Kur­ze Er­leich­te­rung für Bay­er­An­le­ger

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - BB

Bay­er­An­le­ger konn­ten in den letz­ten Ta­gen et­was au­f­at­men. Die Ak­ti­en ha­ben sich seit An­fang Jahr wie­der leicht er­holt. Die Ti­tel stie­gen am Mitt­woch auf ein Ta­ges­hoch von 67.20 €, was aber noch im­mer ein gu­tes Stück vom Höchst von 108 € ent­fernt ist, der vor fast ei­nem Jahr er­reicht wur­de. Seit da­mals ha­ben sie 38,4% ein­ge­büsst. Am Frei­tag no­tier­ten sie 65.66 €.

Ein Gross­teil der Schwie­rig­kei­ten hängt mit der 2018 für 66 Mrd. $ durch­ge­führ­ten Über­nah­me des Agrar­kon­zerns Monsan­to zu­sam­men. In den USA steht Bay­er vor Ge­richt, weil der von Monsan­to her­ge­stell­te Un­kraut­ver­nich­ter Gly­pho­sat Krebs aus­lö­sen soll. Nun hat ein Rich­ter ent­schie­den, den Pro­zess in meh­re­re Pha­sen auf­zu­tei­len und die Be­weis­auf­nah­me im ers­ten Teil zu be­schrän­ken. Zu­erst soll fest­ge­stellt wer­den, ob Gly­pho­sat über­haupt zu der Er­kran­kung ge­führt hat. Damit stei­gen die Chan­cen für Bay­er, denn die Krank­heits­ur­sa­che di­rekt nach­zu­wei­sen, ge­lingt bei Krebs meist nur schwer. Das hat auch dem Ak­ti­en­kurs Auf­trieb ver­lie­hen.

Wei­te­re 9300 Per­so­nen ha­ben ähn­li­che Kla­gen ge­gen Bay­er vor ame­ri­ka­ni­schen Ge­rich­ten ein­ge­reicht. Ex­per­ten rech­nen damit, dass sich Bay­er aus­ser­ge­richt­lich mit den Klä­gern ei­ni­gen wird. Die end­gül­ti­ge Scha­den­sum­me dürf­te rund 5 Mrd. $ be­tra­gen.

Wel­chen Ein­fluss die­se Zah­lung auf die Er­geb­nis­se von Bay­er hat, ist noch un­klar. An der Ka­pi­tal­markt­ta­gung im Dezember hat­te das Un­ter­neh­men ein am­bi­tio­nier­tes Spar­ und Wachs­tums­pro­gramm vor­ge­legt. Nach der Über­nah­me ist die Spar­te CropSci­ence von Bay­er die welt­weit gröss­te. Wird Mon­ san­to pro for­ma hin­zu­ge­rech­net, be­trägt ihr Um­satz mehr als 19 Mrd. €.

Bis 2022 soll der Um­satz des Ge­samt­kon­zerns jähr­lich 4% wach­sen, 12 000 Ar­beits­plät­ze sol­len ge­stri­chen und die Spar­te Tier­ge­sund­heit ab­ge­spal­ten wer­den. Zu­dem will Bay­er im sel­ben Zeitraum ei­nen frei­en Cash­flow von ins­ge­samt rund 23 Mrd. € er­wirt­schaf­ten. Das wä­re ein Plus von 18% ge­gen­über 2018. Ne­ben dem Ab­bau der Net­to­fi­nanz­ver­schul­dung will der Kon­zern damit auch die Di­vi­den­den er­hö­hen und stellt die Mög­lich­keit ei­nes Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramms in den Raum.

Trotz­dem ma­chen die dro­hen­den Scha­den­er­satz­zah­lun­gen Bay­er zu Ak­ti­en für eher ner­ven­star­ke An­le­ger. Zwar hat Monsan­to in In­di­en jüngst ei­nen Pa­tent­streit ge­won­nen. In­di­en ist ein wich­ti­ger Ab­satz­markt für Saat­gut­pro­du­zen­ten wie Bay­er. Doch auch dort sind gen­ma­ni­pu­lier­te Le­bens­mit­tel um­strit­ten; das könn­te er­neut zu Ge­richts­pro­zes­sen füh­ren.

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