Test für US-Ak­ti­en

Kom­men­de Wo­che be­ginnt an Wall­s­treet die Sai­son der Un­ter­neh­mens­ab­schlüs­se. Damit wird sich auch zei­gen, wie es um die Aus­sich­ten für 2019 steht.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - CHRIS­TOPH GISIGER,

Kaum hat sich die Bör­se et­was er­holt, steht in den USA mit den Quar­tals­zah­len die nächste Be­las­tungs­pro­be an. Ent­schei­dend ist, was die Kon­zer­ne zum Aus­blick sa­gen, wird sich das Ge­winn­wachs­tum 2019 doch deut­lich ver­lang­sa­men.

An den Fi­nanz­märk­ten keimt Hoff­nung. Das gilt spe­zi­ell für die Welt­leit­bör­sen in den USA, wo sich die La­ge nach dem schwers­ten Kurs­be­ben seit Jah­ren et­was be­ru­higt hat. Der Leit­in­dex S&P 500 blickt auf ei­ne Wo­che mit statt­li­chen Avan­cen zu­rück und hat seit dem Tief von En­de 2018 über 10% gut­ge­macht. Auf In­ves­to­ren kommt je­doch be­reits die nächste Her­aus­for­de­rung zu: Nach­dem Cor­po­ra­te Ame­ri­ca letz­tes Jahr ei­nen kräf­ti­gen Ge­winn­schub er­fah­ren hat, wird sich die­ser Trend 2019 ab­schwä­chen. Um­so mehr Be­deu­tung hat die Sai­son der Un­ter­neh­mens­ab­schlüs­se, die kom­men­de Wo­che be­ginnt.

«Die Ge­winn­pro­gno­sen zum vier­ten Quar­tal mu­ten zwar er­neut er­freu­lich an. Das ist je­doch die letz­te Be­richts­pe­ri­ode, in der die Steu­er­kür­zun­gen die Er­geb­nis­ent­wick­lung mas­siv be­güns­tigt ha­ben», warnt Jim Bi­an­co vom An­la­ge­be­ra­ter Bi­an­co Re­se­arch. «Es be­steht da­her An­lass zu Be­sorg­nis, wenn sich die Ana­lys­ten nun auf das lau­fen­de Jahr kon­zen­trie­ren.»

Wachs­tum schwächt sich ab

Wall­s­treet er­war­tet, dass die 500 gröss­ten US­Kon­zer­ne den Ge­winn im Schluss­quar­tal knapp 11% ver­bes­sern konn­ten. Das ist über­aus re­spek­ta­bel, auch wenn in den ers­ten drei Quar­ta­len des letz­ten Jah­res je­weils ein Plus von rund 25% re­sul­tiert hat­te. Dass der Zu­wachs die­ses Mal ge­rin­ger aus­fal­le, lie­ge pri­mär dar­an, dass die Ver­gleichs­ba­sis an­spruchs­vol­ler sei als bis­her, be­rich­tet John But­ters vom Da­ten­dienst Fac­tSet. Denn die Kon­zern­ge­win­ne wa­ren im vier­ten Quar­tal 2017 be­reits rund 15% ge­stie­gen. Be­rück­sich­ti­ge man zu­dem, dass Ana­lys­ten die Pro­gno­sen meist zu tief an­set­zen, dürf­te de fac­to ein Ge­winn­plus von rund 16% re­sul­tie­ren, denkt But­ters.

Den Auf­takt zur Be­richts­sai­son ge­ben die Gross­ban­ken. Ci­ti­group legt die Zah­len am Mon­tag vor, wor­auf am Di­ens­tag mit JPMor­gan Cha­se und Wells Far­go zwei wei­te­re Ko­los­se fol­gen. Im spä­te­ren Ver­lauf der Wo­che sind dann Bank of Ame­ri­ca, Gold­man Sachs, Mor­gan St­an­ley und BlackRock am Zug (vgl. Text rechts).

Aus­ser­halb des Fi­nanz­sek­tors wer­den zu­dem die Re­sul­ta­te des Kran­ken­ver­si­che­rers Uni­te­dHe­alth und des In­dus­trie­zu­lie­fe­rers Fas­ten­al in­ter­es­sie­ren. Für Auf­merk­sam­keit dürf­te eben­so der On­line­Vi­deo­dienst Net­flix am Don­ners­tag sor­gen, schla­gen sei­ne Ti­tel nach der Er­geb­nis­pu­bli­ka­ti­on doch oft hef­tig aus.

