Fa­vo­ri­ten aus fünf Sek­to­ren

SCHWEIZ In je­dem Sek­tor gibt es Un­ter­neh­men, die sich von ih­ren Bran­chen­nach­barn po­si­tiv ab­he­ben. Das kön­nen In­ves­to­ren für sich nut­zen.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - RUPEN BOYADJIAN

Qua­li­tät ist ent­schei­dend. Be­son­ders in ei­nem un­si­che­ren Um­feld, wie es zur­zeit herrscht. Sie ist nicht nur in den de­fen­si­ven Ak­ti­en der Phar­ma- und der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie zu fin­den. Auch im Fi­nanz-, im In­dus­trie und Tech­no­lo­gie­sek­tor gibt es hoch­pro­fi­ta­ble Schwei­zer Un­ter­neh­men mit in­tak­ten Wachs­tums­aus­sich­ten. «Fi­nanz und Wirt­schaft» hat Ana­lys­ten und Fonds­ma­na­ger zu ih­ren Fa­vo­ri­ten aus fünf Sek­to­ren be­fragt. Ne­ben den gros­sen drei – Ro­che, No­var­tis und Nest­lé – bie­ten klei­ne­re Un­ter­neh­men wie Sieg­fried, Ori­or, Part­ners Group, Ge­org Fi­scher, Dät­wy­ler oder Lo­gi­tech An­le­gern at­trak­ti­ve Chan­cen.

Das vo­la­ti­le Bör­sen­um­feld for­dert In­ves­to­ren. Auf wel­che Ak­ti­en sol­len sie set­zen? «Fi­nanz und Wirt­schaft» hat Ana­lys­ten und Fonds­ma­na­ger ge­fragt, wel­ches ih­re Fa­vo­ri­ten in den Sek­to­ren Ge­sund­heit, Kon­sum, Fi­nanz­we­sen, In­dus­trie und Tech­no­lo­gie sind. Ins­ge­samt ste­hen de­fen­si­ve Ti­tel hö­her in der Gunst. Ei­ni­ge Ex­per­ten or­ten mehr Chan­cen in zy­kli­sche­ren Bran­chen, wo die Ak­ti­en­kur­se meist deut­lich kor­ri­giert ha­ben.

Im Ge­sund­heits­sek­tor fa­vo­ri­siert Bir­git Kul­hoff, Ana­lys­tin bei Rahn+Bod­mer, die Pa­pie­re von Ro­che und Sieg­fried. «Ro­che wird im­mer noch un­ter­schätzt», sagt sie zur Be­grün­dung. Der Markt glau­be noch nicht, dass das Un­ter­neh­men durch den Ablauf von Pa­ten­ten hin­durch wei­ter wach­sen kön­ne. Da­bei sei es auf bes­tem Weg da­zu, wie der Er­folg der jüngst ein­ge­führ­ten Pro­duk­te Ocrevus, Hem­li­bra und Per­je­ta ge­zeigt ha­be.

Sieg­fried sei gut po­si­tio­niert als Zu­lie­fe­rer, er­klärt Kul­hoff wei­ter. «Da­durch ent­ste­hen lang­fris­tig ab­schätz­ba­re, sta­bi­le Cash­flows.» In ei­nem un­si­che­ren Um­feld sei das be­son­ders wert­voll.

Phar­ma und Nah­rungs­mit­tel

No­var­tis und Lon­za emp­fiehlt hin­ge­gen Phil­ipp Li­en­hardt von Ju­li­us Bär. «Bei No­var­tis über­zeu­gen kürz­lich ein­ge­führ­te Me­di­ka­men­te, die Pi­pe­line­Ri­si­ken sind weit­ge­hend ab­ge­baut», be­grün­det er sei­ne Wahl. Die bran­chen­füh­ren­de Lon­za pro­fi­tie­re von meh­re­ren po­si­ti­ven Markt­dy­na­mi­ken. Auf den Phar­ma­zu­lie­fe­rer setzt auch Elea­nor Tay­lor Joli­don, Co­Lei­te­rin Ak­ti­en Schweiz und Glo­bal bei der Uni­on Ban­cai­re Pri­vée (UBP). Die er­folg­rei­che In­te­gra­ti­on von Cap­su­gel bie­te neue Mög­lich­kei­ten für Wachs­tum, wäh­rend die Ve­räus­se­rung des Ge­schäfts­be­reichs Was­ser die Zykli­zi­tät des Un­ter­neh­mens re­du­zie­re, ar­gu­men­tiert sie.

