Der US-Ar­beits­markt wächst lang­sa­mer

Im No­vem­ber wur­den in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten 155 000 Stel­len ge­schaf­fen, das ist we­ni­ger als er­war­tet. Den­noch über­wie­gen die po­si­ti­ven Aspek­te.

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MAR­TIN LÜSCHER,

Der US-Ar­beits­markt lie­fert kei­nen Grund zur Sor­ge. Die Wirt­schaft in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten hat im No­vem­ber 155 000 Stel­len ge­schaf­fen, wie das Sta­tis­tik­amt BLS am Frei­tag mit­ge­teilt hat. Da­mit hat der Ar­beits­markt die Er­war­tun­gen der Ana­lys­ten von 198 000 Ar­beits­plät­zen zwar ver­fehlt, und auch ge­gen­über dem Wert des Vor­mo­nats, der von 250 000 auf 237 000 re­vi­diert wur­de, ist das ei­ne Ver­lang­sa­mung. Das Stel­len­plus ist aber über die meis­ten Bran­chen breit ab­ge­stützt.

Bei­spiels­wei­se be­trug die Zu­nah­me im Ge­sund­heits­we­sen 26 000 Stel­len. Stark war das Wachs­tum auch in der Lo­gis­tik mit 25 400 und im Ein­zel­han­del mit 18 200 Ar­beits­plät­zen. Aber auch das pro­du­zie­ren­de Ge­wer­be konn­te über­zeu­gen. Dort wur­den 27 000 Stel­len ge­schaf­fen, so vie­le wie seit April nicht mehr. Vom Han­dels­dis­put zwi­schen den USA und Chi­na gibt es dort kaum ei­ne Spur.

Ser­vice­in­dus­trie schwä­chelt

Der Rück­gang der Zahl der ge­schaf­fe­nen Stel­len ge­gen­über Ok­to­ber geht gröss­ten­teils auf das Di­enst­leis­tungs­ge­wer­be zu­rück. In die­sem Be­reich ka­men le­dig­lich 132 000 Ar­beits­plät­ze hin­zu. Im Vor­mo­nat be­trug das Plus noch 198 000. Der Rück­gang zeigt sich un­ter an­de­rem in der Ho­tel­le­rie und im Frei­zeit­ge­wer­be. Dort sank die Zahl von 56 000 auf 15 000. Ian She­pherd­son, Chef­öko­nom von Pan­the­on Ma­cro­eco­no­mics, sieht aber kei­ne Trend­wen­de, denn die mo­nat­li­chen Da­ten könn­ten sehr vo­la­til sein.

Es gab aber auch im pro­du­zie­ren­den Ge­wer­be Sek­to­ren mit ei­ner Ver­lang­sa­mung. Im Bau­ge­wer­be wur­den nur 5000 Stel­len ge­schaf­fen, im Ok­to­ber wa­ren es noch 24 000. Laut She­pherd­son ist das ver­mut­lich ei­ne Fol­ge des schwä­cheln­den Im­mo­bi­li­en­sek­tors. «Die Bau­ak­ti­vi­tät wur­de aber auch von den Wir­bel­stür­men be­ein­träch­tigt und wird sich in den nächs­ten Mo­na­ten wie­der ver­bes­sern», schreibt er in ei­nem Kom­men­tar.

Fa­zit ist er­freu­lich

Den­noch über­wie­gen die gu­ten Aspek­te. Der No­vem­ber ist der 98. Mo­nat in Fol­ge mit po­si­ti­vem Stel­len­wachs­tum (vgl. Gra­fik 1). Das ist ein Re­kord. Das Stel­len­plus der ver­gan­ge­nen drei Mo­na­te be­trägt im Mit­tel 176 000. Das ist kein schlech­ter Wert an­ge­sichts de­s­Wald­brands imWes­ten, der Schnee­stür­me im Os­ten und der zwei Wir­bel­stür­me im Sü­den. Zu­dem ver­harrt die se­pa­rat er­ho­be­ne Zahl der Ar­beits­lo­sen­ra­te wei­ter­hin auf 3,7%. Nied­ri­ger war sie zu­letzt 1969.

Kaum ver­än­dert hat sich die Er­werbs­quo­te. Sie ver­harrt auf 62,9%. Leicht ge­sun­ken ist hin­ge­gen der Wert für 25- bis 54-Jäh­ri­ge von 82,3 auf 82,2% (vgl. Gra­fik 2). Der lang­fris­ti­ge Trend ist da­mit aber noch nicht ge­bro­chen. Leicht ge­stie­gen ist die Quo­te der Un­ter­be­schäf­tig­ten. Sie avan­cier­te von 7,4 auf 7,6%. Dar­in sind zu­sätz­lich zu den Ar­beits­lo­sen die Ar­beit­neh­mer er­fasst, die un­frei­wil­lig in Teil­zeit ar­bei­ten, so­wie sol­che, die die Job­su­che vor­erst auf­ge­ge­ben ha­ben. Der Grund für den An­stieg ist die hö­he­re Zahl der Ar­beit­neh­mer, die ge­zwun­ge­ner­mas­sen ei­ne Teil­zeit­stel­le in­ne­ha­ben.

Kaum ver­än­dert hat sich das Wachs­tum der durch­schnitt­li­chen St­un­den­löh­ne. Das Plus ge­gen­über dem Vor­jahr be­trägt wei­ter­hin 3,1% (vgl. Gra­fik 3). Die Ana­lys­ten hat­ten mit ei­nem An­stieg von 3,2% ge­rech­net. Dank des breit ab­ge­stütz­ten Stel­len­wachs­tums zeich­net sich kei­ne rasante Wirt­schafts­ver­lang­sa­mung ab. Zu­gleich ist das Lohn­wachs­tum trotz nied­ri­ger Ar­beits­lo­sen­quo­te ver­hal­ten und schlägt nicht auf die In­fla­ti­on durch. Das Fed ist dar­um nicht un­ter Zug­zwang.

Laut Paul Ashworth, Chef­öko­nom für die USA von Ca­pi­tal Eco­no­mics, gibt es im ak­tu­el­len Ar­beits­markt­be­richt nichts, «dass der ame­ri­ka­ni­schen Zen­tral­bank Sor­gen ma­chen könn­te oder sie von ei­ner Zins­er­hö­hung im De­zem­ber ab­hal­ten soll­te», wie er in ei­nem Kom­men­tar schreibt. Das se­hen auch die Markt­teil­neh­mer so. Die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Straf­fung des Leit­zin­ses am 19. De­zem­ber be­trägt laut der Fu­tures-Bör­se CME 78%.

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