Löh­ne im Fo­kus

Ak­tio­nä­re dürf­ten an den dies­jäh­ri­gen Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen we­gen der Ak­ti­en­kurs­baisse kri­ti­scher wer­den.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MAR­TIN GOLLMER

Ak­tio­nä­re wer­den 2019 die Ver­gü­tun­gen von Ver­wal­tungs­rat und Ge­schäfts­lei­tung we­gen der Ak­ti­en­baisse von 2018 noch kri­ti­scher un­ter die Lu­pe neh­men. Zur Be­rech­nung der va­ria­blen Sa­lär­kom­po­nen­ten wer­den Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en im­mer wich­ti­ger.

Ver­gü­tun­gen wer­den an den Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen ko­tier­ter Un­ter­neh­men auch 2019 im Fo­kus der Ak­tio­nä­re ste­hen. Die­se An­sicht ver­tre­ten nam­haf­te Ex­per­ten in Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce (Grund­sät­ze gu­ter Un­ter­neh­mens­füh­rung). Stei­gen­de Be­ach­tung dürf­ten auch The­men der Nach­hal­tig­keit fin­den.

Das Geld, das Ver­wal­tungs­rä­te und Ge­schäfts­lei­tun­gen ver­die­nen, war schon 2018 das heis­ses­te The­ma an Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen. «Die Löh­ne, be­son­ders die frei­wil­li­ge kon­sul­ta­ti­ve Ab­stim­mung über den Ver­gü­tungs­be­richt, wa­ren das um­strit­tens­te Trak­tan­dum», kon­sta­tiert Vin­cent Kauf­mann, Di­rek­tor der An­la­gestif­tung Ethos, die auch als Stimm­rechts­be­ra­ter fun­giert. Al­ler­dings fie­len die ab­leh­nen­den Vo­ten 2018 ganz leicht we­ni­ger aus als 2017. Im Durch­schnitt be­tru­gen sie im ab­ge­lau­fe­nen Jahr 13%, im Jahr da­vor 14%. Dies ge­mäss Zah­len, die Stephan Ho­stett­ler, Ma­na­ging Part­ner der Ver­gü­tungs­be­ra­tung HCM In­ter­na­tio­nal, an ei­nem Me­di­en­ge­spräch prä­sen­tier­te.

We­nig Kri­tik an Lohn­hö­he

Auf­fal­lend: Die in den Ver­gü­tungs­be­rich­ten auf­ge­zeig­te Ent­schä­di­gungs­sys­te­ma­tik wird an den Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen weit häu­fi­ger in­fra­ge ge­stellt als die Sa­lär­hö­he. So lehn­ten 2018 im Durch­schnitt nur 5% der Ak­tio­nä­re die vor­ge­schla­ge­ne Ver­gü­tung für den Ver­wal­tungs­rat ab (2017: 6%), nur 8% sag­ten zum Lohn der Ge­schäfts­lei­tung Nein (2017 eben­falls 8%). «Ver­gü­tungs­hö­hen wer­den von den An­teil­ha­bern nur sel­ten bis nie an­ge­grif- fen», stellt Ho­stett­ler fest. Das hängt damit zu­sam­men, dass ei­ne Ab­leh­nung der Ver­gü­tungs­hö­he für das Un­ter­neh­men weit fol­gen­rei­cher wä­re als ein Nein zum Ver­gü­tungs­be­richt. Ab­stim­mun­gen zur Ver­gü­tungs­hö­he von Ver­wal­tungs­rat und Ge­schäfts­lei­tung sind näm­lich nicht nur ob­li­ga­to­risch, son­dern auch bin­dend.

Für die an­ste­hen­de Ge­ne­ral­ver­samm­lungs­sai­son 2019 er­war­tet Ho­stett­ler bei den ob­li­ga­to­ri­schen bin­den­den Ab­stim­mun­gen über die Ver­gü­tungs­hö­he ver­gleich­bar hohe Zu­stim­mungs­quo­ten wie wäh­rend der GV-Pe­ri­ode 2018. Für die frei­wil­li­ge kon­sul­ta­ti­ve Ab­stim­mung über den Ver­gü­tungs­be­richt geht er von ei­ner «zu­neh­mend kri­ti­schen Hal­tung sei­tens der Ak­tio­nä­re» aus.

