Kon­junk­tur un­ter Druck

Ei­ne Trend­wen­de ist nicht in Sicht: Auch im De­zem­ber ha­ben sich die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes ver­schlech­tert. Be­son­ders in den USA fällt der PMI deut­lich.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - FRANK HEINIGER

Die Aus­sich­ten für die Welt­wirt­schaft ha­ben sich wei­ter ver­schlech­tert. Der glo­ba­le Ein­kaufs­ma­na­ger­index der In­dus­trie, der seit April ste­tig im Sin­ken be­grif­fen ist, be­wegt sich in­zwi­schen auf dem nied­rigs­ten Stand seit Sep­tem­ber 2016. Ne­ga­tiv set­zen sich vor al­lem die USA in Sze­ne: Zwar notiert der PMI des ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­bes hier wei­ter­hin in Ex­pan­si­ons­ter­rain, doch hat er das stärks­te mo­nat­li­che Mi­nus seit 2008 er­lit­ten – Zei­chen da­für, dass die Wir­kung des prä­si­dia­len Steu­er­pa­kets ver­pufft.

Kei­ne Trend­wen­de ist der­weil in der Eu­ro­zo­ne zu er­ken­nen, wo die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes auf den nied­rigs­ten Wert seit An­fang 2016 ge­fal­len sind. Zu den we­ni­gen po­si­ti­ven Aus­nah­men auf dem eu­ro­päi­schen Kon­ti­nent ge­hört die Schweiz: Zwar hat die hel­ve­ti­sche In­dus­trie das ho­he Tem­po des Jah­res­be­ginns 2018 nicht hal­ten kön­nen, sich je­doch auf über­durch­schnitt­li­chem Ni­veau sta­bi­li­siert. We­nig Zu­ver­sicht ver­mit­teln der­weil die Schwel­len­län­der, al­len vor­an das Reich der Mit­te. So sind in Chi­na die of­fi­zi­el­len und die in­of­fi­zi­el­len Früh­in­di­ka­to­ren un­ter die Gren­ze von 50 ge­rutscht.

Die Welt­kon­junk­tur ver­ab­schie­det sich mit trü­ben Vor­zei­chen aus dem al­ten Jahr: Im De­zem­ber hat sich der glo­ba­le, nach der Wirt­schafts­leis­tung der ein­zel­nen Län­der ge­wich­te­te Ein­kaufs­ma­na­ger­index (Purcha­sing Ma­na­gers In­dex, PMI; vgl. Text­box) von 52 auf 51,5 er­mäs­sigt. Da­mit notiert er zwar wei­ter­hin über der Schwel­le von 50 – al­so in ex­pan­si­vem Ter­rain. Seit April ist der wich­ti­ge Früh­in­di­ka­tor nun al­ler­dings ste­tig im Sin­ken be­grif­fen und be­wegt sich in­zwi­schen auf dem nied­rigs­ten Stand seit Sep­tem­ber 2016. «Ein ent­täu­schen­der De­zem­ber kom­plet­tiert das Bild ei­nes schwa­chen Jah­res, in dem sich ein Fer­ti­gungs­boom fast zu ei­ner Sta­gna­ti­on ab­ge­kühlt hat», kom­men­tiert der Da­ten­dienst­leis­ter IHS Mar­kit die jüngs­te Er­he­bung.

Wie be­reits im Vor­mo­nat sind – ab­hän­gig von der Art der pro­du­zier­ten Gü­ter – deut­li­che Un­ter­schie­de zu er­ken­nen. Ge­mäss IHS Mar­kit konn­ten sich Un­ter­ neh­men aus der Kon­sum­ar­ti­kel­in­dus­trie re­la­tiv so­li­de hal­ten. Ge­sell­schaf­ten, die In­ves­ti­ti­ons­gü­ter fer­ti­gen, zei­gen sich da­ge­gen deut­lich pes­si­mis­ti­scher – wohl ein Si­gnal da­für, dass die In­ves­ti­ti­ons­be­reit­schaft an­ge­sichts der Ri­si­ken wie des glo­ba­len Han­dels­streits spür­bar ge­lit­ten hat.

Eu­ro­pa wei­ter­hin schwach

Kei­ne Trend­wen­de ist vor­erst in der Eu­ro­zo­ne zu er­ken­nen. So ist der PMI der Wäh­rungs­uni­on von 51,8 auf 51,4 ge­fal­len, was dem nied­rigs­ten Stand seit An­fang 2016 ent­spricht. Un­ter Druck ste­hen nach wie vor die zwei wich­ti­gen Wirt­schafts­mo­to­ren Deutsch­land und Frank­reich, de­ren Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes im De­zem­ber er­neut zu­rück­ge­gan­gen sind.