«Die Re­sul­ta­te zum vier­ten Quar­tal sind wich­tig. Der ent­schei­den­de Test ist je­doch, wie es um den Aus­blick für 2019 steht», meint Tobias Lev­ko­vich, Chef­stra­te­ge für US­Ak­ti­en bei Ci­ti­group. «Ers­te An­halts­punk­te deu­ten dar­auf hin, dass die Un­ter­neh­men ih­re Pro­gno­sen ver­mehrt sen­ken wer­den.»

Noch dreht die US­Wirt­schaft auf ho­hen Tou­ren. Die Zu­ver­sicht un­ter Kon­su­men­ten und Un­ter­neh­men nimmt aber ab. Die chao­ti­sche Si­tua­ti­on in Washington und an­ge­spann­te Han­dels­be­zie­hun­gen zu Chi­na sind Be­las­tungs­fak­to­ren. Er­schwe­rend hin­zu kommt, dass sich die Kon­junk­tur im Rest der Welt ab­kühlt. Be­son­ders ge­for­dert sind damit Ge­sell­schaf­ten aus Sek­to­ren wie IT, Werk­stof­fe und In­dus­trie, die ei­nen ho­hen Um­satz­an­teil im Aus­land er­wirt­schaf­ten.

Ers­te Warn­si­gna­le leuch­ten be­reits auf. Das neu­es­te Bei­spiel ist das Kaufhaus Ma­cy’s, des­sen Ti­tel die­se Wo­che nach ei­ner Ge­winn­war­nung fast 18% ein­ge­bro­chen sind. Für Ve­r­un­si­che­rung hat zu Jah­res­be­ginn eben­falls App­les Re­duk­ti­on der Um­satz­pro­gno­se ge­sorgt. Auch an­de­re Kon­zer­ne wie die Chip­schmie­de Mi­cron Tech­no­lo­gy, Fe­dEx, Del­ta Air Li­nes und Ame­ri­can Air­lines ha­ben in den ver­gan­ge­nen Ta­gen mit ei­nem ab­ge­dämpf­ten Ge­schäfts­aus­blick ent­täuscht.

Die Er­war­tun­gen ha­ben sich da­durch wei­ter ge­schmä­lert. Schätz­ten Ana­lys­ten An­fang Ok­to­ber, dass die Kon­zer­ne im S&P 500 den Ge­winn 2019 fast 12% stei­gern, sind es jetzt gut 7%. Die Kern­fra­ge ist, ob das noch im­mer zu op­ti­mis­tisch ist. Für die ers­ten drei Quar­ta­le wird zwar nur noch ei­ne Zu­nah­me von je rund 3 bis 4% pro­gnos­ti­ziert. Mit ei­nem 12%­Plus für das vier­te Quar­tal blei­ben die Ana­lys­ten je­doch über­ra­schend zu­ver­sicht­lich.

Schwie­ri­ge Ver­gleichs­ba­sis

«Der Ver­gleich mit den Zah­len von 2018 wird an­for­de­rungs­reich, zu­mal die Er­geb­nis­se letz­tes Jahr durch das Steu­er­pa­ket, Re­kord­ge­winn­mar­gen und über­durch­schnitt­li­ches Um­satz­wachs­tum be­güns­tigt wor­den sind», meint auch der Ak­ti­en­stra­te­ge EdYar­de­ni. Er denkt des­halb, dass sich die Ge­winn­ex­pan­si­on die­ses Jahr im tie­fen und nicht im obe­ren ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich be­we­gen wird.

Am aus­ge­präg­tes­ten dürf­te sich das Wachs­tum in der Ener­gie­bran­che ab­schwä­chen. Der Grund ist der nied­ri­ge­re Öl­preis. Ein sub­stan­zi­el­ler Rück­gang wird eben­so in den Be­rei­chen Werk­stof­fe und Finanzen er­war­tet. We­ni­ger stark dürf­te sich die Ver­lang­sa­mung in de­fen­si­ven Sek­to­ren wie Ba­sis­kon­sum und Ver­sor­ger be­merk­bar ma­chen. Das spricht für Qua­li­täts­ti­tel mit feu­da­ler Di­vi­den­de wie Co­caCo­la, Proc­ter & Gam­ble oder Sou­thern Co.

