2019 wird ein schwie­ri­ges Jahr für den Dol­lar

In ih­ren Wäh­rungs­pro­gno­sen ra­ten die füh­ren­den Ban­ken von Dol­lar­käu­fen ab und set­zen auf Eu­ro und Yen. Der Fran­ken wer­de sich leicht ab­schwä­chen.

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ANDRE­AS NEINHAUS

Auf den Dol­lar zu set­zen, hat sich 2018 ge­lohnt. Wäh­rend so­wohl Ak­ti­en als auch An­lei­hen welt­weit ei­nen Ver­lust von je 4% ein­fuh­ren, hat sich die US­Va­lu­ta ge­gen­über den wich­tigs­ten Wäh­run­gen im Jah­res­ver­lauf 7% auf­ge­wer­tet. Es wä­re so leicht ge­we­sen: ein­fach auf die Wäh­rung der stärks­ten Wirt­schaft zu set­zen und zu­sätz­lich noch über­durch­schnitt­lich ho­he Zin­sen zu kas­sie­ren. Aber die­ser Zug ist ab­ge­fah­ren.

Die meis­ten De­vi­sen­ex­per­ten sa­gen dem Dol­lar ein schwie­ri­ges 2019 vor­aus. «Fi­nanz und Wirt­schaft» hat die Wäh­rungs­pro­gno­sen von sie­ben füh­ren­den Ban­ken ein­ge­holt. Al­le er­war­ten, dass der Yen den Dol­lar im Jah­res­ver­lauf schla­gen wird ( Ta­bel­le 1). Fünf von sie­ben sa­gen das glei­che für den Eu­ro vor­aus. En­de 2019 könn­te die­ser bis zu 15% hö­her no­tie­ren: Ge­mäss Mor­gan St­an­ley wird sich 1 € von der­zeit 1.14 auf 1.31 $ ver­teu­ern.

Ein Vor­ge­schmack dar­auf, wie rasch sich die Gunst der An­le­ger wen­den kann, war die­se Wo­che zu be­ob­ach­ten: Der YenDol­lar­Wech­sel­kurs ver­lor 5%. 1 $ kos­te­te zeit­wei­se 106,8 Yen, be­vor er sich auf 108,3 Yen sta­bi­li­sier­te. En­de No­vem­ber war er noch zu 114 Yen ge­han­delt wor­den.

Ge­gen­wind aus Wa­shing­ton

Ge­gen den Dol­lar spricht vie­les. Po­li­tisch herrscht in Wa­shing­ton erst ein­mal Still­stand. Die Re­pu­bli­ka­ner ha­ben in den Zwi­schen­wah­len ei­ne der bei­den Par­la­ments­kam­mern an die De­mo­kra­ten ver­lo­ren. Für Do­nald Trump wird das Re­gie­ren schwie­ri­ger. Kom­pro­mis­se sind er­for­der­lich. Aber da­nach sieht es nicht aus, wie der Streit um die Schul­den­ober­gren­ze zeigt, re­spek­ti­ve dar­um, wer den Bau der Grenz­mau­er zu Me­xi­ko be­zah­len soll. Seit zwei Wo­chen sind zahl­rei­che Be­hör­den ge­schlos­sen. Be­ob­ach­ter be­fürch­ten, dass sich der Macht­kampf der bei­den La­ger noch län­ge­re Zeit fort­ge­setzt wird.

Die po­li­ti­sche Kon­fron­ta­ti­on wir­ke sich be­las­tend für den Dol­lar aus, ar­gu­men­tie­ren die meis­ten De­vi­sen­ex­per­ten. Hin­zu kommt, dass Trumps fis­kal­po­li­ti­sche Im­pul­se aus­klin­gen. «Die Mass­nah­men ha­ben das Wirt­schafts­wachs­tum über den Po­ten­zi­al­pfad und den Dol­lar über sei­nen Gleich­ge­wichts­kurs ge­ho­ben», ar­gu­men­tiert At­ha­na­si­os Vam­va­ki­dis, De­vi­sen­stra­te­ge bei Bank of Ame­ri­ca ML. «2019 ge­schieht das Ge­gen­teil: Das US­Wachs­tum wird auf das Po­ten­zi­al und der Dol­lar auf das Gleich­ge­wichts­ni­veau zu­rück­keh­ren.»

