Va­ku­um bei der UBS

13 Kon­zern­lei­tungs­mit­glie­der und kein Nach­fol­ger für Er­mot­ti.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MO­NI­CA HEGGLIN UND RUE­DI KEL­LER

Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Axel We­ber will zehn Jah­re an der Spit­ze der UBS blei­ben. Doch zwei Jah­re vor dem Ziel muss er sich nun be­ei­len, ei­nen Nach­fol­ger für Kon­zern­chef Ser­gio Er­mot­ti auf­zu­bau­en.

Der Ab­gang von In­vest­ment­ban­kChef Andrea Or­cel im Herbst leg­te of­fen, wie dünn die Per­so­nal­aus­wahl auf obers­ter Füh­rungs­ebe­ne der UBS ist – trotz oder we­gen Dop­pel­be­set­zun­gen an der Spit­ze der Di­vi­sio­nen We­alth Ma­nage­ment und In­vest­ment­bank.

Nun ho­len die Bank Ge­rüch­te ein über die Su­che nach ex­ter­nen Kräf­ten. Kon­kret kur­siert der Na­me Chris­ti­an Meiss­ner. Er lei­te­te bis vor kur­zem die In­vest­ment­bank der Bank of Ame­ri­ca. Ver­schie­de­ne Ken­ner der Vor­gän­ge hal­ten es aber für un­wahr­schein­lich, dass der 49-jäh­ri­ge Ös­ter­rei­cher Er­mot­ti an der ope­ra­ti­ven Spit­ze ab­lö­sen wird. Er sein nicht der rich­ti­ge Mann. Es muss ei­ne Per­son ge­fun­den wer­den, die ge­gen in­nen und ge­gen aus­sen glaub­haft ver­kör­pert, dass sie die star­ke Ver­mö­gens­ver­wal­tung der UBS wei­ter ent­wi­ckeln kann.

Un­aus­weich­lich, aber nicht un­mit­tel­bar be­vor­ste­hend: Das gilt für die Wech­sel an der Spit­ze der UBS, so­wohl für die Nach­fol­ge von CEO Ser­gio Er­mot­ti als auch von Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Axel We­ber.

«Der CEO und ich sind im ach­ten Jahr bei der Bank», sag­te We­ber am Mon­tag dem Fern­seh­sen­der Bloom­berg. «Es ist Zeit, dar­über nach­zu­den­ken, was zu tun ist, und wie man die Bank an Nach­fol­ger über­ge­ben will.» Er spre­che da­bei be­wusst im Plu­ral, sag­te We­ber, be­ton­te aber, dass nichts un­mit­tel­bar be­vor­ste­he: «Die Dis­kus­sio­nen be­fin­den sich in ei­ner sehr frü­hen Pha­se.»

Aus­lö­ser für die Nach­fol­ge­dis­kus­sio­nen war der Ab­gang von Andrea Or­cel, be­rich­tet ei­ne Per­son, die in re­gel­mäs­si­gem Kon­takt mit der UBS-Füh­rung steht. Der Ab­gang des Chefs der UBS-In­vest­ment­bank ha­be dem Ver­wal­tungs­rat dras­tisch vor Au­gen ge­führt, wie dünn die Pi­pe­line in­ter­ner Nach­fol­ger ist. Or­cel galt lan­ge als Kron­fa­vo­rit, und er hat­te die Am­bi­ti­on, einst die Nach­fol­ge von Er­mot­ti an­zu­tre­ten. Doch im Herbst ver­liess der In­vest­ment­ban­kchef die UBS über­ra­schend, um CEO der spa­ni­schen Gross­bank Santan­der zu wer­den – ein Weck­ruf für Er­mot­ti und den No­mi­na­ti­ons­aus­schuss des Ver­wal­tungs­rats.

