Im Si­cher­heits­mo­dus

OB­LI­GA­TIO­NEN SCHWEIZ Brei­ter Rück­gang der Zin­sen und An­lei­hen­ren­di­ten am Fran­ken­markt.

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - ANDRE­AS NEIN­HAUS

Gott sei Dank, es ist Frei­tag!, ti­telt die Bank J. Saf­ra Sa­ra­sin ih­ren Wo­chen­kom­men­tar. Die zwei­te Wo­chen­hälf­te setz­te den Markt­teil­neh­mern zu. Un­si­cher­heit und Zu­kunfts­angst kehr­ten ve­he­ment zu­rück, nach­dem noch am Mon­tag dank des han­dels­po­li­ti­schen Waf­fen­still­stands zwi­schen Chi­na und den USA die Welt in Ord­nung schien. Am Fran­ken­an­lei­hen­markt blie­ben Kurs­ver­wer­fun­gen zwar aus, aber die Ren­di­ten san­ken über al­le Lauf­zei­ten hin­weg. Ein Zei­chen für den Si­cher­heits­bo­nus, den die Schweiz im glo­ba­len Ge­schäft be­sitzt. Auf Neu­emis­sio­nen wur­de aber erst ein­mal ver­zich­tet.

Zehn­jäh­ri­ge Schwei­zer Bun­des­ob­li­ga­tio­nen ha­ben in fünf Han­dels­ta­gen 5 Ba­sis­punk­te an Ren­di­te ver­lo­ren (100 Bp = 1 Pro­zent­punkt). Mit –0,15% ren­tie­ren die «Eid­ge­nos­sen» da­mit wie­der ex­akt gleich tief wie zu Be­ginn des lau­fen­den Jah­res. Der Ge­samt­er­trag der Pa­pie­re 2018 ist bis­her im­mer­hin po­si­tiv, wenn auch mit 0,5% sehr be­schei­den.

Auch die Swap­sät­ze sind die­se Wo­che ge­sun­ken. Der fünf­jäh­ri­ge Fran­kens­wap lag am Frei­tag auf –0,17%. Die et­was tie­fe­ren No­tie- run­gen der letz­ten Ta­ge sind nur der letz­te Teil ei­nes Zins­rück­gangs, der schon län­ge­re Zeit zu be­ob­ach­ten ist. In den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen hat der fünf­jäh­ri­ge Satz be­acht­li­che 14 Bp ver­lo­ren. Der zehn­jäh­ri­ge nahm so­gar 19 Bp ab. Er lag am Frei­tag auf 0,38% (+3 Bp ge­gen­über dem Vor­tag).

Der Zins­rück­gang ist nicht nur vor dem Hin­ter­grund des Kurs­ver­lusts an den in- und aus­län­di­schen Ak­ti­en­märk­ten zu se­hen. Er er­eig­net sich kurz be­vor nächs­te Wo­che die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank und die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank über die wei­te­re Zin­s­und Geld­po­li­tik ent­schei­den.

Die Vor­ga­ben der Märk­te deu­ten dar­auf hin, dass von bei­den In­sti­tu­ten nur sehr zu­rück­hal­ten­de Stel­lung­nah­men zur Nor­ma­li­sie­rung und all­fäl­li­gen Zins­er­hö­hun­gen zu er­war­ten sind. Ei­nig sind sich die «Cen­tral Bank Wat­chers», dass die Na­tio­nal­bank nichts un­ter­neh­men wird, be­vor nicht die EZB an der Zins­schrau­be dreht. Un­ter­schied­lich be­ur­tei­len sie, ob die Schwei­zer den Eu­ro­pä­ern rasch fol­gen oder sich da­mit Zeit las­sen wer­den.

Der Sep­tem­ber-Ter­min für die ers­te Zins­er­hö­hung der EZB ist un­wahr­schein­li­cher ge­wor­den. An den Märk­ten wird be­reits spe­ku­liert, dass die Leit­zin­sen vor 2020 gar nicht mehr er­höht wer­den. Für die Schweiz rech­net Mor­gan St­an­ley in­des wei­ter­hin mit ei­ner ers­ten Zins­er­hö­hung im De­zem­ber 2019. Die Na­tio­nal­bank wür­de dann 2020 noch zwei­mal den Leit­zins er­hö­hen. Mit an­de­ren Wor­ten: Mi­nus­zin­sen blie­ben der Schweiz noch über das gan­ze nächs­te Jahr hin­weg er­hal­ten.

UBS for­mu­liert in ih­rem am Don­ners­tag vor­ge­stell­ten An­la­ge­aus­blick 2019 si­byl­li­nisch: «Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank wird nur bei ei­ner deut­li­chen Er­ho­lung des Eu­ros die Zin­sen er­hö­hen, ob­wohl der Spiel­raum für ei­ne Ab­wer­tung des Schwei­zer Fran­kens ge­gen­über dem Eu­ro be­grenzt ist.» Credit Suis­se sagt vor­aus, dass zu­min­dest zehn­jäh­ri­ge «Eid­ge­nos­sen» die Null­li­nie wie­der über­sprin­gen: In drei Mo­na­ten sol­len sie 0,2 und in zwölf 0,4% ren­tie­ren.

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