Vor der Wo­che der No­ten­ban­ken stei­gen die Zin­sen

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEIT­E -

Was die ei­nen An­le­ger freut, muss für die an­de­ren kein Ver­gnü­gen sein. An­lei­hen zum Bei­spiel ha­ben bis­her ei­nen schlech­ten Start in den Mo­nat er­wischt: Die Kur­se vie­ler Schwei­zer Ob­li­ga­tio­nen sind im Sep­tem­ber ge­sun­ken, zugleich stie­gen die Ren­di­ten der Pa­pie­re. Wenn die Ver­zin­sung ne­ga­tiv war, wur­de sie teil­wei­se we­ni­ger ne­ga­tiv. Die­se Ent­wick­lung lässt sich et­wa am Swiss Bond In­dex (SBI) To­tal AAA­BBB ab­le­sen, der in­ und aus­län­di­sche Fran­ke­n­ob­li­ga­tio­nen ver­eint und seit En­de Au­gust 1,4% ein­ge­büsst hat.

Par­al­lel zu den sin­ken­den Kur­sen stei­gen die Ren­di­ten, und zwar welt­weit und be­son­ders stark bei län­ger lau­fen­den Pa­pie­ren: In Deutsch­land warf die dreis­sig­jäh­ri­ge Bun­des­an­lei­he erst­mals seit An­fang Au­gust wie­der ei­ne po­si­ti­ve Ren­di­te ab. Sie stieg um 18 Ba­sis­punk­te (0,18 Pro­zent­punk­te) im Ver­gleich zu En­de Au­gust auf knapp über null. In der Schweiz ging es für dreis­sig­jäh­ri­ge «Eid­ge­nos­sen» 21 Ba­sis­punk­te rauf auf –0,363%. Bei zwei­jäh­ri­gen Pa­pie­ren wa­ren die Ren­di­te­an­stie­ge ge­rin­ger.

Ähn­lich sah es in den USA aus, wo der rich­tungs­wei­sen­de Zehn­jah­res­zins im Sep­tem­ber um 14 Ba­sis­punk­te auf 1,639% stieg. Al­lein mit Blick auf die Kur­se fra­gen sich die Ana­lys­ten der So­cié­té Gé­né­ra­le in ei­nem Be­richt: «Ein schlech­ter Mo­nat für An­lei­hen. Wird die EZB die stei­gen­den Ren­di­ten auf­hal­ten?»

Der welt­wei­te Ren­di­te­an­stieg im Sep­tem­ber ist auf den ers­ten Blick un­ge­wöhn­lich, kommt er doch nur we­ni­ge Ta­ge, be­vor wich­ti­ge No­ten­ban­ken wie die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) ih­re Geld­po­li­tik er­heb­lich lo­ckern soll­ten, wie Be­ob­ach­ter und Markt­teil­neh­mer er­war­ten. Nächs­te Wo­che wird die nächs­te Zins­sen­kung der US­No­ten­bank Fe­deral Re­ser­ve er­war­tet. Auch die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) tagt am Don­ners­tag in ei­ner Wo­che, wo sie auf die Ent­schei­dung der EZB re­agie­ren kann.

Zu­letzt hat­ten füh­ren­de No­ten­ban­ker im Eu­roraum Zwei­fel ge­äus­sert, ob neu­er­li­che An­lei­hen­käu­fe durch die EZB tat­säch­lich hel­fen wür­den, die Wirt­schaft an­zu­kur­beln. Ver­schiebt die EZB nun so ein Pro­gramm nach hin­ten, wür­de die Nach­fra­ge nach An­lei­hen sin­ken, was de­ren Kur­se fal­len und die Ren­di­ten stei­gen lässt. Die Sen­kung des Ein­la­gen­sat­zes für die Über­schuss­re­ser­ven der Ban­ken noch tie­fer ins Ne­ga­ti­ve gilt da­ge­gen als we­ni­ger um­strit­ten.

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