Ob­sEva flopt

Das Bio­tech-Un­ter­neh­men schei­tert mit dem Frucht­bar­keits­mit­tel Nola­si­ban.

Finanz und Wirtschaft - - FRONT PAGE - AR­NO SCHMOCKER

An der letz­ten Hür­de vor dem EUZu­las­sungs­an­trag ge­schei­tert: Das Bio­tech-Un­ter­neh­men stellt Stu­di­en mit dem Wirk­stoff Nola­si­ban ein. Die Ak­ti­en tau­chen.

Das Bio­tech-Un­ter­neh­men Ob­sEva hat mit sei­nem gröss­ten Hoff­nungs­trä­ger ei­nen her­ben Rück­schlag er­lit­ten – kurz vor dem Zu­las­sungs­an­trag in der EU. Das Frucht­bar­keits­mit­tel Nola­si­ban hat in der zu­las­sungs­re­le­van­ten Stu­die «Im­plant 4» den pri­mä­ren End­punkt nicht er­reicht. Die Ak­ti­en ver­lo­ren bis Frei­tag­mit­tag über die Hälf­te des Werts. CEO und Mit­grün­der Ernst Lo­u­maye, frü­her Mit­ar­bei­ter von Se­ro­no, ist zer­knirscht: «Wir sind über­rascht und sehr ent­täuscht über die letz­ten Re­sul­ta­te», sag­te er an ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz am Don­ners­tag­nach­mit­tag.

Ziel der Stu­die war, die Schwan­ger­schafts­ra­te zehn Wo­chen nach ei­ner In­vi­tro-Fer­ti­li­sa­ti­on (IVF) im Em­bryo­trans­fer zu er­hö­hen. Nola­si­ban soll Ute­rus­kon­trak­tio­nen re­du­zie­ren. Mit Pla­ce­bo hat die Ra­te 39,1% be­tra­gen, mit der Ver­ab­rei­chung von Nola­si­ban bloss 40,5%.

Ei­ne ers­te Stu­die der Pha­se III war deut­lich bes­ser aus­ge­fal­len: 33,2% Pla­ce­bo ge­gen­über 44,8% mit Nola­si­ban.

Ob­sEva hat da­her be­schlos­sen, das Nola­si­ban-IVF-Pro­gramm ein­zu­stel­len. Das Un­ter­neh­men wird prü­fen, ob sich der Pro­dukt­kan­di­dat für an­de­re In­di­ka­tio­nen eig­net. «Doch wir wer­den vor­der­hand kein Cash mehr in Nola­si­ban in­ves­tie­ren», be­ton­te der CEO. Das Me­di­ka­ment hät­te im bes­ten Fall En­de 2020 auf den eu­ro­päi­schen Markt lan­ciert wer­den kön­nen, spä­ter in den USA und Chi­na. Der Wirk­stoff ge­noss den Nim­bus ei­nes po­ten­zi­el­len Block­bus­ters, mit ver­mu­te­ten Ein­nah­men von 0,5 bis an­nä­hernd 2 Mrd. $ (so­ge­nann­te Peak Sa­les).

Die Ak­ti­en hät­ten noch mehr Wert ver­lo­ren, ver­füg­te Ob­sEva nicht noch über an­de­re Pfei­ler im Kö­cher. Am wei­tes­ten fort­ge­schrit­ten ist die Ent­wick­lung von Linz­ago­lix. Es soll ge­gen schwe­re Mens­trua­ti­ons­blu­tun­gen we­gen Ge­bär­mut­ter­myo­men (gut­ar­ti­ge Tu­mo­re) wir­ken. Für das vier­te Quar­tal ist die Pu­bli­ka­ti­on neu­er Da­ten ge­plant. Erst in der kli­ni­schen Pha­se II be­fin­det sich der Wirk­stoff OBE022, der Früh­ge­bur­ten hin­aus­zö­gern soll. Die Fi­nanz­ana­lys­ten rech­nen oh­ne­hin da­mit, dass Ob­sEva die Ge­winn­schwel­le erst in ei­ni­gen Jah­ren er­rei­chen wird. Für das drit­te Quar­tal weist das Un­ter­neh­men ei­nen Ver­lust von 27,6 Mio. $ aus. Im Vor­jahr wa­ren es 18,6 Mio. ge­we­sen. Ins­ge­samt hat Ob­sEva gut 27 Mio. $ aus­ge­ge­ben, fast 8 Mio. $ mehr als in der Ver­gleichs­pe­ri­ode. Der Gross­teil der Aus­ga­ben floss mit 22 Mio. in For­schung und Ent­wick­lung.

Ob­sEva hat noch kein Pro­dukt auf dem Markt. Da­her zehrt sie von Bar­mit­tel­re­ser­ven, rund 91 Mio. $ per En­de Sep­tem­ber. Mit­te Jahr hat­ten sie 98,5 Mio. Fr. be­tra­gen. Laut Fi­nanz­chef Ti­mo­thy Adams rei­chen die Mit­tel, in­klu­si­ve ei­ner all­fäl­li­gen wei­te­ren Tran­che von 25 Mio. $ aus ei­ner von Ox­ford Fi­nan­ce ge­währ­ten Kre­dit­li­nie, bis ins ers­te Quar­tal 2021. Das ist län­ger als ge­dacht, weil ge­plan­te Aus­ga­ben für Nola­si­ban nun weg­fal­len, et­wa für teu­re Stu­di­en in den USA.

Ge­mäss Bloom­berg ver­fol­gen acht Fi­nanz­ana­lys­ten das Bio­tech-Un­ter­neh­men re­gel­mäs­sig – al­le ha­ben bis­her zum Kauf der Ak­ti­en ge­ra­ten. Zum Höchst­kurs im Sep­tem­ber 2018 war Ob­sEva über 900 Mio. Fr. wert. Un­ter­des­sen sind es we­ni­ger als 200 Mio. Fr. Auch die­ses Bei­spiel zeigt: Bio­tech-Ak­ti­en eig­nen sich nur für ein brei­tes Porte­feuille und In­ves­to­ren mit ei­ner Ader für ris­kan­te Wet­ten.

Al­le Fi­nanz­da­ten zu Ob­sEva im On­line-Ak­ti­en­füh­rer:

www.fuw.ch/OBSN

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