De­ri­vatus

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An­le­ger mit Bar­rie­re­pro­duk­ten auf AMS – der 1981 ge­grün­de­te Halb­lei­ter­her­stel­ler aus dem ös­ter­rei­chi­schen Un­ter­prem­stät­ten be­zeich­ne­te sich frü­her als Aus­tri­a­mi­cro­sys­tems und ist an der SIX ko­tiert – ha­ben das Nach­se­hen (vgl. Ar­ti­kel ne­ben­an). Die Ak­tio­nä­re eben­falls.

Wie prä­sen­tiert sich die La­ge ge­ne­rell für De­ri­va­te mit Bar­rie­ren und für die un­ter­lie­gen­den Ak­ti­en? «So, wie es aus­sieht, ste­hen wir erst am An­fang des Aus­ver­kaufs», schreibt And­rew Lapt­hor­ne, Ana­lyst bei So­cié­té Gé­né­ra­le, am Berch­tolds­tag. Wir starr­ten al­le auf Ak­ti­en­kur­se, die 20% ge­fal­len sei­en, «aber in ei­nem ech­ten Bä­ren­markt ist es üb­lich, dass ein Drit­tel der Ak­ti­en 50% oder mehr ver­liert», mahnt Lapt­hor­ne. Letz­tes Jahr ha­be sich die US-Börse recht gut ge­hal­ten, doch im S&P 500 sei­en 9% al­ler Ak­ti­en um die Hälf­te oder mehr ge­sun­ken, und das sei gleich viel wie im In­dex MSCI Eu­ro­pe.

Und es kommt noch düs­te­rer: Un­ter Ein­be­zug von Un­ter­neh­men mit ge­rin­ge­rem Bör­sen­wert, die zum S&P 1500 ge­hör­ten, hät­ten be­reits 18% al­ler USAk­ti­en min­des­tens die Hälf­te ein­ge­büsst. In der Fi­nanz­kri­se wa­ren es üb­ri­gens ge­mäss Lapt­hor­ne ge­gen 80% al­ler Ak­ti­en und beim Plat­zen der Tech­no­lo­giebla­se je nach In­dex et­wa 40 bis 60%.

Wenn nun wirk­lich je­de drit­te Ak­tie um die Hälf­te ab­stürzt, dann hält kaum ei­ne Bar­rie­re. Aus­ge­nom­men vi­el­leicht bei den drei be­lieb­tes­ten und de­fen­si­ven Ba­sis­wer­ten Nest­lé, No­var­tis und Ro­che. Sie sind der­zeit z. B. mit ei­ner Bar­rie­re von 55% zu ha­ben, wie auf www.fuw.ch/ zer­ti­fi­ka­te-neu­emis­sio­nen er­sicht­lich ist, und wo­mit der An­le­ger ei­nen Ein­bruch von 45% schad­los über­steht.

Doch der Cou­pon be­trägt le­dig­lich 4%.

Bar­rie­re­pro­duk­te auf Ak­ti­en die­nen im Porte­feuille als Ersatz für eben­die­se. Als Al­ter­na­ti­ve zu An­lei­hen – das Nied­rig­zins­um­feld ist in letz­ter Zeit noch nied­ri­ger ge­wor­den (vgl. Sei­te 1) – kom­men oh­ne­hin höchs­tens Bar­rie­re­pro­duk­te auf In­di­zes in­fra­ge. Auch sol­che wer­den ge­gen­wär­tig an­ge­bo­ten, die tiefs­te of­fe­rier­te Bar­rie­re liegt bei 55%, der Cou­pon da­zu ist 3,5%.

So rich­tig wohl ist es mir da­mit aber auch nicht. Ge­mäss Lapt­hor­ne sind «meh­re­re In­di­zes», in­klu­si­ve der Bör­sen­ba­ro­me­ter Deutsch­lands und Ja­pans, im Bä­ren­markt, ih­re Ein­bus­se be­trägt al­so min­des­tens 20%. In die­sem Um­feld von An­lei­hen gu­ter Bo­ni­tät in kon­ser­va­ti­ve Bar­rie­re­pro­duk­te um­zu­schich­ten, ist nicht rat­sam, da die De­ri­va­te das Ak­ti­en­markt­ri­si­ko ent­hal­ten.

Das Um­feld sei 2017 ab­nor­mal ge­we­sen, nicht 2018, hält Lapt­hor­ne fest. Die da­mals un­ge­wöhn­lich nied­ri­ge Vo­la­ti­li­tät ha­be zu den nach­fol­gen­den Tur­bu­len­zen bei­ge­tra­gen. Das liegt wohl auch da­ran, dass An­le­ger in be­son­ders ru­hi­gen Zei­ten be­son­ders ho­he Ri­si­ken ein­ge­hen, was sich spä­ter rächt. Der Ver­mö­gens­ver­wal­ter An­dré Kist­ler skiz­ziert die La­ge tref­fend; er sagt in der FuWJah­res­end­aus­ga­be: «Au­gen­fäl­lig ist, wie stark die Psy­cho­lo­gie die Märk­te prägt. Die An­le­ger wa­ren an ei­nem Tag ängst­lich und am nächs­ten wie­der eu­pho­risch. Auf­fal­lend auch, wie sich das auf die rea­le Wirt­schaft über­tra­gen hat. Die Un­ter­neh­mens­in­ves­ti­tio­nen gin­gen zu­rück aus Furcht vor ei­ner Re­zes­si­on.» Will­kom­men in der neu­en Nor­ma­li­tät.

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