Mehr In­ter­es­se an Gold­an­la­gen

Die Zuflüs­se in Gold-ETF spie­geln die un­si­che­re Bör­sen­la­ge.

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DEVISEN/GEWINNSCHÄTZUNGEN - CARS­TEN FRITSCH,

Der Gold­preis ist En­de 2018 aus sei­nem Dorn­rös­chen­schlaf er­wacht und An­fang Ja­nu­ar auf den höchs­ten Stand seit Juni ge­klet­tert. Am Frei­tag kos­te­te die Un­ze 1290 $. Aus­lö­ser wa­ren Tur­bu­len­zen an den Ak­ti­en­märk­ten. Da­durch kam es zu ei­nem deut­li­chen Rück­gang der Fed-Zins­er­hö­hungs­er­war­tun­gen und der USAn­lei­hen­ren­di­ten. In der Folge wer­te­te sich auch der Dol­lar merk­lich ab, und die Nach­fra­ge nach Gold als si­che­rer Ha­fen zog an. Die ko­tier­ten Gold­fonds (ETF) ver­zeich­ne­ten in den letz­ten Wo­chen star­ke Zuflüs­se. Seit An­fang Dezember sind ih­re Gold­be­stän­de um mehr als 90 Ton­nen ge­stie­gen.

Die wei­te­re Ent­wick­lung des Gold­prei­ses dürf­te we­sent­lich von der US-Geld­po­li­tik be­stimmt wer­den. Da die Fed-Zins-Fu­tures kei­ne Leit­zins­er­hö­hung mehr in die­sem Jahr im­pli­zie­ren, könn­te der Gold­preis noch­mals un­ter Druck ge­ra­ten, so­bald sich die Er­war­tun­gen wie­der än­dern. Die Kom­men­ta­re aus dem In­ne­ren des Fed le­gen der­zeit le­dig­lich ei­ne Zins­pau­se na­he. Wahr­schein­lich wer­den 2019 die Zin­sen noch zwei Mal an­ge­ho­ben. We­gen des nä­her­rü­cken­den En­des des Zins­er­hö­hungs­zy­klus in den USA soll­te der Dol­lar im Jah­res­ver­lauf ver­mehrt un­ter Druck ge­ra­ten und in­vers da­zu der Gold­preis stei­gen. Wei­te­re Im­pul­se könn­ten von der In­ves­to­ren­nach­fra­ge kom­men. Sie hängt stark von der Ent­wick­lung der Ak­ti­en­märk­te ab. An­ge­sichts der trü­be­ren Aus­sich­ten für die Welt­wirt­schaft und zahl­rei­cher Un­si­cher­heits­fak­to­ren dürf­ten die Ak­ti­en­märk­te auch 2019 vo­la­til blei­ben. Gold-ETF dürf­ten wei­ter­hin in der An­le­ger­gunst ste­hen.

Wenn bis An­fang März kei­ne Ei­ni­gung im Han­dels­kon­flikt zwi­schen den USA und Chi­na ge­fun­den wird, droht ei­ne Es­ka­la­ti­on mit noch hö­he­ren US-Straf­zöl­len auf noch mehr chi­ne­si­sche Pro­duk­te. Auch US-Zöl­le auf eu­ro­päi­sche Au­tos sind nach wie vor nicht vom Tisch. Zu­dem be­steht im­mer noch die Ge­fahr ei­nes un­ge­ord­ne­ten Br­ex­it, soll­te das bri­ti­sche Par­la­ment Mit­te Ja­nu­ar den aus­ge­han­del­ten Aus­tritts­ver­trag ab­leh­nen. Der seit mitt­ler­wei­le drei Wo­chen an­dau­ern­de Teil­still­stand der US-Ver­wal­tung zeigt, wie ver­här­tet die po­li­ti­schen Fron­ten in Washington sind. Prä­si­dent Do­nald Trump könn­te sich da­her stär­ker auf die Aussenpolitik kon­zen­trie­ren, wo er we­ni­ger auf die Zu­stim­mung des Kon­gres­ses an­ge­wie­sen ist. Wei­te­re aus­sen­po­li­ti­sche Al­lein­gän­ge von Trump sind da­her nicht aus­zu­schlies­sen.

Ei­ni­ge der ge­nann­ten Fak­to­ren wa­ren schon 2018 wirk­sam. Sie wur­den aber von der Dol­lar­stär­ke über­la­gert und spiel­ten da­her für Gold­preis­fin­dung kei­ne grosse Rol­le. Bei ei­nem schwä­che­ren Dol­lar dürf­te sich dies än­dern und der Un­zen­preis bis En­de Jahr auf 1350 $ stei­gen.

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