Ob die Bör­sen das Gröbs­te hin­ter sich ha­ben, lässt sich dem­nach schwie­rig ab­schät­zen. Auf den ers­ten Blick er­schei­nen US­Ak­ti­en nach der Kor­rek­tur we­ni­ger hoch be­wer­tet. Auf Ba­sis der Schät­zun­gen für die nächs­ten zwölf Mo­na­te be­lief sich das Kurs­Ge­winn­Ver­hält­nis für den S&P 500 im Herbst auf 17. Heu­te be­trägt es 14, was un­ter dem his­to­ri­schen Mit­tel liegt. Trü­ben sich die Ge­winn­aus­sich­ten im Lauf der nächs­ten Mo­na­te je­doch wei­ter ein, ist das ak­tu­el­le Be­wer­tungs­ni­veau nach wie vor an­spruchs­voll. Mit den Re­sul­ta­ten der Gross­ban­ken er­war­tet In­ves­to­ren gleich zu Be­ginn der Be­richts­sai­son ei­ne Ner­ven­pro­be. Ak­ti­en aus dem Fi­nanz­sek­tor sind er­heb­lich un­ter Druck ge­kom­men.

Das Bran­chen­ba­ro­me­ter KBW Nas­daq Bank In­dex hat seit Mit­te 2018 rund 15% ver­lo­ren, wo­ge­gen der Ge­samt­markt 7% im Mi­nus no­tiert.

In den nächs­ten Ta­gen wird sich her­aus­stel­len, zu wel­chem Grad schlech­te Nach­rich­ten be­reits ein­ge­preist sind.

Den An­fang macht am Mon­tag Ci­ti­group. Da der Kon­zern in­ter­na­tio­nal am stärks­ten ex­po­niert ist, wird vor al­lem in­ter­es­sant, was CEO Micha­el Cor­bat zur Ver­fas­sung der Welt­wirt­schaft sagt. Ana­lys­ten er­war­ten ei­nen Quar­tals­ge­winn von an­nä­hernd 3,8 Mrd. $ oder 1.56 $ pro Ak­tie. Wie bei den meis­ten Gross­ban­ken dürf­ten Son­der­ef­fek­te das Bild je­doch ver­zer­ren.

Fi­nanz­rie­sen wie Ci­ti­group, JPMor­gan Cha­se und Bank of Ame­ri­ca ge­hö­ren zu den gröss­ten Pro­fi­teu­ren der Steu­er­re­form. Den­noch sind ih­re Ab­schlüs­se in den ver­gan­ge­nen Quar­ta­len auf we­nig Be­geis­te­rung ge­stos­sen. Das hat mit durch­wach­se­nen Re­sul­ta­ten im ope­ra­ti­ven Ge­schäft zu tun.

Spe­zi­ell im wich­ti­gen Han­del mit An­lei­hen, Wäh­run­gen und Roh­stof­fen (FICC) ha­ben die meis­ten In­sti­tu­te be­schei­de­ne Er­geb­nis­se rap­por­tiert.

Auch für das vier­te Quar­tal sind die Er­war­tun­gen ge­dämpft. «Das Risk­off­Markt­um­feld, in dem In­ves­to­ren si­che­re An­la­gen vor­zie­hen, dürf­te im Tra­ding in ei­nem Rück­gang der Ein­nah­men von 3% re­sul­tiert ha­ben», denkt Bri­an Klein­hanzl vom Bran­chen­spe­zia­lis­ten Kee­fe, Bruy­et­te & Woods. In der Be­ra­tung bei Ak­qui­si­tio­nen und Wert­schrif­te­n­emis­sio­nen rech­net er so­gar mit ei­nem Rück­gang von 17%. Bes­ser als das In­vest­ment Ban­king läuft die klas­si­sche Kre­dit­ver­ga­be.

Das ro­bus­te Wachs­tum der US­Wirt­schaft be­güns­tigt die Nach­fra­ge nach Dar­le­hen. Die Ab­fla­chung der Zins­kur­ve schmä­lert al­ler­dings die Mar­gen. Es wür­de da­her nicht über­ra­schen, wenn 2019 für Fi­nanz­wer­te er­neut ein schwie­ri­ges Jahr wird.

Die Stim­mung an den US-Bör­sen ent­spannt sich. Doch mit der Be­richts­sai­son steht be­reits die nächste Be­las­tungs­pro­be an.

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