Ge­org Fi­scher op­ti­miert wei­ter

Der Ver­kauf zwei­er Ei­sen­guss­wer­ke in Deutsch­land kos­tet die In­dus­trie­grup­pe zwar viel Umsatz, hilft aber der Mar­ge und der Kon­junk­tur­re­sis­tenz.

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Ein Pau­ken­schlag: Die In­dus­trie­grup­pe Ge­org Fi­scher trennt sich von rund 15% des letzt­jäh­ri­gen Kon­zern­um­sat­zes re­spek­ti­ve von 40% des Ver­kaufs­er­lö­ses der Di­vi­si­on GF Cas­ting So­lu­ti­ons (GFCS), der frü­he­ren GF Au­to­mo­ti­ve. Ver­kauft wer­den die Ei­sen­gies­se­rei­en in Mett­mann und Sin­gen. Die zwei deut­schen Stand­or­te – die mit ho­hen In­ves­ti­tio­nen auf den neu­es­ten Stand ge­bracht wor­den sind – ste­hen ge­mäss Ge­org Fi­scher für 620 Mio. Fr. Umsatz.

Der Schritt kommt über­ra­schend. Und doch passt die Ve­räus­se­rung zu ei­nem nicht ge­nann­ten Preis an Fon­di­um – ein von drei Füh­rungs­kräf­ten von GFCS neu ge­grün­de­tes Un­ter­neh­men – per­fekt ins Ge­samt­bild. Nicht nur trägt sie der Markt­ent­wick­lung Rech­nung, sie steht vor al­lem auch in Ein­klang mit den stra­te­gi­schen Ziel­set­zun­gen von Ge­org Fi­scher.

Ge­winn­neu­tra­le Trans­ak­ti­on

Zum ei­nen ver­liert Ei­sen­guss ge­gen­über Leicht­me­tall­guss an Be­deu­tung. Die Nach­fra­ge nach Guss­kom­po­nen­ten aus Alu­mi­ni­um und Ma­g­ne­si­um steigt welt­weit rasch. Ei­ne stär­ke­re Aus­rich­tung dar­auf er­höht dem­nach die Wachs- tums­chan­cen der Di­vi­si­on. Die­se zu nut­zen, er­for­de­re ei­ne deut­lich stär­ke­re Prä­senz in die­sem Sek­tor, be­tont das Ma­nage­ment. Des­we­gen wer­den in den USA, Ru­mä­ni­en und Chi­na ent­spre­chen­de Ka­pa­zi­tä­ten aus- re­spek­ti­ve neu auf­ge­baut.

Durch den Ver­kauf der zwei deut­schen Ei­sen­guss­wer­ke re­du­ziert sich der An­teil des Ei­sen­gus­ses am Umsatz von GFCS von 53 auf 25%. Gleich­zei­tig wird die geo­gra­fi­sche Um­satz­ver­tei­lung des Kon­zerns aus­ge­wo­ge­ner. Eu­ro­pa ver­liert zu­guns­ten wachs­tums­stär­ke­rer Markt­re­gio­nen wie Asi­en an Ge­wicht (vgl. Gra­fik 1).

Zwei­tens strebt Ge­org Fi­scher mit al­len drei Di­vi­sio­nen ge­ne­rell in hö­her­wer­ti­ge und so­mit höher­mar­gi­ge Ge­schäfts­fel­der. Im Ei­sen­guss er­zielt Cas­ting So­lu­ti­ons ins­ge­samt nied­ri­ge­re Mar­gen als im Leicht­me­tall­guss. Die Pro­fi­ta­bi­li­tät der bei­den Stand­or­te lie­ge klar un­ter den Ziel­vor­stel­lun­gen, sag­te Fi­nanz­chef Andre­as Müller an der Te­le­fon­kon­fe­renz.

Wie klar, lässt sich aus der Aus­sa­ge ab­lei­ten, die Trans­ak­ti­on sei ge­winn- neu­tral – trotz ei­ner spür­ba­ren Um­satz­min­de­rung soll sie kei­nen Ge­winn­rück­gang nach sich zie­hen. Das lässt sich so in­ter­pre­tie­ren, dass Sin­gen und Mett­mann un­ter dem Strich kaum et­was ab­wer­fen. Aus die­sem Blick­win­kel sind sie schon län­ger Sor­gen­kin­der ge­we­sen.

CEO Yves Ser­ra ver­spricht sich von der De­ves­ti­ti­on rund 200 Ba­sis­punk­te mehr Ren­di­te auf dem in­ves­tier­ten Ka­pi­tal (ROIC) der Gies­se­rei­di­vi­si­on. Da­zu er­laubt sie es dem Un­ter­neh­men, sein Mar­gen­ziel im Rah­men der Stra­te­gie 2020 zu er­hö­hen, von 8 bis 9% auf 9 bis 10%.

