Stad­ler-­CEO geht

Tho­mas Ahl­burg geht nach nur zwei Jah­ren als CEO von Stad­ler Rail, Pe­ter Sp­uh­ler über­nimmt. Pro­gno­sen sind ge­kippt.

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEIT­E - YVON­NE DEBRUNNER Al­le Fi­nanz­da­ten zu Stad­ler Rail im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/SRAIL

Tho­mas Ahl­burg, der CEO von Stad­ler Rail, ver­lässt das Un­ter­neh­men. Bis ein neu­er Chef ge­fun­den ist, über­nimmt Haupt­ak­tio­när Pe­ter Sp­uh­ler die ope­ra­ti­ve Lei­tung. Zu­dem muss das Un­ter­neh­men die Pro­gno­se für das Jahr 2020 strei­chen.

Als «Weg­be­glei­ter» be­zeich­ne­te Pe­ter Sp­uh­ler Tho­mas Ahl­burg im Sep­tem­ber 2017. Als Men­schen, der ihn «aus un­ter­neh­me­ri­scher, füh­rungs­tech­ni­scher und vor al­lem aus mensch­li­cher Sicht rest­los über­zeugt» ha­be. Es war der Mo­ment, in dem Sp­uh­ler – zu­vor qua­si Al­lein­herr­scher bei Stad­ler Rail – ei­nen Teil sei­ner Macht ab­gab, näm­lich die ope­ra­ti­ve Lei­tung. Das fal­le ihm nicht leicht, sag­te er da­mals. Aber ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Un­ter­neh­mer müs­se sei­ne Nach­fol­ge früh­zei­tig pla­nen. Auch ein Pe­ter Sp­uh­ler wer­de äl­ter.

Da­mals war Sp­uh­ler 58. Heu­te ist er 61 – und ist nun bis auf wei­te­res wie­der ope­ra­ti­ver Chef. Sein CEO Ahl­burg, den er zu­vor über Jah­re auf­ge­baut hat­te, tritt zu­rück. «Auf­grund von Dif­fe­ren­zen hin­sicht­lich der stra­te­gi­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Wei­ter­ent­wick­lung von Stad­ler», wie es in ei­ner Mit­tei­lung heisst. Sie wur­de am Auf­fahrts­tag ver­schickt. Ge­naue­res über den In­halt die­ser Dif­fe­ren­zen liess sich nicht aus­fin­dig ma­chen. Sp­uh­ler woll­te sich nicht äus­sern. Die Un­ter­neh­mens­spre­che­rin schrieb, sie kön­ne da­zu nicht mehr sa­gen.

Über die ge­nau­en Grün­de kann da­her nur ge­mut­masst wer­den. Klar ist: Kaum ein Un­ter­neh­mer ist so be­kannt wie Pe­ter Sp­uh­ler. Er hat aus der klei­nen Stad­ler ei­nen Welt­kon­zern ge­formt. Als CEO in sol­che Fuss­stap­fen zu tre­ten, ist nicht ein­fach. Zu­dem hat­te Sp­uh­ler be­reits bei der Amts­über­ga­be an Ahl­burg mit­ge­teilt, ein ak­ti­ver Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent blei­ben zu wol­len. Er wol­le sich um die Über­nah­me von Fir­men küm­mern und über den An­ge­bots­pro­zess bei Gross­auf­trä­gen ent­schei­den. Ahl­burg hat­te al­so nicht ein­fach freie Hand. Rei­bungs­flä­chen dürf­te es ei­ni­ge ge­ge­ben ha­ben.

Zu­sam­men­ar­beit ge­lobt

Den­noch wur­de in der Ver­gan­gen­heit die Zu­sam­men­ar­beit öf­fent­lich ge­lobt: Die Auf­ga­ben­tei­lung funk­tio­nie­re sehr gut, sag­te Ahl­burg vor ei­nem Jahr der «Aar­gau­er Zei­tung». Man sei zwar nicht bei al­len Din­gen glei­cher Mei­nung und rin­ge manch­mal um die bes­te Lö­sung. Die ge­mein­sa­me Rich­tung stim­me aber.

Das war nun of­fen­sicht­lich nicht mehr der Fall. In der Mit­tei­lung vom Don­ners­tag ist von ei­ner «ein­ver­nehm­li­chen Auf­lö­sung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses» die Re­de. Ahl­burg wer­de sich be­ruf­lich neu aus­rich­ten und zu­künf­tig als selb­stän­di­ger Un­ter­neh­mer tä­tig sein. Bis En­de 2020 wer­de er Stad­ler Rail noch als Be­ra­ter zur

Ver­fü­gung ste­hen. Sp­uh­ler lobt in der Mit­tei­lung Ahl­burgs Ver­diens­te bei der In­ter­na­tio­na­li­sie­rung und dem si­gni­fi­kan­ten Ka­pa­zi­täts­aus­bau von Stad­ler. «Ob­wohl wir nicht im­mer glei­cher Mei­nung wa­ren, ha­be ich Tho­mas als lei­den­schaft­li­chen und prag­ma­ti­schen CEO ken­nen­ und schät­zen ge­lernt», so Sp­uh­ler.

