AMS im Elend

Der Halb­lei­ter­pro­du­zent büsst für die ho­he Ab­hän­gig­keit vom US-Tech-Gi­gan­ten.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Die Um­satz­war­nung des Gross­kun­den App­le hat die Ak­ti­en des Tech­un­ter­neh­mens ein wei­te­res Fünf­tel fal­len las­sen. Da­mit no­tie­ren AMS 85% un­ter ih­rem 52-Wo­chen-Hoch – und der Reiz, die Ti­tel zu kau­fen, ist noch­mals grös­ser ge­wor­den.

AMS hat ei­nen er­denk­lich schlech­ten Start ins neue Jahr er­wischt. Der Kurs des ös­ter­rei­chi­schen An­bie­ters von Hoch­leis­tungs­sen­sor­lö­sun­gen auf Ba­sis von ana­lo­gen Halb­lei­ter­bau­ele­men­ten sack­te am Don­ners­tag an der SIX 23% ab; bis Frei­tag­mit­tag er­hol­te er sich 4%.

Der Grund ist App­le. Der Gross­kun­de hat­te zu­vor ei­ne Um­satz­war­nung für das Schluss­quar­tal 2018 aus­ge­ge­ben. Statt 89 bis 93 Mrd. $ soll der Er­lös nur rund 84 Mrd. $ be­tra­gen. App­le ver­lor des­we­gen selbst 10% resp. 75 Mrd. $ anWert. Die vor al­lem mit ei­ner schwä­che­ren iPho­neNach­fra­ge in Chi­na be­grün­de­te Um­satz­war­nung schlug ho­he Wel­len. Die­se tra­fen vor al­lem Zu­lie­fe­rer. Aus­ser AMS ga­ben auch Dia­log Se­mi­con­duc­tor und Broad­com kräf­tig nach, je rund 10%.

AMS büsst für die ho­he Ab­hän­gig­keit. Trotz Di­ver­si­fi­ka­ti­on stam­men noch fast drei Vier­tel des Um­sat­zes vom Kun­den­seg­ment Con­su­mer & Com­mu­ni­ca­ti­ons, das pri­mär mo­bi­le Ge­rä­te um­fasst und zu ei­nem gros­sen Teil an App­le hän­gen soll. Der Rest fällt auf Au­to­mo­bil-, In­dus­trie­und Me­di­zi­nal­an­wen­dun­gen.

Das von Ak­qui­si­tio­nen ge­tra­ge­ne Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­stre­ben von AMS ist auch da­durch mo­ti­viert, dass das In­no­va­ti­ons­tem­po bei Smart­pho­nes nach­ge­las­sen hat und die An­bie­ter die Schmerz­gren­ze im Preis im­mer mehr aus­rei­zen, al­len vor­an App­le. Kon­su­men­ten be­hal­ten des­we­gen ihr Mo­bil­ge­rät län­ger. Das wirkt sich un­güns­tig auf den Ab­satz aus und trifft vor al­lem App­le, wo rund 60% des Um­sat­zes vom iPho­ne her­rüh­ren.

Das Schwä­cheln von App­le kommt für AMS zeit­lich un­ge­le­gen. Zu­käu­fe ha­ben die Net­to­schul­den stark er­höht, per En­de Sep­tem­ber auf den 2,8-fa­chen Ebit­da der letz­ten vier Quar­ta­le. Zugleich ist der freie Cash­flow ne­ga­tiv. Das soll­te zwar nicht von Dau­er sein; das Ma­nage­ment er­war­tet ei­ne Rück­kehr zu be­deu­ten­den Zuflüs­sen. Doch wenn der Haupt­markt an Schwung ver­liert, wird der Schul­den­ab­bau nicht leich­ter. Im­mer­hin be­zwei­felt Andre­as Mül­ler, Ana­lyst der Zürcher Kan­to­nal­bank, dass die Um­satz­war­nung von App­le ei­ne wei­te­re Pro­gno­se­sen­kung von AMS nach sich zieht. «Wir ge­hen da­von aus, dass in der Ge­winn­war­nung von Mit­te No­vem­ber die­se Schwä­che be­reits es­komp­tiert wur­de», hält er in ei­ner No­tiz fest. Ein schwa­ches Auf­takt­quar­tal im neu­en Jahr ist da­mit aber nicht aus­ge­schlos­sen.

Mit Blick auf die kom­men­den Jah­re äus­ser­te sich AMS Mit­te No­vem­ber zu­ver­sicht­lich. Im Um­satz wer­den zwei­stel­li­ge Wachs­tums­ra­ten er­war­tet, und die Be­triebs­ge­winn­mar­ge soll sich in Rich­tung 30% aus­wei­ten. Da­für braucht es wie­der mehr iPho­ne-Ver­käu­fe in Chi­na.

Die an­ste­hen­den Ge­sprä­che zwi­schen Chi­na und den USA wür­den die Zol­le­s­ka­la­ti­on mit ho­herWahr­schein­lich­keit stop­pen, meint Ana­lyst Mül­ler. «Das soll­te Chi­ne­sen dann wie­der zum Kauf von App­le-Pro­duk­ten ani­mie­ren.» Ein sol­ches Sze­na­rio er­öff­net den mit ei­nem KGV 2019 von 9 reiz­voll be­wer­te­ten Ak­ti­en AMS Er­ho­lungs­po­ten­zi­al. An­le­ger mit Spiel­geld kön­nen ei­nen Bat­zen dar­auf wet­ten. Al­le an­de­ren soll­ten sich an Sta­bi­le­res und Vor­her­seh­ba­re­res hal­ten.

Al­le Fi­nanz­da­ten zu AMS im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer:

www.fuw.ch/AMS

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