Le­no­vo will Neu­es

Geld ver­die­nen die Chi­ne­sen als Platz­hirsch im PC-Markt. Die Ser­ver- und die Mo­bil­spar­te schwä­cheln. In­no­va­ti­ve Be­rei­che ste­hen noch am An­fang.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - THORS­TEN RIEDL,

Der chi­ne­si­sche Kon­zern Le­no­vo do­mi­niert den PC-Markt, an­dern­orts läuft es we­ni­ger gut. Der Le­no­voCEO schwört auf In­no­va­tio­nen für künf­ti­ges Wachs­tum.

Mit ei­nem Lä­cheln schaut die jun­ge Chi­ne­sin in die Ka­me­ra. Wie von Zau­ber­hand öff­net sich dar­auf­hin die Tür zum Su­per­markt. Hier sucht sie ei­nen Snack für die Pau­se, geht zum Kas­sen­be­reich, und wie­der ge­nügt ein Lä­cheln, um den klei­nen Markt zu ver­las­sen. Kei­ne Kas­se, kein Kas­sie­rer, kein Ein­scan­nen – Ma­gie? Nein, nur die cle­ve­re Kom­bi­na­ti­on ak­tu­el­ler Tech­nik.

Der chi­ne­si­sche Tech-Kon­zern Le­no­vo zeigt hier auf sei­nem Cam­pus in Peking, wie ein Ein­kaufs­markt der Zu­kunft schon heu­te aus­se­hen könn­te. Mit dem kla­ren Ziel, Kun­den zu ge­win­nen. Mit dreis­sig Händ­lern sei das Un­ter­neh­men in Chi­na schon im Ge­spräch. Denn im PC-Markt ist Le­no­vo welt­weit zwar Markt­füh­rer und gut un­ter­wegs – in an­de­ren Be­rei­chen läuft es we­ni­ger gut. In­no­va­ti­on ge­win­ne im Reich der Mit­te ge­ne­rell an Be­deu­tung, sagt Le­no­vo-CEO Yang Yuan­qing. «Chi­na ist die Werk­bank der Welt – aber wenn wir uns von ei­nem Nied­rig­lohn­land weg­ent­wi­ckeln wol­len, kann das nicht so blei­ben.»

1984 wur­de Le­no­vo als Le­gend Group ge­grün­det, als Ge­gen­ent­wurf zur west­li­chen Tech-Re­vo­lu­ti­on, aus­ge­löst durch den ers­ten Per­so­nal Com­pu­ter (PC) von IBM. In west­li­chen Brei­ten ist Le­no­vo über Nacht be­kannt ge­wor­den: Im De­zem­ber 2004 ha­ben die Chi­ne­sen die Über­nah­me der PC-Spar­te von IBM an­ge­kün­digt. Aus­ge­rech­net. An­dert­halb De­ka­den nach dem Kauf stellt das Ma­nage­ment von Le­no­vo nun ganz ähn­li­che Über­le­gun­gen an wie IBM da­mals. «In ers­ter Li­nie sind wir ei­ne Hard­ware Com­pa­ny», er­klärt CEO Yuan­qing im Ge­spräch. «Doch wir se­hen, dass wir un­se­re Ser­vice­fä­hig­kei­ten stär­ken müs­sen.» The­men wie künst­li­che In­tel­li­genz (vgl. Box), die Ana­ly­se vie­ler Da­ten (Big Da­ta), das In­ter­net der Din­ge (In­ter­net of Things, IoT) oder Re­chen­leis­tung über das Netz (Cloud) sol­len hel­fen.

Ge­gen­ent­wurf zum Val­ley

In der neu­en Zen­tra­le im Nord­wes­ten von Peking, die «Fi­nanz und Wirt­schaft» auf Ein­la­dung be­sucht hat, will Le­no­vo auf 120 000 Qua­drat­me­tern ein mo­der­nes Chi­na zei­gen: weit weg von aus­ge­beu­te­ten Nied­rig­lohn­ar­bei­tern. Wis­sens­ar­bei­ter da­ge­gen sit­zen im mo­dern ge­stal­te­ten Ge­bäu­de an Lap­tops und Ta­blets. 10 000 sind es im Kom­plex ins­ge­samt. In der Nä­he be­fin­den sich un­ter an­de­rem Nie­der­las­sun­gen von Bai­du und Ten­cent. Ein chi­ne­si­sches Si­li­con Val­ley sol­le hier ent­ste­hen, er­klärt ei­ne Mit­ar­bei­te­rin. Pla­ka­te ver­kün­den ei­ne «In­no­va­ti­ons­sai­son».

