Ri­che­mont ent­täuscht

Der Lu­xus­gü­ter­kon­zern be­fin­det sich in ei­nem Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess. An­le­ger blei­ben bes­ser an der Sei­ten­li­nie.

Finanz und Wirtschaft - - FRONT PAGE - PAS­CAL MEISSER Al­le Fi­nanz­da­ten zu Ri­che­mont im On­line-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/CFR

Der Schwei­zer Lu­xus­gü­ter­kon­zern ist in der ers­ten Hälf­te des Ge­schäfts­jah­res 2019/20 nicht auf Tou­ren ge­kom­men. Zwar konn­te Ri­che­mont den Um­satz 9% auf 7,4 Mrd. € stei­gern. Al­ler­dings trug das or­ga­ni­sche Wachs­tum le­dig­lich 2% da­zu bei. Vor al­lem zwei Fak­to­ren ha­ben ein bes­se­res Er­geb­nis ver­hin­dert. Ri­che­mont in­ves­tiert mit sei­nen neu­en On­line­platt­for­men stark in die Zu­kunft. Die­se Initia­ti­ven sind wich­tig, aber es ist nicht ab­seh­bar, wann sie sich aus­zah­len. Zu­dem ist der Kon­zern wei­ter­hin da­mit be­schäf­tigt, die Dis­tri­bu­ti­ons­we­ge im Uh­ren­seg­ment zu über­ar­bei­ten. Die Ak­ti­en ga­ben am Frei­tag deut­lich nach.

Ri­che­mont ver­passt mit den Halb­jah­res­zah­len in al­len Be­rei­chen die Er­war­tun­gen. Ent­spre­chend ga­ben die Ak­ti­en am Frei­tag ei­nen er­heb­li­chen Teil der jüngs­ten Kurs­ge­win­ne wie­der ab. Al­lein in den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen ha­ben die Ti­tel 12% zu­ge­legt.

Zwi­schen April und Sep­tem­ber er­ziel­te Ri­che­mont ei­nen Um­satz von knapp 7,4 Mrd. €, wo­bei un­ter dem Strich ein Ge­winn von 869 Mio. üb­rig blieb. Da­mit ver­pass­te das Un­ter­neh­men die Er­war­tun­gen beim Um­satz zwar nur um 0,6%, beim Ge­winn je­doch um 7%. Da­mit ein­her geht auch ei­ne Ver­schlech­te­rung der ope­ra­ti­ven Mar­ge, die bei 11,7% liegt. Vor zwei Jah­ren hat­te Ri­che­mont noch Mar­gen von über 17% er­zielt. Seit der Aus­wei­tung des Ge­schäfts in Rich­tung E­Com­mer­ce sind die Mar­gen un­ter Druck ge­ra­ten.

Das liegt vor al­lem dar­an, dass die In­te­gra­ti­on und Po­si­tio­nie­rung der auf­ge­kauf­ten On­line­platt­for­men Yoox Net­a­Por­ter ( YNAP) und Watch­fin­der haupt­säch­lich Kos­ten ver­ur­sa­chen. Ein wei­te­rer Auf­wands­pos­ten ist das Joint Ven­ture mit dem füh­ren­den chi­ne­si­schen On­line­händ­ler Ali­ba­ba. Bei­de Initia­ti­ven soll­ten sich län­ger­fris­tig be­zahlt ma­chen.

Hong­kong wird zum Pro­blem

Auch sonst blei­ben gros­se Her­aus­for­de­run­gen. Das Uh­ren­ge­schäft wird wei­ter­hin vom Un­ter­fan­gen von Ri­che­mont tan­giert, La­ger­bil­dun­gen bei ih­ren Händ­lern zu un­ter­bin­den. Bis auf wei­te­res wer­den nur Uh­ren aus­ge­lie­fert, die auch ver­kauft wer­den. Ri­che­mont will da­mit die Preis­kon­trol­le über die teu­ren Zeit­mes­ser be­hal­ten und nicht Ge­fahr lau­fen, dass La­den­hü­ter auf dem Grau­markt zu re­du­zier­ten Prei­sen ver­kauft wer­den.