Ers­te Na­men kur­sie­ren

In der Neu­jahrs­wo­che wur­de in den Me­di­en breit über die Nach­fol­ge von Er­mot­ti und von We­ber spe­ku­liert. Bloom­berg be­rich­te­te, der UBS-Ver­wal­tungs­rat hät­te die Ak­ti­vi­tä­ten er­höht, ei­nen Nach­fol­ger für Ser­gio Er­mot­ti zu fin­den. Da­bei sei das Ge­spräch mit po­ten­zi­el­len ex­ter­nen Kan­di­da­ten ge­sucht wor­den, na­ment­lich mit Chris­ti­an Meiss­ner. Der Ös­ter­rei­cher ist zehn Jah­re jün­ger als Er­mot­ti und hat­te vor Weih­nach­ten sei­nen Job als Chef der In­vest­ment­bank der Bank of Ame­ri­ca auf­ge­ge­ben.

Per­so­nen, die Meiss­ner per­sön­lich ken­nen, so­wie Stim­men von in­ner­halb der UBS be­zwei­feln im Ge­spräch mit FuW, dass der In­vest­ment Ban­ker und M&A-Be­ra­ter der pas­sen­de Mann für den CEO- Pos­ten der UBS wä­re: Die Zu­kunft der UBS liegt in der Ver­mö­gens­ver­wal­tung. In die­sem Be­reich ist UBS die glo­ba­le Markt­füh­re­rin. Im In­vest­ment Ban­king bie­tet sie zwar eben­falls um­fas­sen­de Di­enst­leis­tun­gen an, liegt in die­sem Ge­schäft je­doch in­ter­na­tio­nal mei­len­weit hin­ter den USGross­ban­ken.

Ge­sucht: In­vest­ment Ban­ker

Zwei In­vest­ment Ban­ker von aus­ser­halb der UBS se­hen in der Dop­pel­füh­rung (vgl. Gra­fik), die die UBS nach dem Ab­gang von Or­cel auch in der In­vest­ment Bank in­stal­liert hat, ei­ne Schwach­stel­le. Sie ver­mu­ten, dass der an­geb­li­che Kon­takt zu Meiss­ner in die­sem Zu­sam­men­hang ge­se­hen wer­den muss: ei­nen neu­en star­ken Mann für die In­vest­ment­bank zu fin­den. Ge­sprä­che mit wei­te­ren Per­so­nen deu­ten je­doch dar­auf hin, dass Meiss­ner über­haupt nicht zu UBS stos­sen wird – we­der als CEO noch als Kopf für die In­vest­ment­bank. Zu mög­li­chen Kon­tak­ten mit Meiss­ner woll­te sich ein UBS-Spre­cher nicht äus­sern.

Ei­nig sind sich die Ge­sprächs­part­ner der FuW je­doch da­rin, dass die Ab­lö­sung von CEO Er­mot­ti – auch wenn sie nicht un­mit­tel­bar be­vor­steht – vor dem Rück­tritt von Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent We­ber er­fol­gen dürf­te. We­ber hat die Am­bi­ti­on, bis 2022 im Amt zu blei­ben. Und zwei­fel­los will (und soll­te) er bis da­hin die Nach­fol­ge der ope­ra­ti­ven Füh­rungs­spit­ze der UBS ge­re­gelt ha­ben.

Ob das be­ste­hen­de Per­so­nal der UBS da­für taugt, ist zwei­fel­haft: Die bei­den CoPrä­si­den­ten der Ver­mö­gens­ver­wal­tung, Tom Na­ra­til und Mar­tin Bles­sing, de­nen Am­bi­tio­nen auf den Pos­ten nach­ge­sagt wer­den, sind fast so alt wie Er­mot­ti. Der star­ken Frau der UBS, COO Sa­bi­ne Kel­lerBus­se, fehlt es an Fron­ter­fah­rung.

Es könn­te sich als not­wen­dig er­wei­sen, die In­vest­ment­bank in neue Hän­de zu über­ge­ben, und zwar an ei­ne ein­zi­ge Per­son, die die Kon­trol­le die­ses Ge­schäfts si­cher­stellt. So wür­de Spiel­raum zur Be­set­zung des CEO-Pos­tens ge­schaf­fen. Das wür­de es er­lau­ben, statt ei­nes All­roun­ders ei­nen CEO zu be­stim­men, der sich voll auf die Ver­mö­gens­ver­wal­tung kon­zen­trie­ren kann. Sie bil­det den Kern der UBS-Stra­te­gie, und in ihr liegt die Zu­kunft der Bank.

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