Ja­pans An­le­ger ha­ben herz­haf­ten Ap­pe­tit auf Tele­com­ak­ti­en

Das Tele­com­ge­schäft der Soft­bank Group wird Ja­pans gröss­te Pu­bli­kums­öff­nung. Es lockt ei­ne ho­he Di­vi­den­de. Die Ge­winn­aus­sich­ten sind durch­zo­gen.

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ/TELECOM - MAR­TIN FRITZ,

Ei­gent­lich gel­ten Tele­com­ak­ti­en als al­ter Hut. Doch Ja­pans Pri­vat­an­le­ger grei­fen mit herz­haf­tem Ap­pe­tit nach dem ers­ten neu­en Tele­com­ti­tel seit dem Bör­sen­gang von NTT DoCoMo 1998. Soft­bank Group ver­kauft 36,9% der aus­ge­glie­der­ten Soft­bank Corp., ih­res Mo­bil­funk-, Breit­band­und Fest­netz­ge­schäfts. Die Nach­fra­ge nach den 1,76 Mrd. Va­lo­ren (inkl. Mehr­zu­tei­lung) ist so gross, dass erst­mals in Ja­pan auf ei­ne Aus­ga­be­span­ne ver­zich­tet wur­de. Das Initi­al Pu­b­lic Of­fe­ring (IPO) soll un­ge­ach­tet ak­tu­el­ler Tur­bu­len­zen – am Don­ners­tag fie­len die mo­bi­len Di­ens­te des Car­ri­ers wäh­rend vier St­un­den aus – wie ge­plant am 19. De­zem­ber statt­fin­den.

Zum vor­läu­fig fest­ge­setz­ten Preis von 1500 Yen (13.15 Fr.) näh­me Soft­bank 2,64 Bio. Yen (23,2 Mrd. Fr.) ein und über­stie­ge den Re­kord des Ex-Mo­no­po­lis­ten NTT von 1987. Das wä­re ein Tri­umph mehr für den ex­trem ehr­gei­zi­gen Soft­bank-Grün­der Ma­sayo­shi, der sei­ne ja­pa­ni­schen Ri­va­len stets über­tref­fen will. Als Soft­bank 2013 erst­mals mehr ver­dien­te als Markt­füh­rer NTT DoCoMo, ze­le­brier­te der 61-Jäh­ri­ge die­sen Mo­ment mit Ge­nuss.

Ho­he Net­to­ver­schul­dung

Auf den ers­ten Blick sieht die Ak­tie der Soft­bank Corp. güns­tig aus. Bei der er­war­te­ten Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung von 7,14 Bio. Yen wür­de sie mit dem Sechs­fa­chen des Ge­winns vor Zin­sen, Steu­ern, Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­ti­on (Ebit­da) be­wer­tet. Der Bör­sen­wert von Markt­füh­rer NTT DoCoMo ent­spricht dem zehn­fa­chen Ebit­da. Al­ler­dings ächzt die Soft­ban­kToch­ter un­ter Net­to­schul­den von 3,4 Bio. Yen (29,8 Mrd. Fr.), 21-mal mehr als bei NTT DoCoMo. Auch die Ge­winn­aus­sich­ten sind recht düs­ter, weil der Bran­che ein Preis­krieg be­vor­steht: Ab April 2019 will NTT DoCoMo die Mo­bil­funk­prei­se bis zu 40% sen­ken, und ein hal­bes Jahr spä­ter geht mit Ra­ku­ten ein vier­ter An­bie­ter mit ei­ge­nem Netz an den Start.