Doch noch ver­dient Le­no­vo das Geld mit Old Tech. Welt­weit ver­kauft nie­mand mehr PC (vgl. Gra­fik 1). Ne­ben IBM ha­ben klei­ne­re Zu­käu­fe wie die PC-Spar­te von NEC oder der deut­sche An­bie­ter Me­di­on das Ge­schäft ab­ge­si­chert. Seit kur­zem ver­treibt Le­no­vo in ei­nem Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men auch die Rech­ner von Fu­jit­su. Der Ab­satz im PC-Markt ha­be sich sta­bi­li­siert, sagt Le­no­vo-CEO Yuan­qing. Zu­letzt hat­te die Kli­en­tel lie­ber zu ei­nem neu­en Smart­pho­ne oder Ta­blet als zu ei­nem Com­pu­ter ge­grif­fen. Der PC-Umsatz stei­ge gar, er­klärt er wei­ter. «Und es han­delt sich um ei­ne 200-Mrd.-$-In­dus­trie. Ei­ne an­de­re In­dus­trie in die­ser Grösse zu fin­den, ist gar nicht so ein­fach.»

Was Le­no­vo in der PC-In­dus­trie ge­schafft hat, soll­te durch den Kauf des Smart­pho­ne-An­bie­ters Mo­to­ro­la und der Spar­te für Ein­stiegs­ser­ver von IBM, bei­des 2014, im Han­dy- be­zie­hungs­wei­se Ser­ver­Ge­schäft noch ein­mal ge­lin­gen. Das hat nicht ge­klappt. Bei Netz­rech­nern kommt Le­no­vo mit 6,9% zwar auf Platz drei. Der Smart­pho­ne-Be­reich aber ver­schwin­det bei den Markt­for­schern im Be­reich «Rest» (vgl. Gra­fi­ken 2 und 3). Mo­to­ro­la wirt­schaf­te schon seit ei­ner De­ka­de mit Ver- lust, sagt der CEO. «Der Tur­naround hat obers­te Prio­ri­tät.» Vor zwei Jah­ren ha­be man das schon mal ver­sucht, sei mit ho­hen Vo­lu­men in neue Märk­te vor­ge­drun­gen. «Aber die­se Stra­te­gie ist fehl­ge­schla­gen.» Dar­aus ha­be Le­no­vo ge­lernt.

Un­zu­frie­den mit der Schweiz

Ers­te Er­fol­ge fin­den sich in den Zah­len. Der Umsatz von Le­no­vo im zwei­ten Fis­kal­quar­tal zu En­de Sep­tem­ber stieg 14% auf 13,4 Mrd. $, der Ge­winn um das Sechs­fa­che auf 213 Mio. $. Mo­to­ro­la schaff­te die Ge­winn­schwel­le. Sehr zu­frie­den zeigt sich das Ma­nage­ment mit dem Ge­schäft in Eu­ro­pa, dem Na­hen Os­ten und Afri­ka, in­zwi­schen der um­satz­stärks­ten Re­gi­on. «Wir er­rei­chen un­se­re Ge­winn­zie­le», sagt Mar­co And­re­sen, COO der Re­gi­on, im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Mit dem Er­geb­nis in der Schweiz ist er we­ni­ger glück­lich. Der Markt­an­teil lie­ge un­ter dem Schnitt. Es lau­fe gut mit Ge­schäfts-, schlech­ter mit Pri­vat­kun­den. Le­no­vo wer­de an der Mar­ken­wahr­neh­mung so­wie der Prä­senz on- wie of­f­line ar­bei­ten. An­fang No­vem­ber hat Lan­des­chef Patrick Roett­ger Le­no­vo Schweiz ver­las­sen.

Für In­ves­to­ren zäh­len die Ver­bes­se­run­gen, die in al­len Spar­ten zu spü­ren sind. Trotz des wid­ri­gen Kli­mas für Tech-Ti­tel no­tie­ren die Ak­ti­en fest, ha­ben seit An­fang Jahr 30% ge­won­nen. Bei ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2019/20 von 7 eig­nen sie sich we­gen der Tur­naround-Si­tua­ti­on als Bei­mi­schung zum De­pot.

Ein vir­tu­el­les Hans Guck-in-die-Luft: Auf ei­ner Rei­se für Jour­na­lis­ten konn­ten in der Le­no­vo-Zen­tra­le Da­ten­bril­len aus­pro­biert wer­den.

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