Trotz der ver­söhn­li­chen Wor­te: Ahl­burgs Rück­tritt be­deu­tet für Sp­uh­ler ei­ne Nie­der­la­ge. Die Su­che und die Ei­n­ar­bei­tung ei­nes neu­en CEO dürf­ten ei­ni­ge Zeit in An­spruch neh­men. Dass Stad­ler un­ter Sp­uh­ler in der Zwi­schen­zeit gut ge­führt wird, steht aus­ser Zwei­fel. Die Fra­ge nach ei­ner lang­fris­ti­gen Nach­fol­ge­re­ge­lung wird sich aber um­so stär­ker auf­drän­gen, je län­ger die Va­kanz be­steht.

Pro­gno­se auf­ge­ho­ben

Eben­falls ne­ga­tiv, wenn auch we­ni­ger über­ra­schend ist die Auf­he­bung der Jah­res­pro­gno­se, über die Stad­ler am Don­ners­tag eben­falls in­for­miert hat. Stad­ler ist zwar im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ge­sell­schaf­ten we­gen Co­vid­19 nicht mit ei­nem Nach­fra­ge­aus­fall kon­fron­tiert. Spre­che­rin Ma­ri­naWin­der hat­te zu «Fi­nanz un­dWirt­schaft» je­doch be­reits vor ei­nem Mo­nat ei­ne ab­reis­sen­de Lie­fer­ket­te als «mög­li­che Schwach­stel­le» be­zeich­net. Nun wur­den tat­säch­lich «kurz­fris­tig» ei­ni­ge Lie­fer­ und Trans­port­ket­ten un­ter­bro­chen, wie es in der Mit­tei­lung heisst.

Zu­dem ver­zö­gert sich bei Stad­ler die Rech­nungs­stel­lung, weil Kun­den und Mit­ar­bei­ter nur ein­ge­schränkt rei­sen kön­nen. Da­durch ver­spä­tet sich die Ab­nah­me neu­er Fahr­zeu­ge. Stad­ler er­war­tet des­halb, dass sich die Ver­bu­chung ei­nes Teils des Um­sat­zes des Be­reichs Roll­ma­te­ri­al ver­zö­gert. Hin­zu kommt, dass im Be­reich Ser­vice und Kom­po­nen­ten der Um­satz sinkt. Der Grund sind die aus­ge­dünn­ten Fahr­plä­ne. Die Zü­ge le­gen we­ni­ger Ki­lo­me­ter zu­rück und müs­sen so­mit we­ni­ger oft ge­war­tet wer­den.

An­fang März muss­te Stad­ler Rail die Jah­res­pro­gno­se be­reits sen­ken, pri­mär we­gen Pro­ble­men bei ei­nem Auf­trag von East An­glia. Statt 4 Mrd. Fr. Um­satz wur­den noch 3,5 Mrd. Fr. vor­her­ge­sagt. Für die Ebit­Mar­ge lau­te­te die Pro­gno­se «min­des­tens 6%», was für Stad­ler his­to­risch ge­se­hen sehr nied­rig ist. Nun sind auch die­se Zie­le vom Tisch. Be­stä­tigt wur­den hin­ge­gen die mit­tel­fris­ti­gen Fi­nanz­zie­le.

Dass Stad­ler die ak­tu­el­le Kri­se ei­ni­ger­mas­sen gut über­ste­hen dürf­te, gilt nach wie vor. Die Nach­fra­ge ist da, die Auf­trags­bü­cher sind voll. Den­noch wer­den die Fol­gen der Pan­de­mie Spu­ren hin­ter­las­sen. «Fi­nanz und Wirt­schaft» senkt die Ge­winn­schät­zung für das lau­fen­de Jahr von 1.60 auf 1.30 Fr. Die Ak­ti­en ha­ben sich nach dem Ein­bruch von Mit­te März in Re­kord­zeit er­holt, zu­letzt aber wie­der deut­lich an Wert ein­ge­büsst. Un­ter­des­sen no­tie­ren sie so­gar un­ter dem bis­he­ri­gen Jah­res­tiefst bei nur noch 39 Fr. Wer auf ei­ne Ge­le­gen­heit zum Ein­stieg ge­war­tet hat, kann es sich über­le­gen. Das gilt zu­min­dest für die­je­ni­gen, die die Ge­duld ha­ben, die ak­tu­el­len Pro­ble­me aus­zu­sit­zen.

Quelle: Re­fi­ni­tiv / FuW

Tho­mas Ahl­burg (links) und Pe­ter Sp­uh­ler (rechts) ge­hen nun ge­trenn­te We­ge.

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