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Finanz und Wirtschaft - - INNEN -

… Sil­vio Bor­ner, Wirt­schafts­pro­fes­sor Er gilt als ei­ner der Vä­ter der neo­li­be­ra­len Wirt­schafts­wis­sen­schaft in der Schweiz und als kri­ti­scher, un­ab­hän­gi­ger Geist: Sil­vio Bor­ner, eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Basel. Der be­ken­nen­de Markt­li­be­ra­le ist ei­ner der füh­ren­den Ver­tre­ter der po­li­ti­schen Öko­no­mie im Lan­de und denkt auch mit bald 78 Jah­ren nicht ans Auf­hö­ren, wie er im Ge­spräch mit «Fi­nanz un­dWirt­schaft» er­zählt. Bis heu­te trifft man Bor­ner in der Bas­ler Wirt­schafts­fa­kul­tät, die er ab 1988 zeit­wei­se als Grün­dungs­de­kan führ­te. In ei­nem Eck­bü­ro mit Blick auf das Gleis­bett des Haupt­bahn­hofs ar­bei­tet Bor­ner noch als Prä­si­dent des Be­ra­ter­gre­mi­ums der von ihm ge­grün­de­ten Sum­mer School. Da­rin ge­ben Pro­fes­so­ren der Uni­ver­si­tä­ten Washington, New York und Ya­le kos­ten­lo­se Kur­se für die Bas­ler Stu­die­ren­den.

Ne­ben der Fa­mi­lie ist die Uni Bor­ners Le­bens­mit­tel­punkt. Schliess­lich wur­de er auch einst auf Le­bens­zeit er­nannt, sagt der ge­bür­ti­ge Ber­ner. Leh­re, For­schung und po­li­ti­sche Wir­kung, die­sen Drei­klang muss ein Wirt­schafts­pro­fes­sor sei­ner Mei­nung nach an­schla­gen. So hat­te Bor­ner vor al­lem auch Wir­kung als Aus­bil­der. Aus sei­ner Schu­le sind mit die be­kann­tes­ten zeit­ge­nös­si­schen Schwei­zer Öko­no­men her­vor­ge­gan­gen: Ay­mo Bru­n­et­ti, Beatrice We­der di Mau­ro, Tho­mas Straub­haar, Rolf We­der oder der Po­li­to­lo­ge Die­ter Frei­burg­haus. Mit ih­nen führ­te Bor­ner vie­le For­schungs­pro­jek­te, aus de­nen auch ei­ni­ge Bü­cher mit di­rek­ten po­li­ti­schen Re­form­vor­schlä­gen ent­stan­den. Als ei­nes sei­ner ein­fluss­reichs­ten Wer­ke gilt «Schweiz AG: Vom Son­der­fall zum Sa­nie­rungs­fall?». Das Buch er­schien An­fang der Neun- zi­ger­jah­re und at­tes­tier­te dem Land feh­len­de In­no­va­ti­on, man­geln­de Öff­nung ge­gen aus­sen und zu we­nig Wett­be­werb im In­nern. In den fol­gen­den Jah­ren kam es zu in­ter­na­tio­na­ler Öff­nung und zum Ab­bau in­ne­rer Re­gu­lie­run­gen. Die Si­tua­ti­on von heu­te er­in­nert ihn lei­der wie­der an die­se un­ge­wis­se Pha­se.

Sein jüngs­tes wis­sen­schaft­li­ches Werk «Über Schul­den und Über­schul­dung» er­schien 2014. Es war wohl, wie er sagt, sein letz­tes. Doch in Sam­mel­bän­den, Sach­bü­chern und Me­dien­bei­trä­gen äus­sert sich Bor­ner nach wie vor kri­tisch zu po­lit­öko­no­mi­schen The­men. Sei es zur Ener­gie-, Ge­sund­heits-, Geld- oder Eu­ro­pa­po­li­tik. Zur­zeit über­legt er in ei­nem Kreis zu­sam­men mit Kon­rad Humm­ler und Ti­to Tetta­man­ti, wie sich die Schweiz neu in­ter­na­tio­nal ori­en­tie­ren könn­te, soll­te das Rah­men­ab­kom­men mit der EU zu­stan­de kom­men oder nicht. Bor­ner selbst steht dem Ver­trags­werk kri­tisch ge­gen­über. «Da­bei geht es nicht um Lohn­schutz oder frem­de Rich­ter, son­dern um po­li­ti­sche Sou­ve­rä­ni­tät und di­rek­te De­mo­kra­tie», sagt Bor­ner.

Auch die Ener­gie­stra­te­gie des Bun­des kri­ti­siert Bor­ner. Zu­letzt gab er mit dem Ex-Chef der ETHKon­junk­tur­for­schungs­stel­le Kof, Bernd Schips, die Stu­die «Ver­sor­gungs­si­cher­heit – Vom po­li­ti­schen Kur­zschluss zum Black­out» her­aus. Die Stim­me der Öko­no­men wer­de im­mer lei­ser, be­dau­ert Bor­ner. Da­bei könn­ten gera­de die Wirt­schafts­pro­fes­so­ren die Un­ab­hän­gig­keit der Uni­ver­si­tä­ten da­zu nut­zen, auch un­be­quem zu sein. Vor die­sem Hin­ter­grund schlug Bor­ner selbst ein­mal ein gut do­tier­tes An­ge­bot der Cre­dit Suis­se aus, de­ren Chef­öko­nom zu wer­den. Dan­kend er­klär­te er Rai­ner E. Gut: «As­sis­tent war ich schon ein­mal.»

BILD: GAETAN BALLY/ KEYSTO­NE

Sil­vio Bor­ner vor sei­ner Eme­ri­tie­rung im Jahr 2004. Noch heu­te ist er an der Uni­ver­si­tät Basel ak­tiv.

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