De­ri­vatus

Die Ei­gen­schaf­ten der struk­tu­rier­ten Pro­duk­te prä­gen die Ren­di­te, im Gu­ten wie im Schlech­ten.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - PHIL­IP­PE BÉGUELIN

Die Per­for­mance ist vor­her­seh­bar. Zwar sind De­ri­vat­an­le­ger nicht hell­sich­tig, doch sie wis­sen ge­nau, wie ihr struk­tu­rier­tes Pro­dukt ab­schnei­det, je nach­dem, wo der Ba­sis­wert steht. Ein Zer­ti­fi­kat be­zieht sich auf Ak­ti­en, Zins­pa­pie­re oder Roh­stof­fe, und über die­se Ba­sis­wer­te wird ei­ne Struk­tur ge­stülpt, et­wa ein Ri­si­ko­puf­fer (Bar­rie­re), ein Ka­pi­tal­schutz oder ein He­be­lef­fekt. Die Kon­struk­ti­on gibt vor, wel­ches Er­geb­nis das Zer­ti­fi­kat er­zielt, wenn der Ba­sis­wert steigt oder fällt – der Auf­trag wird aus­ge­führt.

Um das zu be­to­nen, er­klä­ren Emit­ten­ten je­weils, struk­tu­rier­te Pro­duk­te ge­währ­ten ein «Zah­lungs­ver­spre­chen». Das klingt abs­trakt, ist aber tref­fend. Im Ge­gen­satz da­zu ge­ben ak­tiv ver­wal­te­te Fonds mit ih­rer An­la­ge­stra­te­gie ein Leis­tungs­ver­spre­chen. Da­bei ist nicht prä­des­ti­niert, wie der Fonds im Ver­hält­nis zum Re­fe­ren­z­in­dex ab­schnei­den wird.

Par­ti­zi­pa­ti­on mit Di­vi­den­den

Ob­wohl al­so bei Zer­ti­fi­ka­ten das Schick­sal vor­ge­zeich­net ist, lohnt es sich, die Per­for­mance zu be­trach­ten. Dies trägt zum Ver­ständ­nis bei und er­leich­tert die Ent­schei­dung, wel­cher Pro­dukt­typ ins Porte­feuille passt. Zu­dem zeigt sich, dass sich die Zer­ti­fi­ka­te nicht im­mer so ver­hal­ten, wie es auf den ers­ten Blick zu er­war­ten wä­re. Ei­nen Ver­gleich er­mög­li­chen die im Früh­ling 2009 lan­cier­ten Stra­te­gie­in­di­zes der Bör­se SIX Struc­tu­red Pro­ducts.

2018 hat der Swiss Mar­ket In­dex (SMI) 10,2% ein­ge­büsst, er wird von SIX als Re­fe­renz auf­ge­führt. Der In­dex für struk­tu­rier­te Pro­duk­te der Ka­te­go­rie Par­ti­zi­pa­ti­on hat le­dig­lich 6,4% ver­lo­ren. Er nennt sich SSPP (das letz­te P steht für Par­ti­zi­pa­ti­on).

Ein bes­se­rer Re­fe­ren­z­in­dex ist aber der SMI To­tal Re­turn ( TR), der die Di­vi­den­den ent­hält, denn die­se sind auch bei struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten ein­ge­rech­net. Der SMI TR hat ver­gan­ge­nes Jahr 7% ein­ge­büsst, wo­mit für den SSPP ei­ne Out­per­for­mance von 0,6% re­sul­tiert. Län­ger­fris­tig hat sich der SSPP in der Mit­te zwi­schen dem SMI und dem SMI TR po­si­tio­niert (vgl. Gra­fik).

Der In­dex SSPP be­steht ge­mäss SIX aus «den bes­ten ty­pi­schen Par­ti­zi­pa­ti­ons­pro­duk­ten auf den SMI». Die Zu­sam­men­set­zung wird mo­nat­lich über­prüft. Der­zeit um­fasst er sie­ben Bo­nus- und drei Out­per­for­mance-Zer­ti­fi­ka­te. Ers­te­re ha­ben ei­ne Bar­rie­re und schnei­den bes­ser ab als der SMI, wenn die Bör­se leicht fällt. Out­per­for­mance-Zer­ti­fi­ka­te bil­den den SMI in der Bais­se eins zu eins ab und in der Hausse mit ei­nem He­bel, wo­bei der Kurs­ge­winn z. B. ver­dop­pelt wird.

Dank dem He­bel kann der SSPP den SMI über­tref­fen, wenn die Bör­se steigt. Die Bar­rie­ren hel­fen dem SSPP, wenn die Ak­ti­en nur leicht fal­len. Bei ei­nem Kurs­ein­bruch hin­ge­gen kann es sein, dass in kur­zer Zeit meh­re­re Bar­rie­ren un­ter­schrit­ten wer­den. Da­durch fällt der Wert der Bo­nus­zer­ti­fi­ka­te ab­rupt, und sie schnei­den schlech­ter ab als der Re­fe­ren­z­in­dex.

