Bör­sen­gän­ge in der Schweiz

Im Be­reich Ge­sund­heit sind meh­re­re Trans­ak­tio­nen in der Pi­pe­line. Zu­dem hegt Selec­ta wei­ter­hin Plä­ne für ei­nen Gang an die Bör­se.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEIT­E - IVO RUCH

Das Um­feld für Bör­sen­gän­ge mit Schwei­zer Be­zug bleibt nicht ein­fach, doch im Sek­tor Ge­sund­heit ist ei­ni­ges zu er­war­ten. Ex­per­ten se­hen für 2020 meh­re­re Trans­ak­tio­nen, sei­en es Spin-offs, Über­nah­men oder Bör­sen­gän­ge im Be­reich Bio­tech, Phar­ma oder Me­di­zi­nal­tech­nik. Laut Be­ob­ach­tern ge­hö­ren Fer­ring, Im­plan­ti­ca, Thom­men oder Ma­thys zu den mög­li­chen Kan­di­da­ten.

Es ist al­ler­dings frag­lich, wie gut die Er­folgs­aus­sich­ten im Schwei­zer Med­tech-Seg­ment der­zeit sind. Die letz­ten bei­den Bör­sen­neu­lin­ge – Me­dar­tis und Me­dac­ta – konn­ten seit ih­rem IPO nicht voll­ends über­zeu­gen und ha­ben deut­lich an Wert ver­lo­ren. Un­ter In­ves­to­ren ist des­halb auch Zu­rück­hal­tung zu ver­neh­men. An­de­re Na­men, die im Zu­sam­men­hang mit Pu­bli­kums­öff­nun­gen häu­fig ge­nannt wer­den, sind VFS Glo­bal, V-Zug und Selec­ta. Zu­dem tut sich et­was im Im­mo­bi­li­en­be­reich.

Ein Stim­mungs­um­schwung ist nicht zu er­war­ten, das Um­feld für Bör­sen­gän­ge in der Schweiz bleibt auch 2020 schwie­rig. Ex­per­ten er­war­ten hier­zu­lan­de höchs­tens fünf klas­si­sche IPO (Initi­al Pu­blic Of­fe­rings), Spin-offs oder Di­rect Lis­tings al­so aus­ge­klam­mert.

Andre­as Ne­u­mann, Lei­ter Equi­ty Ca­pi­tal Mar­kets bei der ZKB, sagt: «Das IPOUm­feld ist et­was an­spruchs­vol­ler ge­wor­den als noch im Vor­jahr, doch es ist nach wie vor in­takt.» Be­reits 2019 war die Zahl der Bör­sen­gän­ge an der SIX rück­läu­fig, genau­so wie das ku­mu­lier­te Emis­si­ons­vo­lu­men (vgl. Gra­fik 1). Ma­kro­öko­no­mi­sche Un­si­cher­hei­ten und geo­po­li­ti­sche Ri­si­ken dämp­fen das In­ves­to­ren­in­ter­es­se an neu­en Ge­sell­schaf­ten wei­ter­hin.

In der IPO-Pi­pe­line be­fin­den sich ei­ni­ge Un­ter­neh­men mit ei­ner Ver­gan­gen­heit an der Schwei­zer Bör­se (vgl. Text­box). Ent­schei­dend ist aber ein so­li­des Ge­schäfts­mo­dell. Ne­u­mann sagt: «Eta­blier­te Ge­sell­schaf­ten sind bei In­ves­to­ren wei­ter­hin be­gehrt. Ins­be­son­de­re sol­che, die frei­en Cash­flow ge­ne­rie­ren und be­reits ab der Ko­tie­rung ei­ne at­trak­ti­ve Di­vi­den­de be­zah­len kön­nen.»

De­fen­si­ve Sek­to­ren ge­sucht

Hört man sich bei in­vol­vier­ten Par­tei­en um – An­wäl­ten, In­vest­ment­ban­kern, Fonds­ma­na­gern –, ist zu­dem häu­fig die Re­de von Un­ter­neh­men aus dem Ge­sund­heits­be­reich – ein Trend, der glo­bal schon 2019 fest­stell­bar war (vgl. Gra­fik 2). Ste­fan Ries, Co-Head In­vest­ment Ban­king Con­ti­nen­tal Eu­ro­pe bei Be­ren­berg, sagt: «Eu­ro­pa­weit ist viel In­ves­to­ren­in­ter­es­se für den He­alth­ca­re-Sek­tor, zum Bei­spiel Me­di­zi­nal­tech­nik, aus­zu­ma­chen.» Zu­dem sei In­ter­es­se vor­han­den an al­lem, was mit Soft­ware oder Tech­no­lo­gie zu tun ha­be, und auch an Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten. «In die­sen Be­rei­chen sind ei­ni­ge span­nen­de Kan­di­da­ten in der Pi­pe­line.»

