Qua­li­täts­wer­te aus Eu­ro­pa

Die Zahl an güns­ti­gen eu­ro­päi­schen Qua­li­täts­ak­ti­en steigt. Do­mi­niert wird die Aus­wahl von bri­ti­schen Haus­bau­ern und Grund­stoff­wer­ten.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - GRE­GOR MAST

Für Va­lue-In­ves­to­ren sind Bör­sen­tur­bu­len­zen ein Se­gen, wer­den Ak­ti­en doch güns­ti­ger. «Fi­nanz und Wirt­schaft» woll­te wis­sen, ob das auch für Qua­li­täts­wer­te gilt, die tra­di­tio­nell teu­rer sind als Ver­tre­ter aus zy­kli­schen In­dus­tri­en. Da­für klopft FuW die Bör­sen der USA, Eu­ro­pas und der Schweiz in ei­ner drei­tei­li­gen Se­rie nach sechs Qua­li­täts- und Be­wer­tungs­kri­te­ri­en ab. Im Ge­gen­satz zu den USA wur­de die Aus­wahl in Eu­ro­pa tat­säch­lich reich­hal­ti­ger. Das er­staunt nicht, liegt der Stoxx Eu­ro­pe seit Jah­res­an­fang doch über 10% im Mi­nus. Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis be­trägt auf Ba­sis der für 2019 ge­schätz­ten Ge­win­ne noch 12. Den­noch ist die Su­che nicht ganz ein­fach, wird die Aus­wahl doch von bri­ti­schen Haus­bau­ak­ti­en do­mi­niert, die ei­nen Ab­schwung der Bau­kon­junk­tur hef­tig spü­ren wür­den. Fer­ner sind meh­re­re Grund­stoff­wer­te – dar­un­ter der deut­sche Che­mie­rie­se BASF – ver­tre­ten, die auch als zy­klisch gel­ten. Im­mer­hin sind 41 der 95Va­lo­ren, die al­le Qua­li­täts­kri­te­ri­en er­fül­len, güns­ti­ger als der Stoxx Eu­ro­pe. Da­zu zäh­len Roche und wei­te­re Na­men, die kon­junk­tur­re­sis­ten­ter sind.

Die Bör­sen wer­den welt­weit stark durch­ge­schüt­telt. Be­son­ders schlecht schnei­det der Al­te Kon­ti­nent ab. Der Stoxx Eu­ro­pe liegt seit An­fang Jahr über 10% im Mi­nus. Va­lue­In­ves­to­ren freu­en sich, wer­den Ak­ti­en dank der Korrektur doch güns­ti­ger.

An­ge­sichts der Un­si­cher­hei­ten emp­feh­len vie­le Stra­te­gen, auf qua­li­ta­tiv ein­wand­freie Un­ter­neh­men zu set­zen. Der Zeit­punkt für die all­jähr­li­che Qua­li­täts­aus­wahl der «Fi­nanz und Wirt­schaft» könn­te dem­nach kaum bes­ser sein. Wie je­des Jahr wer­den die Bör­sen der USA, Eu­ro­pas und der Schweiz nach güns­ti­gen Qua­li­täts­ak­ti­en (QARP: Qua­li­ty at a Rea­sonable Pri­ce) ab­ge­klopft. Dies­mal ist Eu­ro­pa an der Rei­he. Die US­Aus­wahl ist be­reits er­schie­nen, die Schwei­zer Lis­te folgt in ei­ner der kom­men­den Aus­ga­ben.

Skan­di­na­vi­er über­zeu­gen

Die letzt­jäh­ri­ge Eu­ro­pa­se­lek­ti­on no­tiert im Mi­nus, hat aber leicht bes­ser ab­ge­schnit­ten als der Stoxx Eu­ro­pe (vgl. klei­ne Ta­bel­le). Grund war der Hö­hen­flug des nor­we­gi­schen Lachs­züch­ters Ma­ri­ne Har­vest und des dä­ni­schen Wind­tur­bi­nen­bau­ers Ves­tas Wind Sys­tems.

Doch wer qua­li­fi­ziert sich heu­er? Qua­li­täts­un­ter­neh­men schaf­fen Ak­tio­närs­wert, wei­sen ei­ne so­li­de Bi­lanz auf und er­zie­len ei­ne ho­he Ren­di­te auf das ein­ge­setz­te Ka­pi­tal. Der Se­lek­ti­ons­pro­zess baut auf die­ sen At­tri­bu­ten auf und be­steht aus sechs Hür­den, die nach­ein­an­der über­sprun­gen wer­den müs­sen (vgl. Gra­fik un­ten).

In ei­nem ers­ten Schritt wer­den sämt­li­che Ge­sell­schaf­ten aus­sor­tiert, die den Buch­wert je Ti­tel über fünf Jah­re nicht stei­gern konn­ten. Von den 600 im Stoxx Eu­ro­pe ver­tre­te­nen Ak­ti­en ver­blei­ben 424.

Die nächs­ten zwei Kri­te­ri­en be­zie­hen sich auf die Qua­li­tät der Bi­lanz. So soll die Net­to­ver­schul­dung nicht hö­her sein als der dop­pel­te Ebit­da (Ge­winn vor Zin­sen, Steu­ern und Ab­schrei­bun­gen). Ein wei­te­res Mass für die Beur­tei­lung der fi­nan­zi­el­len Stär­ke ist der Alt­man Z­Sco­re (vgl. De­fi­ni­ti­on in der gros­sen Gra­fik). Wer­te über 3 si­gna­li­sie­ren ei­ne ge­rin­ge In­sol­venz­ge­fahr – des­halb sind nur Ti­tel mit ei­nem hö­he­ren Sco­re ent­hal­ten. Die­sen Schrit­ten fal­len un­ab­hän­gig von der Qua­li­tät fast al­le Fi­nanz­va­lo­ren zum Op­fer. Üb­rig blei­ben 171 Ge­sell­schaf­ten.

Qua­li­täts­un­ter­neh­men sind pro­fi­ta­bel und ren­ta­bel – Mar­ge und Ka­pi­tal­ren­di­te sol­len des­halb min­des­tens 10% be­tra­gen. Das schaf­fen 95 Va­lo­ren.

Qua­li­tät ist gut, aber nicht zu je­dem Preis. Des­halb ent­hält die end­gül­ti­ge Aus­wahl nur Ge­sell­schaf­ten, de­ren Un­ter­neh­mens­wert höchs­tens dem zehn­fa­chen Ge­winn vor Zin­sen und Steu­ern (Ebit) ent­spricht. Das sind im­mer­hin sech­zehn Na­men – letz­tes Jahr wa­ren es elf. Die gros­se Gra­fik oben zeigt die zehn güns­tigs­ten Wer­te. Die Top 25 kön­nen on­li­ne ein­ge­se­hen wer­den.

An­le­ger soll­ten sich des­halb nicht blind auf die güns­tigs­ten Wer­te stür­zen. Di­ver­si­fi­ka­ti­on tut not. Im­mer­hin sind 41 der 95 Va­lo­ren, die al­le Qua­li­täts­kri­te­ri­en er­fül­len, güns­ti­ger als der Stoxx Eu­ro­pe, des­sen durch­schnitt­li­che Ak­tie zu ei­nem EV/Ebit von 15,8 han­delt. Dar­un­ter fin­det sich Roche. Eben­falls da­zu ge­hö­ren Hen­kel, LVMH oder der In­sulin­spe­zia­list No­vo Nor­disk.

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