zu­vor hat­te er ei­ne Kar­rie­re von über sieb­zehn Jah­ren in der Halb­lei­ter­in­dus­trie ge­macht.

Tech­no­lo­gi­scher Ruck­sack

Als Se­ni­or Vice Pre­si­dent Pro­duct and Sys­tem De­ve­lop­ment bei In­fi­ne­on, zu­vor Sie­mens Se­mi­con­duc­tors, führ­te er un­ter an­de­rem von 2004 bis 2009 den Ent­wick­lungs­be­reich für draht­lo­se und draht­ge­bun­de­ne Pro­duk­te mit welt­weit mehr als 2500 In­ge­nieu­ren. In die­ser Funk­ti­on hat­te er auch ei­nen schwie­ri­gen Tur­naround zu be­wäl­ti­gen.

Hess legt im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» Wert auf die Fest­stel­lung, dass Kut­ter «in ers­ter Li­nie ein In­dus­tri­el­ler mit ei­nem ein­drück­li­chen tech­no­lo­gi­schen Ruck­sack ist, der die Halb­lei­ter­in­dus­trie aus Er­fah­rung bes­tens kennt». Mit der Kennt­nis der Ha­blei­ter­in­dus­trie, sie ist ein zen­tra­ler Markt von Co­met, er­füllt Kut­ter ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung. Im Aus­wahl­ver­fah­ren spiel­ten ge­mäss Hess zu­dem in­ter­na­tio­na­le so­wie un­ter­neh­me­ri­sche Er­fah­rung, Un­ab­hän­gig­keit und Tech­no­lo­gie­af­fi­ni­tät ei­ne gros­se Rol­le, ins­be­son­de­re für die Co­met-Kern­tech­no­lo­gi­en Plas­ma und Rönt­gen. «Kut­ter er­füllt die­se An­for­de­run­gen in her­vor­ra­gen­der Art und Wei­se», fügt Hess an.

Ei­ne Rol­le hat zu­dem auch das Al­ter ge­spielt. Wäh­rend Kun­dert 66 Jah­re alt ist, hat Kut­ter mit sei­nen 54 Jah­ren ei­ne we­sent­lich län­ge­re Per­spek­ti­ve. Co­met kennt im Ver­wal­tungs­rat ei­ne Al­ters­be­schrän­kung von 70 Jah­ren.

Ge­mäss Hess sind die gröss­ten Ak­tio­nä­re vor der Pu­bli­ka­ti­on der Vor­schlags in­for­miert wor­den. Wäh­rend sich Ve­rai­son in ei­ner Mit­tei­lung ent­täuscht zeig­te, dass nicht Kun­dert ob­siegt hat, un­ter­stützt der mit ei­nem Stim­men­an­teil von gut 10% gröss­te Ein­zel­ak­tio­när, Tring­le In­vest­ment, den Vor­schlag Kut­ter. Wie weit Kut­ter, so­fern er ge­wählt wird, den VR noch er­gän­zen will, et­wa in Rich­tung der von Gross­ak­tio­nä­ren auch ge­for­der­ten er­höh­ten Fi­nanz­kom­pe­tenz, bleibt dann ihm über­las­sen.

Ob es im April zu ei­ner Kampf­wahl für das VR-Prä­si­di­um kommt, ist of­fen. Ve­rai­son, mit ei­nem An­teil von 8,7% der Ak­ti­en, will vor­erst an ih­rem Kan­di­da­ten Kun­dert fest­hal­ten, ge­nau­so wie der Fonds­ma­na­ger Pic­tet mit 5,1% der Ti­tel.

Pro­ble­me im Griff

Hess be­stä­tigt zu­dem, dass das Un­ter­neh­men die Pro­ble­me, die zu den zwei Ge­winn­war­nun­gen des lau­fen­den Jah­res ge­führt ha­ben, in­zwi­schen im Griff hat. Im Be­reich Rönt­gen­sys­te­me wur­den Kos­ten­mass­nah­men um­ge­setzt und das Ma­nage­ment er­neu­ert.

Im Seg­ment Ebeam wur­de der Ver­lust­brin­ger in den USA ver­äus­sert. Die üb­ri­gen Pro­jek­te, al­len vor­an das­je­ni­ge mit Te­tra Pak, sind auf Kurs. Das Po­ten­zi­al ist un­ver­än­dert gross.

Im Be­reich Plas­ma Con­trol, der den Halb­lei­ter­markt be­lie­fert, ist die Pro­duk­ti­on an die der­zeit nied­ri­ge­re Nach­fra­ge im Markt an­ge­passt wor­den. Die Ka­pa­zi­tä­ten kön­nen ge­mäss Hess aber je­der­zeit hoch­ge­fah­ren wer­den.

Die Aus­sich­ten ste­hen da­mit gut, dass Co­met den Ge­winn im kom­men­den Jahr wie­der deut­lich stei­gern und die Del­le des lau­fen­den Jah­res kom­pen­sie­ren kann. Die At­trak­ti­vi­tät für den Ak­tio­när steigt wie­der.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.