Pal­la­di­um über­rascht

Erst­mals seit 2002 war Pal­la­di­um in die­ser Wo­che teu­rer als Gold.

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - ELI­AS HAF­NER

Gold pro­fi­tier­te die­se Wo­che ins­be­son­de­re von sin­ken­den An­lei­he­ren­di­ten – die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten, das Edel­me­tall zu hal­ten – und ei­nem schwä­che­ren Dol­lar. Der Gold­preis no­tier­te am Frei­tag­nach­mit­tag über der Mar­ke von 1240 $ pro Un­ze. Be­reits am Mon­tag, als die glo­ba­len Ak­ti­en­märk­te auf­grund der Nach­richt ei­nes «Waf­fen­still­stan­des» im Han­dels­streit zwi­schen den USA und Chi­na deut­lich zu­ge­legt hat­ten, fie­len et­was aty­pisch die Zin­sen, und der Gold­preis stieg.

Die Prä­si­den­ten der USA und Chi­nas, Do­nald Trump und Xi Jin­ping, hat­ten am Wo­che­n­en­de auf dem G20-Gip­fel in Ar­gen­ti­ni­en bei An­le­gern die Hoff­nung ver­brei­tet, dass sich bei­de Sei­ten in den fol­gen­den 90 Ta­gen ei­ni­gen könn­ten.

Der Ren­di­te­rück­gang setz­te sich im Ver­lauf der Wo­che fort. Zehn­jäh­ri­ge US-Staats­an­lei­hen ren­tie­ren zur­zeit mit we­ni­ger als 2,9%, auf dem Ni­veau von An­fang Sep­tem­ber. Grund da­für sind ge­stie­ge­ne Kon­junk­tur­ängs­te und da­mit ver­bun­de­ne tie­fe­re Er­war­tun­gen an das US-Fed.

Ak­tu­ell er­war­ten die Fi­nanz­märk­te zwei Zins­schrit­te der USNo­ten­bank in den nächs­ten zwölf Mo­na­ten. Auch die­se Wo­che reih­ten sich wie­der Aus­sa­gen von Fed- Ver­tre­tern in die jüngst vor­sich­ti­ge­ren Tö­ne ein. Die ar­beits­markt­las­ti­gen US-Kon­junk­tur­da­ten, die am Don­ners­tag und Frei­tag auf der Agen­da stan­den, fie­len dann auch eher ent­täu­schend aus. So wur­den bei­spiels­wei­se im No­vem­ber deut­lich we­ni­ger Stel­len ge­schaf­fen als er­war­tet.

Ins­ge­samt er­gibt sich aber nach wie vor ein ro­bus­tes Kon­junk­tur­bild für die USA. Die tie­fen Zins­er­war­tun­gen an das Fed könn­ten sich des­halb als zu pes­si­mis­tisch er­wei­sen, was die An­lei­he­ren­di­ten stüt­zen und die wei­te­re Er­ho­lung beim Gold­preis vor­erst hem­men wür­de. Mehr Klar­heit über den künf­ti­gen Zins­er­hö­hungs­pfad der US-Zen­tral­bank wird die kom­men­de Sit­zung am 18./19. De­zem­ber brin­gen, bei der auch die wirt­schaft­li­chen Pro­jek­tio­nen und die Zins-Punkt­pro­gno­sen (Dot Plot) ak­tua­li­siert wer­den.

Zu ei­nem Aus­ru­fe­zei­chen kam es in die­ser Wo­che bei Pal­la­di­um. Der Preis für das Edel­me­tall leg­te am Mitt­woch er­neut deut­lich zu und schoss zwi­schen­zeit­lich auf über 1260 $ pro Un­ze. So­mit kos­te­te ei­ne Un­ze Pal­la­di­um erst­mals seit 2002 wie­der mehr als ei­ne Un­ze Gold. Vom Jah­res­tief Mit­te Au­gust war der Pal­la­di­um­preis in­ner­halb von we­ni­ger als vier Mo­na­ten um rund 50% ge­stie­gen.

Der Pal­la­di­um-Markt be­fin­det sich der­zeit in ei­nem De­fi­zit. Die knap­pe Ver­sor­gung spie­gelt sich auch in ei­ner Back­war­da­ti­on-Si­tua­ti­on am Ter­min­markt (ab­fal­len­de Ter­min­kur­ve). Den­noch über­rascht der star­ke An­stieg. Denn Pal­la­di­um kommt vor­wie­gend als Ka­ta­ly­sa­tor in ben­zin­be­trie­be­nen Au­tos zum Ein­satz, und die Au­to­ab­sät­ze lei­den glo­bal un­ter der kon­junk­tu­rel­len Ver­lang­sa­mung. In Chi­na, dem welt­weit gröss­ten Markt für Ben­zi­ner, la­gen die Au­to­ver­käu­fe zu­letzt deut­lich un­ter denWer­ten der Vor­jah­res­mo­na­te. In der zwei­ten Wo­chen­hälf­te gab der Pal­la­di­um­prei­se dann auch wie­der nach, und Gold hol­te sich die Kro­ne als teu­ers­tes Edel­me­tall zu­rück.

Im his­to­ri­schen Ver­gleich güns­tig zu Gold er­scheint Sil­ber. Das Gold-Sil­ber-Ver­hält­nis steht mit über 85 klar über dem lang­fris­ti­gen Durch­schnitt. Zwar konn­te der Sil­ber­preis die­se Wo­che 2% zu­le­gen, seit Jah­res­an­fang steht ein Mi­nus von fast 15% zu Bu­che. Be­las­tend wirkt ins­be­son­de­re ei­ne tie­fe­re Nach­fra­ge. Ge­mäss dem World Sil­ver Sur­vey 2018 ist der An­ge­bots­über­hang in die­sem Jahr so hoch wie seit 2010 nicht mehr.

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