Pa­trik Schwen­di­mann, bei der ZKB auf den Kon­sum­sek­tor spe­zia­li­siert, zielt in ers­ter Li­nie auf de­fen­si­ve Nah­rungs­mit­tel­ her­stel­ler. Ei­ner sei­ner Fa­vo­ri­ten ist das Schwer­ge­wicht Nest­lé (vgl. Kas­ten un­ten), das auch Li­en­hardt auf sei­ner Kauf­lis­te führt. Der Blue Chip soll­te sich bes­ser als der Ge­samt­markt hal­ten, glaubt Schwen­di­mann. Sehr in­ter­es­sant fin­det er die auf Con­ve­ni­en­ce­food und Fleisch­pro­duk­te spe­zia­li­sier­te Ori­or. Sie bie­te ei­ne «po­si­ti­ve An­la­ge­sto­ry, die noch nicht vor­über ist». Das Un­ter­neh­men, für das sich noch vor we­ni­gen Jah­ren kaum je­mand in­ter­es­siert ha­be, sei nun auf den Ra­dar der In­ves­to­ren ge­ra­ten.

Schwen­di­mann sieht als «pro­mi­nen­te Aus­nah­me» von der grund­sätz­lich de­fen­si­ven Aus­rich­tung aber Chan­cen im zy­kli­schen Uh­ren­ und Schmuck­kon­zern Ri­che­mont: «Hier er­war­te ich nach dem star­ken Kur­szer­fall ei­ne Er­ho­lung.»

Chan­cen in Zy­kli­kern

Die Bran­chen­nach­ba­rin Swatch Group ge­fällt Mar­tin Leh­mann, CEO bei 3V As­set Ma­nage­ment, bes­ser. Sie gel­te als ei­ner der Haupt­ver­lie­rer des Han­dels­kriegs zwi­schen den USA und Chi­na. Ope­ra­tiv sei das ers­te Halb­jahr aber er­freu­lich ver­lau­fen. «Zu­dem dürf­te Swatch Group die Mar­gen wei­ter ver­bes­sern, und bei ei­ner Lö­sung des Han­dels­kon­flikts soll­te die Ak­tie stark zu­le­gen», pro­gnos­ti­ziert er.

Der Fonds­ma­na­ger setzt im Ge­gen­satz zu sei­nen Kol­le­gen stark auf Ak­ti­en von In­dus­trie­ und Tech­no­lo­gie­kon­zer­nen, die aus sei­ner Sicht zu Un­recht un­ter die Rä­der ge­kom­men sind, et­wa Ge­org Fi­scher. Die­se sei heu­te viel we­ni­ger zy­klisch als noch vor ein paar Jah­ren. An Dät­wy­ler über­zeugt Leh­man die «hoch­er­freu­li­che» Ent­wick­lung bei Sea­ling So­lu­ti­ons. Er sieht auch Kurs­fan­ta­sie bei ei­nem Ver­kauf der Spar­te Tech­ni­cal Com­po­n­ents. Bei Lo­gi­tech sei es ope­ra­tiv nur schwer er­klär­bar, wes­halb die Ak­tie wie an­de­re Tech­Ti­tel ab­ge­straft wor­den sei.

In der Fi­nanz­bran­che feh­len die im ver­gan­ge­nen Jahr arg ge­beu­tel­ten Bank­ va­lo­ren auf den Fa­vo­ri­ten­lis­ten der an­ge­frag­ten Ex­per­ten. Elea­nor Tay­lor Joli­don von UBP fin­det die In­vest­ment­ge­sell­schaft Part­ners Group we­gen ih­rer ho­hen und sta­bi­len Ka­pi­tal­ren­di­te in­ter­es­sant. Li­en­hardt fa­vo­ri­siert im Fi­nanz­sek­tor die Ver­si­che­rer Swiss Li­fe und Hel­ve­tia. Er streicht ih­re sta­bi­len Mar­gen und die so­li­den Bilanzen her­aus.

Un­ter­neh­men, die stär­ker als ih­re Kon­kur­ren­ten po­si­tio­niert sind, soll­ten sich in ei­nem sich ein­trü­ben­den Markt­um­feld auch bes­ser be­haup­ten kön­nen. Und ei­ne spä­te­re Auf­hel­lung des Um­felds ver­spricht mehr Auf­wind für die Ge­sell­schaf­ten und ih­re In­ves­to­ren.

Der Phar­ma­zu­lie­fe­rer Lon­za baut das Ge­schäft um, re­du­ziert die Zykli­zi­tät und pro­fi­tiert von Markt­trends.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.