Der Han­dels­streit und geo­po­li­ti­sche Ri­si­ken ha­ben den Dol­lar bis­lang ge­stützt. Dank der ho­hen Li­qui­di­tät und dem Zins­vor­teil blie­ben aus­län­di­sche In­ves­to­ren dem Dol­lar treu. Vie­le ver­kauf­ten ab Herbst zwar US­Ak­ti­en, leg­ten das Geld aber in US­Geld­markt­pa­pie­ren an. Auch hier ha­ben sich die Um­stän­de ver­än­dert. «Die Vo­la­ti­li­tät im Dol­lar­Yen­Wech­sel­kurs ist ge­stie­gen, und da­mit hat die um die Vo­la­ti­li­tät be­rei­nig­te Zins­dif­fe­renz­prä­mie von US­Geld­markt­an­la­gen ab­ge­nom­men», warnt Hans Re­de­ker von Mor­gan St­an­ley. Ja­pa­ni­sche An­le­ger wür­den sich nun ernst­haft über­le­gen, Po­si­tio­nen aus dem Dol­lar ab­zu­zie­hen. Da die USA we­gen ih­res Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zits von Ka­pi­tal aus dem Aus­land ab­hän­gen, muss sich dar­auf­hin der Dol­lar ab­schwä­chen.

Ex­per­ten hof­fen auf den Eu­ro

Es sei denn, die USA bau­en ih­ren Zins­vor­teil zum Rest der Welt aus. Al­ler­dings sind die Märk­te nicht mehr da­von über­zeugt. Die Re­al­zin­sen in den USA sei­en be­reits zu hoch, rech­net Re­de­ker vor. Das En­de der Leit­zins­er­hö­hun­gen zeich­net sich ab. Da­ge­gen be­ginnt in der Eu­ro­zo­ne die De­bat­te über die Zins­wen­de erst. Da­von wer­de der Eu­ro pro­fi­tie­ren, sind sich die meis­ten Ana­lys­ten ei­nig, auch ge­gen­über dem Fran­ken. Fünf der sie­ben be­frag­ten Ban­ken rech­nen da­mit, dass der Wech­sel­kurs in die­sem Jahr auf 1.17 bis 1.23 Fr./€ steigt ( Ta­bel­le 2). Ge­mäss UBS ge­nügt schon ei­ne mo­de­ra­te Wachs­tums­be­schleu­ni­gung im Eu­ro­raum, um den Eu­ro zu stüt­zen. Denn so­li­de Staats­fi­nan­zen und ei­ne sta­bi­le Aus­sen­bi­lanz bil­de­ten be­reits ein Fun­da­ment.

Nur UniCre­dit und Bar­clays sche­ren aus dem Kon­sens aus. Sie se­hen we­nig Raum für ei­ne Ab­wer­tung des Fran­kens. Denn die po­li­ti­schen Ri­si­ken in Eu­ro­pa blie­ben be­acht­lich. Kath­rin Go­retz­ki von UniCre­dit traut auch der Kon­junk­tur nicht: In Fol­ge des Ab­schwungs in Eu­ro­pa und den USA ha­be die Fran­ken­stär­ke Be­stand, zu­mal die Schweiz wirt­schaft­lich bes­ser ab­schnei­de. Go­retz­ki rech­net mit ei­nem schwa­chen Eu­ro. Mit­te 2019 durch­schrei­te er auf 1.08 $/€ resp. 1.08 Fr./€ das Tief und er­ho­le sich nur sehr lang­sam.

Bleibt der Br­ex­it. Er ist Eu­ro­pas gröss­tes Rät­sel. Seit De­zem­ber ist das Pfund von 1.31 auf 1.25 Fr./£ ge­sun­ken. Es dürf­te sich zu­nächst et­was er­ho­len, falls sich Lon­don mit Brüs­sel auf ein Aus­stiegs­ab­kom­men ei­nigt, ver­mu­ten die meis­ten Be­ob­ach­ter. Aber schon bald da­nach wen­de sich das Blatt er­neut, war­nen die Ex­per­ten von Bar­clays. Denn wie es im Han­del mit der EU tat­säch­lich wei­ter­ge­he, blei­be un­klar. Das brem­se Bri­tan­ni­ens Wirt­schaft und er­schwe­re Leit­zins­er­hö­hun­gen. Bar­clays pro­gnos­ti­ziert 1.28 Fr./£ für das En­de des Jah­res, das ge­ra­de erst be­gon­nen hat.

Letz­tes Jahr pro­fi­tier­te der Gre­en­back vom über­durch­schnitt­li­chen US-Wirt­schafts­wachs­tum. 2019 dürf­te das nicht mehr der Fall sein.

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