Re­zes­si­ons­ängs­te in Deutsch­land

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - KUE

Nach­dem in Deutsch­land schwa­che Zah­len zur In­dus­trie­pro­duk­ti­on für den No­vem­ber ver­öf­fent­licht wor­den sind, rech­nen Volks­wir­te da­mit, dass die Wirt­schaft des Nach­bar­lan­des auch im Schluss­quar­tal 2018 ge­schrumpft sein könn­te. «Selbst wenn im De­zem­ber ei­ne Er­ho­lung der Pro­duk­ti­on an­ge­nom­men wird, wä­re dies mit ei­nem wei­te­ren Rück­gang des Brut­to­in­land­pro­dukts im vier­ten Quar­tal ver­ein­bar», schrieb zum Bei­spiel Dirk Schu­ma­cher, Volks­wirt bei der fran­zö­si­schen In­vest­ment­bank Na­ti­xis in Frank­furt.

Nach ei­ner gän­gi­gen Faust­re­gel un­ter Öko­no­men gel­ten zwei Quar­ta­le hin­ter­ein­an­der mit schrump­fen­der Wirt­schafts­leis­tung als Re­zes­si­on. In den Som­mer­mo­na­ten war das Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) in Deutsch­land be­reits ge­sun­ken – was vor al­lem auf die Zu­las­sungs­pro­ble­me der Au­to­in­dus­trie zu­rück­ging, die sich an neue Stan­dards an­pas­sen muss­te. Volks­wir­te hat­ten ei­gent­lich er­war­tet, dass die deut­sche Volks­wirt­schaft sich En­de 2018 wie­der er­ho­len soll­te.

Doch selbst wenn sie un­recht be­hal­ten, müs­sen zwei Quar­ta­le sin­ken­der Wirt­schafts­leis­tung noch kei­ne Wirt­schafts­kri­se be­deu­ten. Wenn die Un­ter­neh­men wei­ter­hin Leu­te ein­stel­len und die Wirt­schaft schnell wie­der auf den Wachs­tums­pfad zu­rück­kehrt, spre­chen Öko­no­men ger­ne von ei­ner tech­ni­schen Re­zes­si­on.

Genau auf das ge­stie­ge­ne Ri­si­ko ei­ner tech­ni­schen Re­zes­si­on mach­te Cars­ten Br­ze­ski, Chef­volks­wirt für Deutsch­land bei der ING, auf­merk­sam. Am 15. Ja­nu­ar wird das Sta­tis­tik­amt De­sta­tis sei­ne Schät­zung für das Ge­samt­jahr 2018 ver­öf­fent­li­chen und da­bei of­fen­le­gen, wie schnell die Wirt­schaft im Schluss­quar­tal ge­wach­sen ist.

Die In­dus­trie­pro­duk­ti­on ist im No­vem­ber 2018 um 1,8 % ge­gen­über dem Vor­mo­nat ge­sun­ken, hat­te De­sta­tis am Di­ens­tag mit­ge­teilt. Die Schwä­che war da­bei breit ge­streut. In­ner­halb des ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­bes nahm die Pro­duk­ti­on von In­ves­ti­ti­ons­gü­tern um 1,8 % und die von Vor­leis­tungs­gü­tern um 1% ab. Am stärks­ten war die Her­stel­lung von Kon­sum­gü­tern be­trof­fen, die um 4,1 % zu­rück­ging. Zu­vor hat­ten die Auf­trags­ein­gän­ge be­reits ge­zeigt, dass so schnell kei­ne Wen­de zu er­war­ten sein wird. Be­son­ders stark wa­ren die Neu­be­stel­lun­gen im No­vem­ber aus der Eu­ro­zo­ne zu­rück­ge­gan­gen.

Volks­wir­te blei­ben op­ti­mis­tisch: So ver­weist ING-Öko­nom Br­ze­ski dar­auf, dass die Auf­trags­bü­cher gleich­wohl noch gut ge­füllt sind. Vie­le Un­ter­neh­men ar­bei­ten an der Ka­pa­zi­täts­gren­ze. Dirk Schu­ma­cher von Na­ti­xis ver­weist auf den ro­bus­ten Bau, den Ein­zel­han­del und den Ar­beits­markt: «Dies soll­ten die Schwä­che aus­glei­chen, die aus dem Aus­land kommt», schreibt der Volks­wirt wei­ter.

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