Te­me­nos steht we­gen Me­ga-Bo­ni un­ter Be­schuss

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEIT­E -

Es trifft kei­nen Sa­nie­rungs­fall wie Aryz­ta oder Mey­er Bur­ger. Die­ses Mal hat es ei­nen Bör­sen­lieb­ling un­ter den Mid Caps er­wischt: Te­me­nos ist ins Vi­sier ei­nes Lon­do­ner Leer­ver­käu­fers na­mens Sha­do­w­fall ge­ra­ten. Short Sel­ler ver­die­nen Geld, in­dem sie auf fal­len­de Ak­ti­en­kur­se wet­ten. Sie sind al­so dar­an in­ter­es­siert, ei­ne Ak­tie schlecht zu re­den. Als der Hedge Fund am Mon­tag ei­nen kri­ti­schen Blog­ein­trag über den Gen­fer Ban­ken­soft­ware-Spe­zia­lis­ten pu­bli­zier­te, sack­ten die Pa­pie­re 4% ein und ver­lo­ren Di­ens­tag wei­te­re 2,1%. Zu 148.85 Fr. gin­gen Te­me­nos aus dem Han­del.

Sha­do­w­fall hat das Au­gen­merk des Mark­tes auf die Achil­les­fer­se von Te­me­nos ge­lenkt, die ex­or­bi­tan­te ak­ti­en­ba­sier­te Ver­gü­tung. Die Leer­ver­käu­fer ha­ben er­rech­net, dass Te­me­nos-Ma­na­ger seit 2013 Ak­ti­en im Ge­gen­wert von 809,5 Mio. $ ver­kauft und für nur 10,7 Mio. $ zu­ge­kauft ha­ben. Dass die Te­me­nos-Obe­ren die Ak­ti­en ver­kau­fen, so­bald die Sperr­frist ab­lau­fe, sei nicht ver­trau­ens­bil­dend. Dem­ge­gen­über stün­den Ak­ti­en­rück­käu­fe in Hö­he von 630,6 Mio. $. Durch das Bo­nus­pro­gramm ent­ste­he Ak­tio­nä­ren ei­ne künf­ti­ge Schuld in Hö­he von 546 Mio. $. Die­se sei als sol­che aber nicht aus­ge­wie­sen.

Weil die Lang­frist­bo­ni in Ak­ti­en ver­ge­ben und da­mit nicht cash­wirk­sam sind, wer­den sie nicht über die Er­folgs­rech­nung aus­ge­wie­sen. Da­durch sind die Kos­ten nicht sicht­bar. So­wohl der ope­ra­ti­ve Cash­flow wie auch der ad­jus­tier­te Be­triebs­ge­winn se­hen da­mit bes­ser aus, als sie es wä­ren, wenn die Bo­ni in Cash aus­ge­zahlt wür­den. Das Ak­ti­en­pro­gramm wer­de zu­dem von den Ak­ti­en­rück­käu­fen ge­deckt: Zu­rück­ge­kauf­te Ti­tel wer­den als Bo­nusAk­ti­en wie­der aus­ge­ge­ben. Da­durch ver­puf­fe der Ef­fekt der Rück­käu­fe, da der Ge­winn auf ei­ne nicht we­sent­lich klei­ne­re An­zahl Ak­ti­en ver­teilt wer­de.

Te­me­nos‘ sport­li­che Ver­gü­tungs­pra­xis ist nicht neu und ähn­lich auch bei an­de­ren Tech-Un­ter­neh­men an­zu­tref­fen. 2019 mel­de­te Te­me­nos bei der SIX Ak­ti­en­ver­käu­fe von rund 33 Mio. Fr. Zu­käu­fe gab es für 9 Mio. Fr., teils im Rah­men des Bo­nus­pro­gramms. Dass sich die Te­me­nos-Ma­na­ger fürst­lich ent­loh­nen las­sen, neh­men die Ak­tio­nä­re bis­her wil­lig in Kauf, zu­mal auch sie von mas­si­ven Kurs­ge­win­nen pro­fi­tie­ren konn­ten. Seit 2013 ha­ben sich Ak­ti­en im Wert ver­neun­facht.

Die Ver­gü­tung bei Te­me­nos ist zwei­fels­oh­ne ex­zes­siv. Das ist aber kein Ver­ge­hen. Die Ver­bu­chungs­pra­xis be­wegt sich im Rah­men des Er­laub­ten. Und auch dass der ad­jus­tier­te Ebit durch fi­nan­zi­el­le In­ge­nieurs­kunst ein Stück weit be­ein­flusst wer­den kann, ist ak­zep­tier­te Pra­xis. Te­me­nos dürf­te al­so mit ei­nem Streif­schuss da­von­kom­men – so­lan­ge das Soft­ware­haus so gut per­formt wie in den letz­ten Jah­ren. Soll­ten die Gen­fer wie im letz­ten Quar­tal wei­ter ent­täu­schen, wer­den An­le­ger un­gnä­di­ger re­agie­ren und auch die über­ris­se­nen Löh­ne stär­ker an­pran­gern.

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