Ru­dolf Ha­dorn

Jah­re­lang ver­such­te der Werk­stoff­her­stel­ler, die Ab­hän­gig­keit von der Wind­ener­gie zu re­du­zie­ren. Jetzt än­dert er die Stra­te­gie.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - YVON­NE DEBRUNNER

Der CEO von Gu­rit glaubt an die Wind­ener­gie. Ent­ge­gen lang­jäh­ri­gen Plä­nen wird ihr Um­satz­an­teil aus­ge­baut.

Prei­se­ro­si­on, schwan­ken­de Sub­ven­ti­ons­lust, un­ge­wis­se Zu­kunft: Das Wind­ener­gie­ge­schäft war bis­her ein un­zu­ver­läs­si­ges Stand­bein für Un­ter­neh­men. So sa­hen das auch die Ver­ant­wort­li­chen von Gu­rit. Die Ge­sell­schaft aus dem sankt­gal­li­schen Watt­wil stellt mit rund 2300 An­ge­stell­ten Werk­stof­fe her, die für den Bau vonWind­tur­bi­nen­blät­tern ver­wen­det wer­den. Da­ne­ben pro­du­ziert sie auch For­men für den Bau von Wind­tur­bi­nen­blät­tern, ei­nen Ge­schäfts­be­reich, der im­mer wich­ti­ger wird.

Die Ab­hän­gig­keit vom Wind­ener­gie­ge­schäft ist mit rund 60% des Um­sat­zes aus­ge­prägt. Lan­ge ver­such­te Gu­rit, sie zu re­du­zie­ren. So soll­ten ver­mehrt an­de­re Bran­chen mit Kunst­stoff­ma­te­ria­li­en be­lie­fert wer­den, die Au­to­mo­bil­bran­che bei­spiels­wei­se. Jah­re­lang war von Di­ver­si­fi­ka­ti­on die Re­de.

We­ni­ger in die Brei­te

Doch die­se Plä­ne wur­den un­ter­des­sen be­gra­ben. Gu­rit­CEO Ru­dolf Ha­dorn sprach En­de De­zem­ber ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» von ei­ner stra­te­gi­schen An­pas­sung. «Wir wol­len in un­se­rem Ge­schäfts­mo­dell mehr Tie­fe und Fo­kus er­rei­chen und we­ni­ger in die Brei­te ge­hen», sag­te er. Der Grund für die Kehrt­wen­de ist ein äus­serst schlech­tes Ab­schnei­den der Spar­te Com­po­si­te Com­po­n­ents, die Bau­tei­le für Au­tos und Bus­se her­stellt.

Weil der Haupt­kun­de die­ser Spar­te – ge­mäss den Ana­lys­ten der ZKB ein ita­lie­ni­scher Au­to­her­stel­ler – von Ja­nu­ar bis Ju­ni plötz­lich nichts mehr be­stell­te, sass die Gu­rit­Spar­te auf dem Tro­cke­nen. Hin­zu ka­men Pro­ble­me in drei gros­sen neu­en Pro­jek­ten. Die An­sprü­che der Kun­den er­höh­ten sich lau­fend, Gu­rit hat­te Mü­he, sie zu er­fül­len. «Wir ha­ben uns vi­el­leicht zu viel zu­ge­mu­tet», sagt Ha­dorn.

Das Re­sul­tat der Pro­ble­me war ei­ne Ge­winn­war­nung, ver­schickt am 19. De­zem­ber, mit der An­kün­di­gung, dass die pro­gnos­ti­zier­te Be­triebs­ge­winn­mar­ge von 8 bis 10% nicht er­reicht wer­de. We­gen der Pro­ble­me in der Au­to­mo­bil­spar­te sei­en es nur 6,5 bis 7,5%. Noch in der­sel­ben Mit­tei­lung gab Gu­rit be­kannt, die Au­to­mo­bil­spar­te re­struk­tu­rie­ren und dann ver­kau­fen zu wol­len. Für ei­ne ech­te Di­ver­si­fi­ka­ti­on hät­te das Au­to­ge­schäft schnel­ler ei­nen deut­lich hö­he­ren An­teil an Ge­samt­um­satz und ­er­trag er­zie­len müs­sen, er­klärt Ha­dorn. Nun soll die Pro­duk­ti­on der Spar­te am neu­en Stand­ort in Un­garn kon­zen­triert wer­den, be­vor der Ge­schäfts­be­reich ver­äus­sert wird.

