Job­markt boomt

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Die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft hat im De­zem­ber über 310 000 Stel­len ge­schaf­fen. Auch der An­stieg der Löh­ne be­schleu­nigt sich. Das er­höht die Chan­cen, dass die US-No­ten­bank die Zin­sen wei­ter strafft.

So­li­des Job­wachs­tum dämpft Sor­gen um Kon­junk­tur­ab­küh­lung.

Der ame­ri­ka­ni­sche Ar­beits­markt bleibt ro­bust. Wie das Sta­tis­tik­amt BLS mel­det, hat die US-Wirt­schaft im De­zem­ber 312 000 Jobs ge­schaf­fen. Das sind weit mehr als die knapp 180 000 Stel­len, mit de­nen Öko­no­men im Vor­feld ge­rech­net ha­ben. Zu­dem wur­den die Da­ten für Ok­to­ber und No­vem­ber um ins­ge­samt 58 000 Ar­beits­plät­ze nach oben re­vi­diert. In den ver­gan­ge­nen drei Mo­na­ten sind da­mit im Durch­schnitt je­weils über 250 000 Jobs hin­zu­ge­kom­men. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te, die in ei­ner se­pa­ra­ten Um­fra­ge er­ho­ben wird, ist zwar leicht von 3,7 auf 3,9% ge­stie­gen, be­wegt sich aber wei­ter­hin auf tie­fem Ni­veau.

Auf­merk­sam ver­folgt wird an den Fi­nanz­märk­ten spe­zi­ell die Ent­wick­lung der Löh­ne, weil die­se An­halts­punk­te zur In­fla­ti­on ge­ben. Sie sind im De­zem­ber 3,2% ge­gen­über dem Vor­jah­res­mo­nat ge­stie­gen, was dem höchs­ten Tem­po in die­sem Kon­junk­tur­zy­klus ent­spricht. Ein Blick auf die De­tails zeigt, dass vor al­lem Stel­len im Ge­sund­heits­sek­tor, im Gast­ge­wer­be, im Bau­we­sen, in der In­dus­trie und im De­tail­han­del ent­stan­den sind. Er­freu­lich ist wei­ter, dass die Er­werbs­quo­te seit No­vem­ber von 62,9 auf 63,1% zu­ge­nom­men hat.

Fed si­gna­li­siert Fle­xi­bi­li­tät

Für die ame­ri­ka­ni­sche No­ten­bank sind das er­mu­ti­gen­de Nach­rich­ten. Fed-Chef Jerome Po­well be­kräf­tig­te am Frei­tag­mor­gen wäh­rend ei­nes Auf­tritts in At­lan­ta, dass die ame­ri­ka­ni­scheWirt­schaft in so­li­der Ver­fas­sung sei. Das Fe­deral Re­ser­ve be­ob­ach­te die la­bi­le Si­tua­ti­on an den Bör­sen je­doch auf­merk­sam: «Wir wer­den be­reit sein, die Geld­po­li­tik rasch und fle­xi­bel zu ad­jus­tie­ren», sag­te er wäh­rend ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on, an der sei­ne Vor­gän­ger Ja­net Yel­len und Ben Bernan­ke eben­falls teil­nah­men. Da­zu kön­ne auch ei­ne Ver­lang­sa­mung des Bi­lanz­ab­baus zäh­len – ei­ne Mass­nah­me, die Po­well noch vor we­ni­gen Wo­chen prak­tisch aus­ge­schlos­sen hat­te.

An Wall­s­treet be­ru­hig­ten sich die Ner­ven zum Schluss der Wo­che et­was. Der Leit­in­dex S&P 500 ten­dier­te in den ers­ten Han­dels­stun­den fast 3% fes­ter, nach­dem er am Don­ners­tag ei­nen hap­pi­gen Rück­schlag er­lit­ten hat­te. Grös­se­re Be­we­gun­gen gab es auch im Bond­sek­tor. Die Ren­di­te auf zehn­jäh­ri­ge Tre­a­su­ries stieg über zehn Ba­sis­punk­te auf 2,66%. Al­ler­dings sind die lang­fris­ti­gen Zin­sen we­gen Sor­gen um die Welt­kon­junk­tur zu­letzt deut­lich zu­rück­ge­kom­men. Zum Ver­gleich: Mit­te No­vem­ber be­weg­ten sie sich deut­lich über 3,2%.

Po­well auf heik­ler Mis­si­on

Fed-Chef Po­well muss nun viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl be­wei­sen. Wäh­rend der Ar­beits­markt in den USA heiss läuft, kühlt sich die Wirt­schaft im Rest derWelt ab. Auch nimmt die Ve­r­un­si­che­rung an den Fi­nanz­märk­ten zu.

An der letz­ten Sit­zung der US-No­ten­bank von Mit­te De­zem­ber hat­te Po­well das Ziel­band für die Fed Funds Ra­te um ei­nen wei­te­ren Vier­tel­pro­zent­punkt auf 2,25 bis 2,5% an­ge­ho­ben. Für das lau­fen­de Jahr si­gna­li­siert er zwei zu­sätz­li­che Zins­schrit­te. Die Fi­nanz­märk­te hin­ge­gen zwei­feln im­mer mehr, dass der Fed-Chef die Geld­po­li­tik wei­ter straf­fen kann. Händ­ler an der Chi­ca­go­er Ter­min­bör­se CME mes­sen der Wahr­schein­lich­keit ei­ner er­neu­ten Zins­er­hö­hung der­zeit kaum mehr ei­ne Chan­ce zu.

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