Viel Cash von UBS

We­ni­ger Ge­winn, aber mehr Di­vi­den­de: Die gröss­te Schwei­zer Bank be­ein­druckt we­der mit Wachs­tum noch mit Kos­ten­kon­trol­le.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEIT­E - MO­NI­CA HEGGLIN Al­le Fi­nanz­da­ten zu UBS im On­line-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/UBSG

Trotz güns­ti­gem Bör­sen­um­feld dürf­te UBS 2019 we­ni­ger Um­satz und Ge­winn ge­macht ha­ben. Den­noch soll­te die Di­vi­den­de stei­gen. Die Bank ent­täuscht beim Wachs­tum und bei der Kos­ten­kon­trol­le. Ih­re Ak­ti­en sind aber Di­vi­den­den­per­len.

Nächs­te Wo­che prä­sen­tiert UBSKon­zern­chef Ser­gio Er­mot­ti die Ge­schäfts­zah­len für 2019. Zu er­war­ten sind im Durch­schnitt ein ge­gen­über dem Vor­jahr rück­läu­fi­ger Ge­samt­er­trag, we­ni­ger Vor­steu­er­ge­winn und ein tie­fe­res Kon­zern­er­geb­nis. In­ter­es­sie­ren wird je­doch vor al­lem die Di­vi­den­de. Denn sie dürf­te von heu­te 70 auf 72 oder 73 Rap­pen je Ak­tie stei­gen.

Man kann ar­gu­men­tie­ren, dass ein Un­ter­neh­men, das un­ter Buch­wert no­tiert, eher Ak­ti­en zu­rück­kau­fen soll­te, statt ei­ne ho­he Di­vi­den­de aus­zu­schüt­ten. Bei den UBS-Pa­pie­ren, die an der Bör­se 20% un­ter dem Buch­wert ge­han­delt wer­den, ist die Fra­ge be­son­ders be­rech­tigt. Die Ant­wort der UBS: «Die Be­stand­tei­le des ge­sam­ten Ka­pi­tal­er­trags sind ei­ner­seits ei­ne Ba­sis­di­vi­den­de, die wir im Lau­fe der Zeit ste­tig er­hö­hen möch­ten, so­wie wei­te­re For­men der Ka­pi­tal­ren­di­te.» UBS ar­bei­tet mit bei­den In­stru­men­ten.

Jon­glie­ren mit zwei Bäl­len

Die Di­vi­den­den­ren­di­te von 5,6% ist das ein­zi­ge wirk­lich her­aus­ra­gen­de Merk­mal, das UBS-Kon­zern­chef Er­mot­ti den In­ves­to­ren zu bie­ten hat. UBS ren­tie­ren mehr als Swiss Re und mehr als die aus­schüt­tungs­freu­di­gen Kan­to­nal­ban­ken. Die­sen Vor­teil gilt es zu er­hal­ten. Di­vi­den­den­wer­te sind ins­be­son­de­re in ei­ner Tief­zins­pha­se ge­fragt, in der Ob­li­ga­tio­nen kaum Ein­kom­men brin­gen.

Die Jagd nach Di­vi­den­den­per­len könn­te den UBS-Va­lo­ren Un­ter­stüt­zung ver­schaf­fen. Mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 11 und nach ei­nem Jahr oh­ne Net­to­kursper­for­mance sind sie reif für ei­ne Wie­der­ent­de­ckung. UBS kann dank ih­rer Ka­pi­tal­kraft Ak­ti­en zu­rück­kau­fen und vor­über­ge­hend ei­ne stei­gen­de Di­vi­den­de je Ti­tel ver­kraf­ten, auch wenn der Kon­zern­ge­winn un­ter Druck ist. Die Di­vi­den­de scheint dank ge­schick­tem Ka­pi­tal­ma­nage­ment ge­si­chert.

Seit März 2018 ist UBS dar­an, über ei­nen Zei­t­raum von drei Jah­ren ei­ge­ne Na­men­ak­ti­en im Um­fang von ma­xi­mal 2 Mrd. Fr. zu­rück­zu­kau­fen. Das ent­spricht rund 3% des Ak­ti­en­ka­pi­tals.

Im Er­geb­nis 2019 dürf­ten die In­ves­to­ren al­ler­dings er­neut (ver­geb­lich) Hin­wei­se dar­auf su­chen, dass UBS un­ter­neh­me­risch stra­te­gi­sche Vor­tei­le nut­zen kann und bei den Kos­ten und/oder beim Wachs­tum bes­ser ab­schnei­det als die Kon­kur­renz. Die Ana­lys­ten rech­nen je­doch im Durch­schnitt für 2019 mit ei­nem Um­satz­rück­gang im Kon­zern von 30 auf 29 Mrd. $ und mit ei­nem Ge­winn­rück­gang um rund 5% auf 4,3 Mrd. $.

