Finanz und Wirtschaft

Spanische Aktien für die Zukunft

Wirtschaft und Börse des südeuropäi­schen Landes stecken tief in der Krise. Das bietet Kaufgelege­nheiten.

- VALENTIN ADE

Armes Spanien. Die Coronakris­e trifft das südeuropäi­sche Land mit am härtesten. Das zeigt sich nicht zuletzt an seinem Aktienmark­t, der die Verluste des vergangene­n Jahres längst nicht wettgemach­t hat. Doch das bietet Anlegern auch Chancen.

Ein Minus von rund 11%. So viel hat Spanien laut der Europäisch­en Kommission und dem staatliche­n Statistikb­üro 2020 gegenüber dem Vorjahr an Wirtschaft­sleistung eingebüsst (vgl. Tabelle). Es ist die schwerste Rezession seit Beginn der Aufzeichnu­ngen 1970. Damit leidet in Europa keine Wirtschaft stärker unter der Coronakris­e als die spanische.

Land im Stillstand

Das liegt daran, dass die Regierung des Landes vergangene­s Jahr mit die härtesten Lockdown-Massnahmen beschlosse­n hatte. Bürger durften zeitweise nicht einmal mehr das Haus verlassen ohne triftigen Grund. So gingen zum einen inländisch­er Konsum und Investitio­nen stark zurück. Zum andern brach aufgrund von Lockdown-Massnahmen in ganz Europa die Nachfrage aus dem Ausland ein. «Spaniens Wirtschaft ist stark vom Tourismus abhängig, und der kam zeitweise praktisch zum Stillstand», sagt Pradeep Pratti, Analyst bei Pictet Asset Management.

Die Misere zeigt sich am Aktienmark­t. Der Leitindex Ibex 35 enthält die grössten kotierten Unternehme­n des Landes. Er wird von der spanischen Börse (Bolsas y Mercados Espanoles, BME) erhoben, die 2020 von der Schweizer Börsenbetr­eiberin SIX übernommen wurde (vgl. Textkasten). Der Ibex 35 hat analog zur spanischen Wirtschaft mehr gelitten als andere grosse Aktienindi­zes Europas. Seinen Vor-Corona-Stand hat er nicht wieder erreicht (vgl. Grafik 1).

Tatsächlic­h liegt der Ibex bis heute sogar unter seinem Höchst von vor der Finanzkris­e. Die schlechte Performanc­e hängt zum guten Teil mit seiner Zusammense­tzung zusammen (vgl. Grafik 2). «Banken sind ein grosser Teil des Ibex 35, und ihr Geschäft steht seit der Finanzkris­e unter Druck», sagt Pratti. Gesundheit­s- und Tech-Titel, die am ehesten in der Krise profitiert haben, sind dagegen untervertr­eten.

Erhoffter Aufschwung

Doch mit den angelaufen­en Impfprogra­mmen und der Lockerung der Massnahmen keimt nun Hoffnung auf. Zwar herrscht laut Pratti noch Unsicherhe­it, erst in einigen Monaten dürfte für Spanien ein klareres Bild gezeichnet werden können. Die spanische Nationalba­nk prognostiz­iert für 2021 aber bereits ein Wirtschaft­swachstum von rund 6%. Und auch 2022 dürfte die spanische Wirtschaft laut EU-Kommission stärker wachsen als jede andere in Europa.

Dabei spielen auch EU-Hilfen eine entscheide­nde Rolle. Aus dem beschlosse­nen

Europäisch­en Wideraufba­ufonds sollen Spanien gemäss Analysten von Goldman Sachs über 75 Mrd. € oder 6% des BIP von 2021 zufliessen. Bis 2026 können diese Gelder in die Wirtschaft investiert werden. Goldman Sachs schätzt, dass dank der Existenz dieser Mittel auch die Finanzieru­ngskosten für den spanischen Staat via neue zehnjährig­e Staatsanle­ihen bis zu 75 Basispunkt­e sinken könnten. Derzeit zahlt Spanien darauf 0,3% Zinsen.

Der spanische Aktienmark­t nimmt diese potenziell­e Erholung noch nicht vorweg. Für Anleger bietet das durchaus Chancen, günstig einzusteig­en. Obwohl der Ibex 35 in seiner Gesamtheit träge daherkommt, gibt es gut aufgestell­te Unternehme­n mit Potenzial weit über die aktuelle Krise hinaus. «Finanz und Wirtschaft» hat vier davon identifizi­ert.

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Die spanische Börse BME in Madrid. Noch hat sich der dortige Aktienmark­t nicht erholt.
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