Mit ei­nem Ver­kauf steigt die Ab­hän­gig­keit vomWind­ener­gie­ge­schäft wei­ter. Zwar be­lie­fert Gu­rit wei­ter­hin auch An­bie­ter aus den Be­rei­chen Luft­fahrt und Boots­bau. Ei­ne Über­nah­me im Ok­to­ber liess je­doch die Be­deu­tung der Wind­ener­gie be­reits mar­kant stei­gen. Gu­rit kauf­te das dä­ni­sche Un­ter­neh­men JSB Group, das Bau­sät­ze für Wind­tur­bi­nen­blät­ter her­stellt – ein Zu­kauf, der Gu­rit ge­mes­sen am Um­satz auf ei­nen Schlag ein Drit­tel wach­sen lässt. Gu­rit setzt sich al­so ganz der lau­ ni­schen Wind­ener­gie aus. In die­sem Jahr wird die Ab­hän­gig­keit vom Wind­ener­gie­ge­schäft statt 60 be­reits 75% oder mehr be­tra­gen. CEO Ha­dorn glaubt an die Zu­kunft der Bran­che.

Er ist der An­sicht, die Wind­ener­gie wer­de in ein bis zwei Jah­ren nicht mehr auf staat­li­che Bei­hil­fen an­ge­wie­sen sein. Die Sub­ven­tio­nen sei­en be­reits ge­sun­ken: «2007 wur­de ei­ne Ki­lo­watt­stun­de Ons­hore­Wind­strom mit durch­schnitt­lich 8 Cent sub­ven­tio­niert. Heu­te ist es noch 1 Cent», be­tont Ha­dorn. Wenn die Bran­che es schaf­fe, von den Sub­ven­tio­nen weg­zu­kom­men, wer­de auch die von den Sub­ven­tio­nen ver­ur­sach­te Vo­la­ti­li­tät ver­schwin­den. Ha­dorn setzt auf star­kes Men­gen­wachs­tum und zi­tiert ei­ne Stu­die von Bloom­berg, wo­nach 2040 drei Vier­tel al­ler Neu­in­ves­ti­tio­nen im Ener­gie­be­reich in er­neu­er­ba­re Ener­gie­trä­ger flies­sen.

Preis ei­ner Tur­bi­ne hal­biert

Ei­ne Vor­aus­set­zung da­für ist die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Wind­ener­gie. Ge­mäss Ha­dorn hat sie stark zu­ge­nom­men. So ha­be sich der Preis für ei­ne Wind­tur­bi­ne pro Me­ga­watt Nenn­leis­tung in den letz­ten zehn Jah­ren hal­biert. Heu­te wür­den zu­dem viel grös­se­re Tur­bi­nen ge­baut als frü­her, sagt Ha­dorn, was sie ef­fi­zi­en­ter ma­che. «Heu­ti­ge Tur­bi­nen lau­fen in weit über 20% der Zeit mit vol­ler Leis­tung. Frü­her wa­ren es we­ni­ger als 20%», sagt Ha­dorn.

Die Grös­sen­ent­wick­lung er­lebt Gu­rit mit, weil sie For­men für die Ro­tor­blät­ter baut. Heu­te ist ein Ro­tor­blatt laut Ha­dorn durch­schnitt­lich 65 Me­ter lang. In Chi­na lie­fert das Un­ter­neh­men be­reits vie­le For­men für Blät­ter mit über 70 Me­tern Län­ge aus. «Vor zehn Jah­ren bau­ten wir For­men für 40­Me­ter­Blät­ter. Heu­te sind das Mini­tur­bi­nen», sagt Ha­dorn.

Al­ler Zu­ver­sicht des CEO zum Trotz sind die Gu­rit­Ak­ti­en an der Börse wei­ter­hin be­schei­den be­wer­tet. Für 2019 liegt das Kurs­Ge­winn­Ver­hält­nis der­zeit bei ge­ra­de mal 12, was so­gar für die tra­di­tio­nell bil­li­gen Gu­rit­Ak­ti­en nied­rig ist. Ein Kauf könn­te sich mit­tel­fris­tig loh­nen. Un­ter­neh­mens­chef Ru­dolf Ha­dorn will sich zu der Be­wer­tung nicht äus­sern. «Das be­ur­teilt der Markt», sagt er.

Al­le Fi­nanz­da­ten zu Gu­rit im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer:

www.fuw.ch/GUR

Gu­rit lie­fert Kern­ma­te­ria­li­en für Wind­ener­gie-Ro­tor­blät­ter. Die­se sind mitt­ler­wei­le im Durch­schnitt 65 Me­ter lang.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.