Laut Mar­kus Wet­ter, Lei­ter des Ka­pi­tal­markt­ge­schäfts der UBS, sind Im­mo­bi­li­en und Ge­sund­heit als Sek­to­ren auf­grund ih­res de­fen­si­ven Cha­rak­ters bei In­ves­to­ren im mo­men­ta­nen Markt­um­feld «spe­zi­ell be­liebt». Ein an­de­rer In­vest­ment­ban­ker, der an­onym blei­ben möch­te, er­war­tet 2020 eben­falls ei­ni­ge He­alth­ca­reTrans­ak­tio­nen – Über­nah­men, Bör­sen­gän­ge oder Ab­spal­tun­gen – mit Schweiz­be­zug, dar­un­ter ei­ne im Um­fang von mehr als 1 Mrd. Fr. Ge­mäss In­for­ma­tio­nen von FuW ar­bei­tet das Phar­ma­un­ter­neh­men Fer­ring an ei­ner Trans­ak­ti­on. Ei­ne gros­se An­walts­kanz­lei soll sich mit der Ab­spal­tung des Gross­bri­tan­ni­en­ge­schäfts be­schäf­ti­gen. Das Un­ter­neh­men mit Sitz in Saint-Pr­ex ( VD) un­dWur­zeln in Schwe­den de­men­tiert ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge.

Auch der Im­plan­tat­her­stel­ler Im­plan­ti­ca weicht aus. Man prü­fe re­gel­mäs­sig ver­füg­ba­re Fi­nan­zie­rungs­al­ter­na­ti­ven, um die Kom­mer­zia­li­sie­rung des ers­ten Pro­dukts, Re­flu­xS­top, zu fi­nan­zie­ren und die Ent­wick­lung der Pi­pe­line zu be­schleu­ni­gen. Da­zu könn­te auch der Zu­gang zu den Ka­pi­tal­märk­ten ge­hö­ren.

Auf der Home­page von Im­plan­ti­ca sol­len In­ves­to­ren­in­for­ma­tio­nen zwar bald fol­gen. Ob das ein Hin­weis auf ei­nen be­vor­ste­hen­den Bör­sen­gang ist, bleibt je­doch of­fen. Klar ist, dass der Na­me von Im­plan­ti­ca seit Län­ge­rem die Run­de macht. Genau­so wie die der Bran­chen­nach­barn Ma­thys und Thom­men Me­di­cal. Auch Letz­te­re ver­neint IPO-Plä­ne.

Un­si­che­re Aus­sich­ten

Es ist al­ler­dings frag­lich, wie gut die Er­folgs­aus­sich­ten im Schwei­zer Med­techSek­tor der­zeit sind. Die letz­ten bei­den Bör­sen­neu­lin­ge – Me­dar­tis und Me­dac­ta – konn­ten seit ih­rem IPO nicht voll­ends über­zeu­gen und ha­ben deut­lich an Wert ver­lo­ren (vgl. Ta­bel­le). Ste­fan Blum, Port­fo­lio­ma­na­ger mit Fo­kus He­alth­ca­re bei Bel­le­vue As­set Ma­nage­ment, sagt: «Wer auf dem Med­tech-Markt heu­te noch Er­folg ha­ben will, muss ei­ne bahn­bre­chen­de Idee ha­ben.» In der Schweiz ge­be es vie­le Un­ter­neh­men mit gu­ten Ide­en und in­no­va­ti­ven Tech­no­lo­gi­en. Aber es feh­le vie­ler­orts die Fä­hig­keit, sol­che Pro­duk­te in die Welt hin­aus­zu­tra­gen.

«Ins­be­son­de­re der Ver­trieb ist sehr kos­ten­in­ten­siv. Im Ver­gleich mit den USA ist es in Eu­ro­pa deut­lich schwie­ri­ger für jun­ge Un­ter­neh­men, die­sen ho­hen Ka­pi­tal­be­darf über ei­nen Bör­sen­gang auf­zu­neh­men», so Blum. Im Be­reich Bio­tech strebt das Gen­fer Start-up Ad­dex dem­nächst die Zweit­ko­tie­rung an der USBör­se Nas­daq an. Zu­dem ist denk­bar, dass sich Lon­za auf die Phar­maak­ti­vi­tä­ten kon­zen­triert und in ab­seh­ba­rer Zeit die Spar­te Spe­cial­ty In­gre­dients ver­kauft.

Ei­ne wei­te­re Im­mo-Ak­tie?

Da­ne­ben tut sich et­was im Im­mo­bi­li­en­be­reich. Epic Suis­se, die sich selbst als «ei­ne der füh­ren­den Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten in der Schweiz» be­zeich­net, soll ei­ne An­walts­kanz­lei mit der Vor­be­rei­tung des IPO-Pro­spekts be­auf­tragt ha­ben. Das Un­ter­neh­men teilt mit, man zie­he meh­re­re Op­tio­nen zur Wei­ter­ent­wick­lung in Be­tracht. Mo­men­tan fo­kus­sie­re man dar­auf, mit dem Ge­schäft vor­an­zu­kom­men.

Epic wä­ren die Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en Num­mer zwan­zig an der Schwei­zer Bör­se. Im De­zem­ber ist No­va­vest nach Zürich ge­wech­selt. Crowd­hou­se hin­ge­gen, ei­ne In­ter­net-Platt­form für In­vest­ments in Wohn­ei­gen­tum, hat die Bör­sen­plä­ne bis auf Wei­te­res ver­scho­ben, wie der CEO im Sep­tem­ber sag­te. Dar­an hat sich nichts ge­än­dert. Bei der auf Spi­tal- und Ge­sund­heits­in­fra­struk­tur spe­zia­li­sier­ten In­fra­co­re schliess­lich sind die Chan­cen auf ei­ne Pu­bli­kums­öff­nung in den letz­ten Mo­na­ten eben­falls ge­sun­ken.

Selec­ta war schon ein­mal an der Schwei­zer Bör­se. Nun wird am Come­back ge­ar­bei­tet.

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