Kauf­mann sagt: «2019 wer­den Lohn­the­men die Ak­tio­nä­re wei­ter be­schäf­ti­gen.» In die­sem Zu­sam­men­hang fin­det er es in­ter­es­sant zu be­ob­ach­ten, wie sich die Sa­lä­re an­ge­sichts der Bais­se der Ak­ti­en­märk­te in 2018 ent­wi­ckeln. Seit 2012 hät­ten sich die Un­ter­neh­men in ei­nem von stei­gen­den Ak­ti­en­kur­sen ge­präg­ten Markt be­wegt. In ei­ner sol­chen Um­ge­bung sei es für die Fir­men ein­fa­cher ge­we­sen, Lohn­er­hö­hung zu recht­fer­ti­gen. Jetzt, mit der Bais­se der Kur­se in 2018, «wer­den die Ak­tio­nä­re Sa­lä­rer­hö­hun­gen ge­gen­über si­cher auf­merk­sa­mer ein­ge­stellt sein», pro­gnos­ti­ziert Kauf­mann.

Ho­stett­ler er­war­tet bei den Ver­gü­tun­gen für Ver­wal­tungs­rats­prä­si­den­ten «nur mi­ni­ma­le Ve­rän­de­run­gen ge­gen­über dem Vor­jahr» und bei den Ent­schä­di­gun­gen für CEO «mit ei­nem sta­bi­len Ver­lauf oder ei­ner leich­ter Er­hö­hung».

Ein­be­zug von ESG-Kri­te­ri­en

Für die Be­rech­nung der Lohn­hö­he wird da­bei die Er­rei­chung öko­lo­gi­scher, so­zia­ler und Go­ver­nan­ce-Zie­le (so­ge­nann­te ESG-Kri­te­ri­en) im­mer wich­ti­ger. Auf die­sen Trend wies am Me­di­en­ge­spräch Clau­dia Würst­le, Con­sul­tant bei HCM In­ter­na­tio­nal, hin. «Da­durch soll die ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung ei­nes Un­ter­neh­mens mit­tels der Ver­gü­tung ge­stärkt wer­den.» Dies­be­züg­lich Druck ma­chen wür­den In­ves­to­ren, Stimm­rechts­be­ra­ter, Kun­den und auch Mit­ar­bei­ten­de.

Ein in­ter­na­tio­na­ler Ver­gleich zeigt ge­mäss Würst­le, «dass Schwei­zer Un­ter­neh­men hier noch Nach­hol­be­darf ha­ben». Glo­bal ge­se­hen ha­ben von den drei­hun­dert gröss­ten Un­ter­neh­men im­mer­hin 49% min­des­tens ein ESG-Kri­te­ri­um zur Be­rech­nung der va­ria­blen Ver­gü­tung fest­ge­legt (vgl. Gra­fik). Von den hundert gröss­ten Schwei­zer Ge­sell­schaf­ten sind es da­ge­gen erst 24% – dar­un­ter et­wa der Phar­ma­kon­zern No­var­tis, die Bank Ju­li­us Bär oder der Ver­si­che­rer Ba­loi­se.

Stän­dig kon­tro­ver­ses The­ma sind an Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen auch Wah­len in den Ver­wal­tungs­rat. Das dürf­te 2019 nicht an­ders sein – vor al­lem dank ak­ti­vis­ti­scher In­ves­to­ren, die oft ver­su­chen, ih­ren An­lie­gen mit der Zu­wahl ei­ge­ner Kan­di­da­ten ins Auf­sichts- und Stra­te­gie­gre­mi­um zum Durch­bruch zu ver­hel­fen. Eben hat et­wa die In­vest­ment­ge­sell­schaft Ve­rai­son ei­nen Mann ih­res Ver­trau­ens für das Ver­wal­tungs­rats­prä­si­di­um des High-Tech-Un­ter­neh­mens Co­met por­tiert.

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