Ver­hal­te­ne Aus­sich­ten für IPO

Ex­per­ten er­war­ten für 2019 ein zum Vor­jahr sta­bi­les Emis­si­ons­vo­lu­men von mehr als 200 Mrd. $.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - BEA­TRI­CE BÖSIGER

Die Er­war­tun­gen in Sa­chen Bör­sen­gän­ge sind der­zeit von Vor­sicht ge­prägt. Vie­le Kan­di­da­ten dürf­ten we­gen des schwie­ri­gen Markt­um­felds ab­war­ten.

Hät­ten Sie mich vor ei­nem Jahr ge­fragt, wä­re mei­ne Ant­wort ge­we­sen, dass 2018 bei Bör­sen­gän­gen fast al­les mög­lich ist», sagt Andre­as Ne­u­mann, Lei­ter Equi­ty Ca­pi­tal Mar­kets bei der Zürcher Kan­to­nal­bank. Nun sieht es an­ders aus. Schlecht sei das Um­feld für IPO (Initi­al Pu­b­lic Of­fe­rings) zwar im­mer noch nicht, aber eben auch nicht mehr der­art aus­ge­zeich­net wie vor ei­nem Jahr, meint Ne­u­mann.

Für das lau­fen­de Jahr rech­net Ne­u­mann in der Schweiz mit un­ge­fähr fünf IPO. Als Kan­di­da­ten gel­ten et­wa Me­dac­ta oder Stad­ler Rail. Die im ver­gan­ge­nen Jahr er­reich­te Mar­ke von zwölf Bör­sen­gän­gen (IPO und Lis­tings) an der SIX, die höchs­te Zahl seit 2001, dürf­te 2019 aber nicht mehr er­reicht wer­den. In­ves­to­ren sind zu­rück­hal­ten­der, ma­kro­öko­no­mi­sche Fak­to­ren wie der Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na oder der Br­ex­it tra­gen zur Un­si­cher­heit und zur vo­la­ti­len Si­tua­ti­on an den Fi­nanz­märk­ten bei. Ein­fa­cher ist im ak­tu­el­len Um­feld ein IPO für de­fen­si­ve Ti­tel aus der Le­bens­mit­tel- oder der Phar­ma­bran­che. Zy­kli­ker und klei­ne­re Un­ter­neh­men ha­ben es schwie­ri­ger.

Chan­cen trotz Vo­la­ti­li­tät

Trotz­dem gibt es auch in der Schweiz Mög­lich­kei­ten: «Wir konn­ten trotz an­spruchs­vol­lem Um­feld ei­ni­ge Ti­tel aus dem Small-Cap-Seg­ment plat­zie­ren, wo­bei vor al­lem Pen­si­ons­kas­sen In­ter­es­se zeig­ten», sagt Ne­u­mann. Die­se In­ves­to­ren könn­ten län­ger­fris­tig agie­ren und auch klei­ne­ren Un­ter­neh­men Zeit ge­ben, um sich zu ent­wi­ckeln. An­la­ge­fonds kön­nen da­ge­gen nicht so lan­ge war­ten. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hät­ten sie des­we­gen Va­lo­ren von Small und Mid Caps ver­mehrt ver­kauft und sei­en in li­qui­de­re As­sets ge­wech­selt, um In­ves­to­ren nach ei­nem mög­li­chen Rück­zug aus­zah­len zu kön­nen. Die­se Dif­fe­ren­zie­rung re­flek­tie­re das ge­gen­wär­ti­ge Um­feld. Er ha­be sie am Markt so ak­zen­tu­iert bis­her kaum be­ob­ach­tet, meint Ne­u­mann.

Auch in­ter­na­tio­nal fal­len die Pro­gno­sen für den IPO-Markt 2019 ver­hal­ten aus. Die Be­ra­tungs­ge­sell­schaft EY schätzt ih­re An­zahl auf 1150 bis 1300. Im Vor­jahr wag­ten 1359 Un­ter­neh­men den Bör­sen­gang. Das Emis­si­ons­vo­lu­men dürf­te hin­ge­gen min­des­tens das Vor­jah­res­ni­veau von 205 Mrd. $ er­rei­chen. Zu den gröss­ten ge­plan­ten Neu­emis­sio­nen in Deutsch­land zählt et­wa die VW-Nutz­fahr­zeug­toch­ter Tra­ton (MAN und Sca­nia). Das Un­ter­neh­men selbst schätzt sei­nen Wert auf mehr als 6 Mrd. € (vgl. Sei­te 7).

Tech-Kon­zer­ne ha­ben Plä­ne

«Po­si­tiv ent­wi­ckeln dürf­te sich der ame­ri­ka­ni­sche Markt», sagt To­bi­as Mey­er, ver­ant­wort­lich für Tran­sac­tion Ac­coun­ting und IPO bei EY. Be­reit für ein IPO ste­hen et­wa Un­ter­neh­men aus der Tech-Bran­che. Die bei­den Mit­fahr­diens­te Uber und Lyft ha­ben die Un­ter­la­gen für den Bör­sen­gang be­reits im De­zem­ber bei der Re­gu­lie­rungs­be­hör­de, der Se­cu­ri­ties and Ex­ch­an­ge Com­mis­si­on (SEC), ein­ge­reicht, wie Bloom­berg be­rich­tet. Ins­be­son­de­re das IPO von Uber wird mit Span­nung er­war­tet. Bei der jüngs­ten pri- va­ten Fi­nan­zie­rungs­run­de wur­de der Mit­fahr­dienst mit 76 Mrd. $ be­wer­tet, ge­lingt das De­büt an der Börse, könn­te der Wert auf 120 Mrd.$ stei­gen. Wie er­folg­reich der Bör­sen­gang aus­fällt, hängt aber nicht zu­letzt da­von ab, ob Uber es schafft, die In­ves­to­ren vom Ge­schäfts­mo­dell zu über­zeu­gen. Zu­letzt wur­de im drit­ten Quar­tal 2018 ein Ver­lust von 1,1 Mrd. $ er­wirt­schaf­tet.

Doch auch bei er­folgs­ver­wöhn­ten Un­ter­neh­men ist ein po­si­ti­ves De­büt an der Börse nicht ga­ran­tiert. Die Mo­bil­funk­spar­te der ja­pa­ni­schen Soft­bank sam­mel­te bei ih­rem IPO in Tokio im De­zem­ber 2018 zwar 23,5 Mrd. $ ein, ver­lor am ers­ten Han­dels­tag aber gleich mehr als 14%. «Da die Märk­te in nächs­ter Zeit vo­la­til blei­ben wer­den, müs­sen Un­ter­neh­men bei der Pla­nung ih­res IPO fle­xi­bel sein», sagt Mey­er. Das rich­ti­ge Zeit­fens­ter zu er­wi­schen, sei wich­tig. Vor al­lem im ers­ten hal­ben Jahr sei da­her mit we­ni­ger Ak­ti­vi­tät am IPO-Markt zu rech­nen. Re­üs­siert Uber beim Bör­sen­gang, wä­re das ein po­si­ti­ves Si­gnal für an­de­re IPO-Kan­di­da­ten, die in den Start­lö­chern ste­hen.

Ken Miyau­chi, CEO von Soft­bank, hat­te mit ei­nem bes­se­ren Start ge­rech­net. Das IPO der Mo­bil­funk­spar­te war ei­ne Ent­täu­schung.

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