Da­bei er­war­ten sie für al­le Seg­men­te aus­ser dem As­set Ma­nage­ment und dem Cor­po­ra­te Cen­ter rück­läu­fi­ge Re­sul­ta­te. Für 2020 und 2021 wer­den leich­te Ver­bes­se­run­gen der Leis­tungs­kenn­zah­len pro­gnos­ti­ziert (vgl. Gra­fik). Al­ler­dings wird die Ren­di­te auf dem re­gu­la­to­ri­schen Ka­pi­tal (CET 1) ge­mäss den Pro­gno­sen der Ana­lys­ten bei gut 12% ver­har­ren. Ver­spro­chen wur­de mehr. UBS: «Wir ge­hen da­von aus, dass wir mit un­se­rem Ge­schäfts­mo­dell in ei­nem nor­ma­li­sier­ten Markt­um­feld ei­ne ad­jus­tier­te Ren­di­te auf das Ei­gen­ka­pi­tal ab­züg­lich Good­will und an­de­rer im­ma­te­ri­el­ler Ver­mö­gens­wer­te von mehr als 15% ge­ne­rie­ren kön­nen.»

Um­feld bes­ser denn je

Trotz Han­dels­kon­flikt und Tief­zins: Das Um­feld für Ban­ken war 2019 sehr gut. Doch der gröss­te Ver­mö­gens­ver­wal­ter der Welt hat we­ni­ger ver­dient, ob­wohl im ab­ge­lau­fe­nen Jahr al­le Ver­mö­gens­klas­sen zu­leg­ten und die ver­wal­te­ten Ver­mö­gen ei­nen Höchst­stand er­reich­ten.

2019 war er­nüch­ternd, denn das Ver­gleichs­jahr 2018 wä­re mit sei­nem mi­se­ra­blen vier­ten Quar­tal leicht zu über­tref­fen ge­we­sen. Zwei­tens liegt der Rück­gang des Kon­zern­er­geb­nis­ses nicht nur an der er­schre­ckend schwa­chen In­vest­ment­bank. Auch für das Kern­ge­schäft Glo­bal We­alth Ma­nage­ment gilt ein leicht rück­läu­fi­ger Ge­winn als ge­ge­ben, der nicht mit Nied­rig­zin­sen zu er­klä­ren ist. Of­fen­bar aber ver­zeich­net UBS ei­nen Mar­gen­druck bei den be­stan­des­ab­hän­gi­gen Ein­nah­men, den es ge­mäss ih­rem Selbst­ver­ständ­nis als füh­ren­der Ver­mö­gens­ver­wal­ter gar nicht ge­ben dürf­te.

Macht­kampf?

In den letz­ten Jah­ren lob­te die UBSFüh­rung die Er­fol­ge mit ul­t­ra­rei­chen Kun­den. Ei­nen Gross­teil des Neu­gel­des brach­ten of­fen­bar die­se so­ge­nann­ten UHNWI in die Bank. Die ver­gan­gen Wo­che kom­mu­ni­zier­te Auf­lö­sung die­ser glo­bal auf­ge­stell­ten Di­vi­si­on und die In­te­gra­ti­on ei­nes Gross­teils des Ge­schäfts in die re­gio­na­len Ein­hei­ten kön­nen auf meh­re­re Ar­ten ge­deu­tet wer­den.

Mög­li­cher­wei­se sind die su­per­rei­chen Kun­den für die Bank viel we­ni­ger pro­fi­ta­bel als ge­dacht. Ihr Son­der­sta­tus (auch be­züg­lich der Mit­ar­bei­ter) wä­re dann wirt­schaft­lich nicht zu recht­fer­ti­gen.

Oder der ge­plan­te for­cier­te Aus­bau des Ge­schäfts mit UHNWI in der Re­gi­on Ame­ri­cas hat die Fra­ge auf­kom­men las­sen, wer von den bei­den Co-Chefs der glo­ba­len Ver­mö­gens­ver­wal­tung – der ehr­gei­zi­ge Iq­bal Khan oder der er­fah­re­ne Tom Na­ra­til – bei die­sem wich­ti­gen Pro­jekt das Sa­gen hat.

BILD: GE­OR­GI­OS KEFALAS/ KEYSTONE

UBS er­reicht mit CEO Ser­gio Er­mot­ti nicht al­le Zie­le, aber ei­ne ho­he Di­vi­den­de.

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