Va­len­tin Cha­pe­ro

Der Ma­schi­nen­bau­er kann dank mo­der­ner Pro­duk­te den Ab­schwung gut ver­kraf­ten.

Finanz und Wirtschaft - - FRONT PAGE - ANDREAS MEIER Al­le Fi­nanz­da­ten zu Bobst im On­line-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/BOBNN

Der ehe­ma­li­ge So­no­va-Chef und Part­ner bei Fi­nanz­in­ves­tor Ve­rai­son wird VR-Prä­si­dent bei der mit Pro­ble­men kämp­fen­den As­com.

Der Ab­schwung im Ge­schäft von Bobst hat im Früh­ling 2018 ein­ge­setzt. Ent­spre­chend muss­te der Her­stel­ler von Ver­pa­ckungs­ma­schi­nen schon im Som­mer vor ei­ner schlech­te­ren Ge­schäfts­ent­wick­lung als er­war­tet war­nen. Im Fe­bru­ar und im Ju­li die­ses Jah­res folg­ten noch­mals zwei Pro­gno­se­sen­kun­gen.

Jetzt, im No­vem­ber, konn­te Bobst an­läss­lich der jähr­li­chen Prä­sen­ta­ti­on vor Ana­lys­ten und Pres­se­ver­tre­tern die Pro­gno­se be­stä­ti­gen. Für 2019 wird mit ei­nem ge­hal­te­nen Um­satz ge­rech­net (2018: 1635 Mio. Fr.), die Be­triebs­mar­ge wer­de et­was un­ter 5% (2018: 5,3%) lie­gen. Die Be­stä­ti­gung deu­tet dar­auf hin, dass der Ab­wärts­drall des Mark­tes an In­ten­si­tät ver­liert.

Noch zwei Jahre Flau­te

Doch die Chefs von Bobst ge­ben sich wei­ter­hin vor­sich­tig: «Der Ab­schwung ver­läuft nicht V-för­mig, son­dern U-för­mig», er­klär­te Bobst-Fi­nanz­chef At­ti­lio Tis­si. Er will da­mit sa­gen, dass der aku­te Teil des Ab­schwungs über­stan­den sein könn­te, dass ein Auf­schwung aber noch lan­ge nicht in Sicht ist. CEO Je­an-Pas­cal Bobst dop­pelt nach: «In den nächs­ten zwei Jah­ren wird die Markt­nach­fra­ge flau blei­ben.» Ent­spre­chend die­ser vor­sich­ti­gen Ein­schät­zung hat der Her­stel­ler von Ver­pa­ckungs­ma­schi­nen schon im Früh­jahr mit punk­tu­el­len Kos­ten­re­duk­tio­nen be­gon­nen. Zu­sätz­li­chen Spar­druck ver­spürt Bobst aber nicht, auch Kurz­ar­beit ist auf ab­seh­ba­re Zeit kein The­ma – auch, weil Bobst ei­nen grös­se­ren Teil der Mit­ar­bei­ter tem­po­rär be­schäf­tigt als vor der Fi­nanz­kri­se, um Spit­zen bes­ser zu be­wäl­ti­gen.

Den Markt be­ar­bei­tet Bobst seit Som­mer wie­der kon­ser­va­ti­ver. Wäh­rend im Som­mer 2018 ei­ne Stra­te­gie des Markt­an­teils­er­halts und -aus­baus im­ple­men­tiert wor­den war, was nur über Preis­kon­zes­sio­nen mög­lich war, wer­de seit Som­mer 2019 wie­der «der Preis ver­tei­digt und we­ni­ger der Markt», wie sich Je­anPas­cal Bobst aus­ge­drückt hat.

An­sons­ten sieht sich Bobst gut auf­ge­stellt, um die län­ge­re Flau­te gut zu über­ste­hen. Die Markt­po­si­ti­on ist nach wie vor stark, und im Ver­gleich zu den Kon­kur­ren­ten ver­fügt Bobst über ei­ne stär­ke­re Fi­nanz­po­si­ti­on und ei­ne we­ni­ger auf Wachs­tum aus­ge­rich­te­te Kos­ten­struk­tur.

Mit dem Joint Ven­ture Mou­vent, das für neu­ar­ti­ge Di­gi­tal­druck­lö­sun­gen steht, sieht sich Bobst gut po­si­tio­niert, den Rück­stand in die­sem Ge­schäfts­be­reich auf­zu­ho­len. Be­son­de­re Chan­cen soll ei­ne Eti­ket­ten­druck­ma­schi­ne bie­ten, die auf Ba­sis von was­ser­lös­li­chen Far­ben um­welt­ver­träg­li­che­ren Druck bie­tet und zu­dem dop­pelt so schnell druckt wie die Ma­schi­nen der Kon­kur­renz.

Qua­li­täts­pro­ble­me vom Tisch

Die Qua­li­täts­pro­ble­me mit dem Ma­schi­nen­typ für fle­xi­ble Ver­pa­ckun­gen, die teu­re Nach­rüs­tun­gen nö­tig mach­ten, sind eben­falls vom Tisch.

Mit ei­ner neu­en Ma­schi­nen­pa­let­te für fle­xi­ble Ver­pa­ckun­gen, die in der ers­ten Jah­res­hälf­te 2020 lan­ciert wird, will man ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Markt­an­tei­le in die­sem Markt­seg­ment zu­rück­ho­len.

Fer­ner wird an Ver­net­zungs­lö­sun­gen im Rah­men des IoT (In­ter­net of Things) für das ge­sam­te Ma­schi­nen­sor­ti­ment ge­ar­bei­tet.

Mit ei­ner neu ent­wi­ckel­ten Ver­pa­ckungs­fo­lie, die dank ei­ner auf­ge­dampf­ten und da­durch hauch­dün­nen Alu­mi­ni­um­schicht und ho­mo­ge­nen Plas­tik­schich­ten voll re­cy­cling­fä­hig ist, will Bobst ei­ne Ver­pa­ckungs­lö­sung an­bie­ten, die dem Ruf nach Nach­hal­tig­keit ent­ge­gen­kommt. Ob sich da­für ein Re­cy­cling­s­ys­tem fin­det, ist al­ler­dings noch un­ge­wiss.

Mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 13 be­zo­gen auf 2020 wir­ken die Ak­ti­en Bobst nicht teu­er. Doch weil die Ge­fahr wei­te­rer Ge­schäfts­rück­schlä­ge an­hält und es vor­erst an Per­spek­ti­ven fehlt, die ei­ne Hö­her­be­wer­tung recht­fer­ti­gen wür­den, eilt es mit Käu­fen nicht.

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