Als Pro­blem er­weist sich zu­dem im­mer mehr Hong­kong, ei­ner der wich­tigs­ten

Ab­satz­märk­te der Schwei­zer Uh­ren­her­stel­ler. Der dor­ti­ge Um­satz­an­teil ist bei Ri­che­mont zu­letzt von 11 auf 8% ge­sun­ken. Wie CFO Burk­hart Grund an der Te­le­fon­kon­fe­renz sag­te, sei man da­bei, die Miet­kos­ten für die ei­ge­nen Bou­ti­ques neu zu ver­han­deln. Das könn­te künf­tig zu mar­gi­na­len Kos­ten­ein­spa­run­gen füh­ren. Ab­ge­schlos­sen ist hin­ge­gen der Rück­kauf von La­ger­be­stän­den von Händ­lern. Er hat­te in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren die Er­folgs­rech­nung von Ri­che­mont mit rund 500 Mio. € be­las­tet.

Für Sta­bi­li­tät sorgt wei­ter­hin das Schmuck­wa­ren­ge­schäft. Ge­mäss Ri­che­mont sind so­wohl Car­tier wie Van Cleef & Ar­pels beim Um­satz im ho­hen ein­stel­li­gen Be­reich ge­wach­sen. Uh­ren von Car­tier konn­ten gar im tie­fen zwei­stel­li­gen Be­reich zu­le­gen. Die­ses über­pro­por­tio­na­le Wachs­tum konn­te je­doch die Schwä­chen der an­de­ren Seg­men­te nicht wett­ma­chen.

Nicht kom­men­tie­ren woll­te Ri­che­mont den An­nä­he­rungs­ver­such von LVMH beim US­Ju­we­lier Tif­fa­ny. Eben­so we­nig äus­ser­te sich das Un­ter­neh­men da­zu, ob es eben­falls an Tif­fa­ny in­ter­es­siert ist. Kä­me LVMH zum Zug, wür­de der fran­zö­si­sche Kon­zern im Ge­schäft mit Schmuck­wa­ren Ri­che­mont als welt­wei­te Num­mer eins ab­lö­sen.

Tie­fe­re Ge­winn­schät­zun­gen

Ob­schon die Wachs­tums­ge­le­gen­hei­ten im Lu­xus­sek­tor un­ge­bro­chen sind, kann Ri­che­mont der­zeit nur be­schränkt da­von pro­fi­tie­ren. Zu sehr nimmt der an­hal­ten­de, aber zu­gleich wich­ti­ge und rich­ti­ge Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess das Un­ter­neh­men in Be­schlag. Das wird sich lang­fris­tig aus­zah­len. Doch wann die Früch­te die­ser In­ves­ti­tio­nen ge­ern­tet wer­den kön­nen, ist der­zeit nicht ab­schätz­bar.

Un­ter die­sen Um­stän­den sind Ri­che­mont­Ti­tel mit Blick auf die kom­men­den zwölf Mo­na­te für An­le­ger we­nig in­ter­es­sant, zu­mal sie auch nach dem Kurs­rück­gang nicht aus­ser­or­dent­lich güns­tig be­wer­tet sind. «Fi­nanz und Wirt­schaft» nimmt die Ge­winn­schät­zun­gen für das lau­fen­de und das kom­men­de Jahr um je 10% zu­rück. Dar­auf ba­sie­rend be­läuft sich das Kurs­Ge­winn­Ver­hält­nis für 2019 auf 23 und für 2020 auf 21. Die Ein­stu­fung bleibt bei «Hal­ten».

Die Schmuck­wa­ren­mar­ke Car­tier bleibt der haupt­säch­li­che Wachs­tums­trei­ber für Ri­che­mont.

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