Au­to­mo­ti­ve-An­teil sinkt

Drit­tens hilft die Trans­ak­ti­on, eben­falls stra­te­gie­kon­form, die Kon­junk­tur­an­fäl­lig­keit der In­dus­trie­grup­pe wei­ter zu sen­ken. Der Um­satz­an­teil der stark vom Au­to­mo­ti­ve-Be­reich ab­hän­gi­gen GFCS sinkt durch die Trans­ak­ti­on von rund 37 auf 27%. Im Ge­gen­zug steigt der des kon­junk­tu­rell recht wi­der­stands­fä­hi­gen – und über­durch­schnitt­lich pro­fi­ta­blen – Rohr­lei­tungs­ge­schäfts von GF Pi­ping Sys­tems auf fast die Hälf­te (vgl. Gra­fik 2).

Auch die Kon­junk­tur­an­fäl­lig­keit von GFCS selbst re­du­ziert sich, zum ei­nen weil das Werk Sin­gen pri­mär den Last­wa­gen­markt be­dient. Zu­min­dest im ers­ten Halb- jahr pro­spe­rier­te die­ser noch, gleich­zei­tig ist er aber noch zy­kli­scher als der Au­to­markt. Zum an­dern er­hält das Non-Au­to­mo­ti­ve-Ge­schäft in­ner­halb der Di­vi­si­on mehr Ge­wicht. Sein An­teil ver­dop­pelt sich fast auf gut ein Vier­tel. Die­ses Ge­schäft ist we­ni­ger zy­klisch als Au­to­mo­ti­ve, auch dank der Ak­qui­si­ti­on des pri­mär auf Flug­zeug­trieb­werk­t­ei­le aus­ge­rich­te­ten Fein­guss­spe­zia­lis­ten Pre­ci­cast im April.

Der Ver­kauf der zwei Ei­sen­guss­wer­ke wird rück­wir­kend auf An­fang De­zem­ber 2018 voll­zo­gen. Die Ge­schäfts­zah­len 2018 wer­den sich da­durch nicht we­sent­lich ver­än­dern – un­ter der An­nah­me, dass der Ver­kaufs­preis hoch ge­nug ist, um Wert­be­rich­ti­gun­gen auf den rund­er­neu­er­ten Wer­ken zu ver­mei­den. Die FuW-Schät­zung für den Ge­winn je Ak­tie bleibt un­ver­än­dert. Weil die Trans­ak­ti­on ge­winn­neu­tral sein soll, er­fährt auch die Schät­zung für 2019 nur ei­ne Fein­ad­jus­tie­rung.

Geld wird Ge­org Fi­scher aus der Trans­ak­ti­on un­mit­tel­bar kaum zu­flies­sen. Das liegt dar­an, dass das Un­ter­neh­men den Ma­nage­ment Buy­out durch Fon­di­um mit ei­nem nicht nä­her be­zif­fer­ten Ver­käu­fer­dar­le­hen un­ter­stützt. Zu­sätz­li­che Mit­tel für Ak­qui­si­tio­nen ste­hen des­halb kaum zur Ver­fü­gung. Zu­dem bleibt die Schaff­hau­ser In­dus­trie­grup­pe vor­erst mit 20% an den bei­den Wer­ken be­tei­ligt. Ge­mäss Fi­nanz­chef Müller soll die Be­tei­li­gung aber nur vor­über­ge­hen­der Art sein.

Aus An­le­ger­sicht ist der Ver­kauf po­si­tiv zu wer­ten. Zwar wird Ge­org Fi­scher ein Stück klei­ner, das aber ge­winn­neu­tral.

Be­wer­tung muss re­agie­ren

Vor al­lem aber soll­te sich der güns­ti­ge Ein­fluss auf die Mar­ge und die Kon­junk­tur­re­sis­tenz güns­tig auf die Be­wer­tung aus­wir­ken. Da­von ist ak­tu­ell noch nichts zu se­hen. Der Ak­ti­en­kurs hat sich nach Be­kannt­ga­be der Trans­ak­ti­on am Don­ners­tag zwar bes­ser ge­hal­ten als der tief­ro­te Ge­samt­markt. Doch auch er gab nach.

Ge­mes­sen am Jah­res­hoch no­tie­ren die Ak­ti­en heu­te rund 45% nied­ri­ger. Par­al­lel da­zu ha­ben auch die Be­wer­tungs­kenn­zah­len mas­siv ge­lit­ten. Die schar­fe Korrektur ist teil­wei­se der er­höh­ten Un­si­cher­heit im Markt­um­feld ge­schul­det. Dar­über hin­aus spie­gelt sie ein Angst­sze­na­rio, das gleich auch al­le in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­ar­bei­te­ten Fort­schrit­te in der Er­trags­kraft und in der Kon­junk­tur­re­sis­tenz aus­zu­blen­den scheint. In die­sem Mas­se wirkt das über­trie­ben. Die Ak­ti­en Ge­org Fi­scher sind ein Kauf.

Ge­org Fi­scher setzt in der Di­vi­si­on GF Cas­ting So­lu­ti­ons ver­stärkt auf Leicht­me­tall­guss.

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