Die TV-Wer­bung für die neue Ak­tie be­ton­te die ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te von 5%, da Soft­bank 85% des Ge­winns aus­schüt­ten will. Das ist bei Spar­zin­sen von 0% ver­lo­ckend. Je­doch soll­ten die Ak­tio­nä­re be­den­ken, dass die Mut­ter­ge­sell­schaft Soft­bank Group 61,1% der An­tei­le be­hält und da­her selbst der gröss­te Nutz­nies­ser der ho­hen Di­vi­den­de ist. Ihr Kal­kül ist ein­fach: Nach der Aus­la­ge­rung sol­len die Di­vi­den­den den bis­he­ri­gen ho­hen Tele­comCash­flow (ope­ra­ti­ve Mar­ge 38%) für die Mut­ter er­set­zen. Sinkt je­doch der Tele­co­mer­trag, dann ge­rät die Mut­ter in Ver­su­chung, die Aus­schüt­tung auf Kos­ten der Ka­pi­tal­de­cke ih­rer Toch­ter auf ei­nem ho­hen Ni­veau zu hal­ten. Dar­un­ter wür­de der Ak­ti­en­kurs lei­den.

In der gleich­zei­ti­gen Ko­tie­rung von Mut­ter und Toch­ter trotz un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen liegt das gröss­te Ri­si­ko für die künf­ti­gen Ak­tio­nä­re der Tele­com­toch­ter. Soft­bank-Grün­der Son ver­la­gert näm­lich den Schwer­punkt der Grup­pe vom Mo­bil­funk zu ei­ner Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft für Un­ter­neh­men rund um künst­li­che In­tel­li­genz und das In­ter­net der Din­ge. Nach sei­ner Vi­si­on soll Soft­bank Group «ih­re Erb­an­la­gen ver­streu­en» und bis 2040 An­tei­le an 5000 Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men be­sit­zen. Da­her wer­den die Ein­nah­men aus dem IPO nicht ge­nutzt, um die Schul­den der Tele­com­toch­ter ab­zu­bau­en, son­dern für wei­te­re Ak­qui­si­tio­nen der Mut­ter.

Son hat noch ei­nen wei­te­ren Hin­ter­ge­dan­ken: Das IPO soll die Markt­ka­pi­ta­li- sie­rung von Soft­bank Group er­hö­hen, weil da­durch der Kon­glo­me­rats­ab­schlag ab­ge­mil­dert wird. Da­mit ist ge­meint, dass Soft­bank Group an der Bör­se im­mer weit we­ni­ger wert war als die Sum­me ih­rer Be­tei­li­gun­gen an Ali­ba­ba Group, Yahoo Ja­pan, dem Soft­bank Vi­si­on Fund und an­de­ren Un­ter­neh­men.

Ka­pi­tal­hung­ri­ge Mut­ter

Dies liegt auch an der Stra­te­gie von Son: Bis­her fi­nan­zier­te er sei­ne stän­di­gen Zu­käu­fe meis­tens über Schul­den. Die Tele­com­spar­te dien­te als Si­cher­heit, mit ih­rem Cash­flow wur­den die Kre­di­te be­dient und ab­ge­tra­gen. In­zwi­schen holt sich Son mit­hil­fe des Vi­si­on Fund noch ex­ter­nes Ka­pi­tal von In­ves­to­ren wie Sau­di-Ara­bi­en da­zu und plant so­gar schon ei­nen zwei­ten und ei­nen drit­ten Vi­si­on Fund. Doch selbst die In­ves­ti­tio­nen im Vi­si­on Fund hat Son teil­wei­se über Schul­den fi­nan­ziert.

Ge­lingt es Soft­bank Group, ih­re Be­tei­li­gung an der US-Toch­ter Sprint ab­zu­stos­sen, blie­ben nach der Aus­glie­de­rung von Soft­bank Corp. im­mer noch 8,6 Bio. Yen (75,6 Mrd. Fr.) an Ver­bind­lich­kei­ten. Die­ser Berg könn­te ins Rut­schen ge­ra­ten, falls die Be­wer­tun­gen im Tech-Sek­tor wei­ter fal­len, zu­mal die Bi­lan­zie­rung vie­ler Ver­mö­gens­wer­te bei Soft­bank Group als un­durch­sich­tig gilt. Ei­ne sol­che Kri­se wür­de wohl auch die Tele­com­toch­ter in den Ab­grund zie­hen.

Ja­pa­ni­sche Smart­pho­ne-Nut­zer vor ei­nem Schau­fens­ter mit Bör­sen­kur­sen.

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