Wäh­rend die deut­sche In­dus­trie mit ei­nem PMI von 51,5 zu­min­dest noch über 50 ver­harrt, ist das fran­zö­si­sche Pen­dant un­ter die­se Schwel­le ge­rutscht. Ne­ben struk­tu­rel­len Her­aus­for­de­run­gen wird Frank­reich wei­ter­hin von po­li­ti­schen Que­re­len und Streiks be­las­tet. Zwar hat sich die Zahl der De­mons­tran­ten über die letz­ten Wo­chen ten­den­zi­ell ver­rin­gert. Die Gelb­wes­ten­Be­we­gung könn­te im Nach­gang der Weih­nachts­ta­ge nun aber wie­der an Stär­ke ge­win­nen.

Zu den we­ni­gen Licht­bli­cken auf dem eu­ro­päi­schen Kon­ti­nent zählt – ne­ben den Nie­der­lan­den – die Schweiz. Der Ein­kaufs­ma­na­ger­index leg­te im De­zem­ber ge­gen­über dem Vor­mo­nat leicht zu, von 57,7 auf 57,8. Wie Cre­dit Suis­se (CS) kom­men­tiert, hat die hel­ve­ti­sche In­dus­trie da­mit zwar nicht das ho­he Tem­po des Jah­res­be­ginns 2018 hal­ten kön­nen. Der PMI ha­be sich seit Ok­to­ber je­doch auf über­durch­schnitt­li­chem Ni­veau sta­bi­li­siert.

Die Dif­fe­renz zur Eu­ro­zo­ne er­klär­ten die CS­Ana­lys­ten be­reits letz­ten Mo­nat mit meh­re­ren Fak­to­ren. Un­ter an­de­rem kämpf­ten die Nach­bar­staa­ten al­le­samt mit spe­zi­fi­schen Pro­ble­men. Auch ern­te die Schwei­zer In­dus­trie die Früch­te der Mass­nah­men, die sie nach der ab­rup­ten Fran­ken­auf­wer­tung 2015 er­grif­fen hat­te.

Ein zwie­späl­ti­ges Bild gibt der­weil Ita­li­en ab. Zwar hat sich der Ein­kaufs­ma­na­ger­index von 48,6 auf 49,2 er­höht. Da­mit ver­bleibt er al­ler­dings in Kon­trak­ti­ons­ter­rain. Trotz der jüngs­ten Ei­ni­gung im Bud­get­streit mit der EU be­fin­det sich Ita­li­en des­halb im­mer noch in Ge­fahr, in ei­ne Re­zes­si­on ab­zu­rut­schen, was ge­mein­hin als zwei Quar­ta­le in Fol­ge mit sin­ken­dem Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) de­fi­niert wird. Im drit­ten Quar­tal 2018 hat die Bin­nen­kon­junk­tur be­reits um 0,1% kon­tra­hiert.

USA auf Bo­den der Tat­sa­chen

Auch das durch die Steu­er­re­form be­güns­tig­te «Kon­junk­tur­wun­der» USA scheint auf den Bo­den der Tat­sa­chen zu­rück­zu­keh­ren. Der vom In­sti­tu­te for Supp­ly Ma­nage­ment er­ho­be­ne In­dex ist im De­zem­ber von 59,3 auf 54,1 ab­ge­schmiert. Das ent­spricht der stärks­ten ne­ga­ti­ven Mo­nats­ver­än­de­rung seit 2008.

Noch im No­vem­ber konn­te das Reich der Mit­te ei­ne Ein­trü­bung der Kon­junk­ tur­aus­sich­ten ver­hin­dern. In­zwi­schen sind nun auch die chi­ne­si­schen Früh­in­di­ka­to­ren un­ter die Gren­ze von 50 ge­fal­len. Der in­of­fi­zi­el­le, von der Me­di­en­grup­pe Cai­xin und Mar­kit er­mit­tel­te PMI, der auch klei­ne­re Pri­vat­ge­sell­schaf­ten ein­be­zieht, schwäch­te sich von 50,2 auf 49,7 ab. Der of­fi­zi­el­le Ein­kaufs­ma­na­ger­index, der sich auf grosse, meist staat­li­che Un­ter­neh­men stützt, fiel der­weil von 50 auf 49,4.

Auch in den meis­ten an­de­ren Schwel­len­län­dern ha­ben sich die Aus­sich­ten wei­ter ver­düs­tert. Nach ei­nem er­freu­li­chen Vor­mo­nat sank der rus­si­sche PMI von 52,6 auf 51,7. Auch In­di­en ist mit ei­nem Rück­gang von 54 auf 53,2 wie­der nä­her an die Kon­trak­ti­ons­gren­ze ge­rutscht.

Der­weil kann sich zu­min­dest Brasilien mit ei­nem PMI­Rück­gang von 0,1 Punk­ten auf 52,6 aus dem Gröbs­ten her­aus­hal­ten. Die Stim­mung dürf­te vom Amts­an­tritt Jair Bol­so­na­ros ge­stützt wer­den, der per Jah­res­be­ginn das Prä­si­den­ten­amt an­ge­tre­ten hat und von dem markt­freund­li­che Re­for­men aus­ge­hen soll­ten.

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