Ren­di­te zur rech­ten Zeit

Die Ka­te­go­rie Ren­di­te­opti­mie­rung wird im In­dex SSPY ( Y steht für Yield En­han­ce­ment) er­fasst. Er ent­hält der­zeit drei Bar­rie­re­pro­duk­te mit Cou­pon (Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles), ei­nen Re­ver­se Con­ver­ti­ble und ein Ex­press­zer­ti­fi­kat, die sich al­le auf den SMI be­zie­hen. Die Aus­wahl ist be­schränkt, denn Pro­duk­te die­ser Ka­te­go­rie be­zie­hen sich meist auf Ein­zel­ti­tel.

Der SSPY hat 2018 0,2% ge­won­nen. Das be­stä­tigt die Prä­des­ti­na­ti­on: Ren­di­te­opti­mie­rungs­pro­duk­te sind aus­ge­rich­tet auf ei­nen sta­gnie­ren­den oder leicht stei­gen­den Ba­sis­wert, der auch ein we­nig sin­ken, aber nicht un­ter die Bar­rie­re fal­len darf. Der Ge­winn ist be­grenzt (Cap). 2018 hat sich die Ka­te­go­rie be­währt, lang­fris­tig schnei­det der SSPY aber deut­lich schlech­ter ab als der SSPP oder der SMI TR.

Als Re­fe­ren­z­in­dex ver­wen­det SIX in­des ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Ak­ti­en und An­lei­hen, kon­kret zu 60% den SMI und zu 40% den To­tal Re­turn In­dex al­ler Schwei­zer Ob­li­ga­tio­nen von Bloom­berg. Das ist ge­recht­fer­tigt, denn Ren­di­te­opti­mie­rungs­pro­duk­te sind kon­ser­va­ti­ver als ei­ne di­rek­te An­la­ge in Ak­ti­en. Der Re­fe­ren­z­in­dex hat letz­tes Jahr ge­mäss SIX 8,6% ver­lo­ren. So­mit schlägt der SSPY das Re­fe­renz­port­fo­lio aus Ak­ti­en und An­lei­hen deut­lich.

Lang­fris­tig hinkt der SSPY je­doch hin­ter­her. Seit Lan­cie­rung 2009 hat er 46,3% ge­won­nen, der Re­fe­ren­z­in­dex ist 57% ge­stie­gen. Für Ren­di­te­opti­mie­rungs­pro­duk­te ist of­fen­sicht­lich das Ti­ming zen­tral.

Nur 90% sind ge­schützt

Ka­pi­tal­schutz­zer­ti­fi­ka­te ha­ben 2018 7,6% an Wert ver­lo­ren, sie wer­den im In­dex SSPC (C steht für Ca­pi­tal Pro­tec­tion) er­fasst. Re­fe­renz ist der To­tal Re­turn In­dex al­ler Schwei­zer Ob­li­ga­tio­nen von Bloom­berg, der letz­tes Jahr 0,6% ge­won­nen hat.

Grund für das schlech­te Ab­schnei­den ist, dass im SSPC neun Zer­ti­fi­ka­te mit ei­nem Ka­pi­tal­schutz­ni­veau von 90% und ei­nes mit 93% ent­hal­ten sind. Ein Schutz von 100% des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals lässt sich im Null- re­spek­ti­ve Ne­ga­tiv­zins­um­feld nicht kon­stru­ie­ren. Ka­pi­tal­schutz­zer­ti­fi­ka­te, die ei­nenVer­lust von bis zu 10% in Kauf neh­men, sind in mo­de­rat fal­len­den Märk­ten nicht viel bes­ser als der SMI.

Vor ei­nem Crash schüt­zen sie den­noch, wie der Ver­lauf des SSPC wäh­rend der Eu­ro­kri­se 2011 zeigt. Da­mals sind nicht nur der SMI und der SSPP ge­fal­len, son­dern we­gen un­ter­schrit­te­ner Bar­rie­ren auch der SSPY.

Nach dem Fran­ken­schock vom 15. Ja­nu­ar 2015 hin­ge­gen, als der SMI in zwei Ta­gen 14% ein­büss­te, fiel der Ka­pi­tal­schutz­in­dex 8,2%. Der Ren­di­te­opti­mie­rungs­in­dex sank nur 2,3%.

Struk­tu­rier­te Pro­duk­te ver­hal­ten sich so, wie es ih­nen vor­be­stimmt ist. Weil An­le­ger aber nicht hell­sich­tig sind, ist das Er­geb­nis nicht im­mer er­freu­lich.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.