Mo­ni­tor

Die Sor­gen vor ei­ner Ab­wärts­spi­ra­le sind über­trie­ben

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - DA­VID KOHL,

Nach Ver­lus­ten an den Ak­ti­en­märk­ten in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ha­ben schwä­che­re Kon­junk­tur­zah­len zu Jah­res­be­ginn den Pes­si­mis­mus an den Ka­pi­tal­märk­ten ver­stärkt. Ein mög­li­cher Teu­fels­kreis droht, in dem Kurs­rück­gän­ge we­gen des schwä­che­renWachs­tums die Wirt­schafts­aus­sich­ten ein­trü­ben und zu er­neu­ten Kurs­ver­lus­ten füh­ren.

Bis­lang spricht al­ler­dings we­nig für ei­ne sol­che Ab­wärts­spi­ra­le: Die Ver­schul­dung in den USA und Eu­ro­pa ist we­der hoch, noch herrscht Eu­pho­rie an den Ka­pi­tal­märk­ten. Ex­zes­si­ve Un­ter­neh­mens­be­wer­tun­gen sind sel­ten. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Er­ho­lung sind da­her ge­ge­ben.

Der Deut­sche Ak­ti­en­in­dex Dax leg­te seit Jah­res­be­ginn um 3,1% zu, der CAC40 ge­wann 1,1%, der Eu­roS­to­xx50 2,3% und der SMI so­gar 4,7%. In den USA no­tiert der S&P500 3,2% im Plus, der Dow Jo­nes mit 2,6% et­was schwä­cher. In Asi­en schlos­sen sich der Hang Seng In­dex mit +3,2% und der Nikkkei 225 mit +1,7% an.

Die Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen im 10-jäh­ri­gen Bench­mar­kBe­reich ten­dier­ten hö­her, wo­bei für die Staats­an­lei­hen in den USA ei­ne hö­he­re An­fäl­lig­keit zu er­war­ten ge­we­sen wä­re. Die Ent­wick­lung der Haus­halts­ver­hand­lun­gen in den USA und der Be­ginn der US-ame­ri­ka­ni­schen Be­richts­sai­son sind die an­ste­hen­den Kurs­fak­to­ren. In Eu­ro­pa do­mi­nie­ren die Un­si­cher­heit über denWelt­han­del und den Br­ex­it die Agen­da.

Schwa­che Kon­junk­tur

Die Kon­junk­tur scheint schwach in das neue Jahr zu star­ten. Der Ein­kaufs­ma­na­ger­index in den USA, der viel­leicht wich­tigs­te Früh­in­di­ka­tor für die Kon­junk­tur, fiel deut­lich von 59,3 auf 54,1 Punk­te. Gut mög­lich, dass der Streit um den US-Haus­halt mit der Schlies­sung ein­zel­ner Bun­des­be- hör­den be­reits Wir­kun­gen auf die Ver­ga­be von neu­en Auf­trä­gen hat.

Gleich­wohl bleibt die Kon­junk­tur in Deutsch­land, in der Eu­ro­zo­ne und in den USA im Ex­pan­si­ons­mo­dus, al­ler­dings nicht so deut­lich wie An­fang 2018. In Ita­li­en und Frank­reich deu­tet der Ein­kaufs­ma­na­ger­index auf ei­nen Rück­gang bei der In­dus­trie­ak­ti­vi­tät hin. In Chi­na no­tiert der Ein­kaufs­ma­na­ger­index so­gar un­ter der Ex­pan­si­ons­schwel­le von 50.

Die meis­ten Bör­sen star­te­ten mit Kurs­ver­lus­ten in das neue Jahr. Wie stark Kurs­ver­lus­te die Kon­junk­tur tref­fen – die Fra­ge ist je­doch schwie­rig zu be­ant­wor­ten. Un­be­strit­ten ist, dass nied­ri­ge­re Bör­sen­kur­se ei­nen ne­ga­ti­ven Ver­mö­gens­ef­fekt ha­ben und auf der Kon­su­men­ten­stim­mung las­ten. An­le­ger be­wer­ten die fi­nan­zi­el­len In­di­ka­to­ren schlech­ter und schät­zen da­her die Kon­junk­tur mo­de­ra­ter ein.

Ei­ne Ab­wärts­spi­ra­le, bei sich nied­ri­ge­re Ak­ti­en­kur­se und Kon­junk­tur­pes­si­mis­mus ge­gen­sei­tig ver­stär­ken, ist je­doch un­wahr­schein­lich. Die Spar­quo­te der pri­va­ten US-Haus­hal­te liegt bei 6%, was dem Durch­schnitt der ver­gan­ge­nen 25 Jah­re ent­spricht. Die Ver­schul­dung der Haus­hal­te ist seit Jah­ren rück­läu­fig und ak­tu­ell un­ter ih­rem Lang­frist­trend.

Le­dig­lich beim Au­to­kauf und bei der Fi­nan­zie­rung des Stu­di­ums ha­ben die US-Haus­hal­te deut­lich zu­ge­legt. Der Rück­gang bei der Im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung gleicht die­se Ent­wick­lung aus. Der Un­ter­neh­mens­sek­tor ist da­ge­gen hoch­ver­schul­det. Die Ver­schul­dung er­folgt über­wie­gend am Ka­pi­tal­markt und we­ni­ger bei den Ban­ken. Das Ri­si­ko, dass Zah­lungs­aus­fäl­le bei Un­ter­neh­men ei­ne sys­te­mi­sche Kri­se im Fi­nanz­sek­tor aus­lö­sen, sinkt damit.

Zu­ver­sicht

Die Ak­ti­en­be­wer­tun­gen sind güns­tig, nach­dem die Kur­se 2018 ge­sun­ken sind und die Un­ter­neh­men bei den Gewinnen zu­le­gen konn­ten. Das gilt für die Eu­ro­zo­ne und für die USA, wo die Steu­er­sen­kung die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne zu­sätz­lich an­ge­scho­ben hat. Die Stim­mung der An­le­ger si­gna­li­siert in den ak­tu­el­len Um­fra­gen ei­ne ex­trem pes­si­mis­ti­sche Ein­schät­zung. Ähn­li­ches gilt für Um­fra­gen un­ter Port­fo­lio­ma­na­gern, von de­nen vie­le ih­re Ak­ti­en­en­ga­ge­ments be­reits re­du­ziert ha­ben. Vor die­sem Hin­ter­grund wer­den Ver­käu­fer rar und schaf­fen die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Er­ho­lung an den Ka­pi­tal­märk­ten und damit ei­ne Rück­kehr der Zu­ver­sicht.

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