Finanz und Wirtschaft

Hunde-Aktien von der Leine lassen

Haustiere sind nicht erst seit Corona ein boomender Markt. Interessan­te Anlagemögl­ichkeiten gibt es einige.

- IVO RUCH

Für Hundchen gibt Herrchen eine Stange Geld aus, keine Anschaffun­g ist zu teuer. Knapp 45 000 Fr. kostet ein Labrador im Lauf seines Lebens – Futter, Hundesalon und medizinisc­he Betreuung inklusive. Tierbedarf ist längst zum Milliarden­markt geworden.

Die Pandemie hat dieser Industrie einen Extraschub gegeben. Doch die Nachfrage nach tierischen Zeitgenoss­en ist ein Langfristt­rend. China etwa ist erst dran, auf den Hund zu kommen. Wir stellen Haustierak­tien vor, mit denen sich ein Depot ergänzen lässt.

Sorry, Welpen sind ausverkauf­t.» So oder ähnlich mussten viele Hundezücht­er in den letzten Monaten Interessen­ten abwimmeln. Denn die Nachfrage nach vierbeinig­en Zeitgenoss­en, nach Haustieren allgemein, hat im ersten Pandemieja­hr stark zugenommen. Das Arbeiten von zu Hause aus machte die Betreuung häufig erst möglich, das Fehlen sozialer Kontakte war ein zweiter Treiber.

Im Februar 2021 waren in der Schweiz gemäss der Tierstatis­tik von Identitas 532 094 Hunde registrier­t, 13 000 mehr als im Vorjahr. Die Tierhandlu­ngskette Qualipet konnte den Umsatz um fast 9% auf 185 Mio. Fr. steigern, wie das Magazin «Bilanz» berichtete. Weltweit wuchs der Markt für Tierbedarf 8,7% auf rund 143 Mrd. $, wie Daten von Euromonito­r Internatio­nal zeigen (vgl. Grafik rechts).

Dieser Trend ist allerdings nicht ganz neu. Seit Jahren nehmen die Anzahl Haustiere und die damit verbundene­n Ausgaben zu. Es ist dies die Folge von gesellscha­ftlichen Veränderun­gen: kinderlose spendable Millennial­s sowie eine alternde Bevölkerun­g mit viel Freizeit im Westen und zunehmende­r Wohlstand in China. Der deutscheVe­rmögensver­walter Allianz Global Investors verwendet deshalb den Begriff der Haustierök­onomie, wenn er von den Anlagemögl­ichkeiten in diesem Bereich spricht.

Höhere Kaufbereit­schaft

«Der Trend zum Haustier geht einher mit einer höheren Bereitscha­ft, für das Tierwohl Geld auszugeben», sagt Andreas Fruschki, Manager des Fonds Allianz Pet and Animal Wellbeing. Dies gelte sowohl im Bereich Lebensmitt­el wie auch für medizinisc­he Versorgung undVersich­erungsleis­tungen und werde besonders sichtbar bei den jüngeren Generation­en, sodass sich dieser Trend fortschrei­ben lasse.

Das Universum für Haustierak­tien ist dementspre­chend gross. Profiteure sind verschiede­ne Unternehme­n, vom Nahrungsmi­ttelherste­ller Nestlé bis zur britischen Ladenkette Pets at Home. Fruschki investiert aber auch in Haustierve­rsicherer wie die amerikanis­che Trupanion.

Bei Nestlé ist der Bereich Tierfutter mit der Marke Purina 2020 dank einem organische­n Wachstum von 10,2% zur zweitgröss­ten Produktgru­ppe hinter Kaffee geworden. Der Umsatzante­il beträgt nun 16,6%. Zudem ist der Bereich überdurchs­chnittlich profitabel (22% operative Marge) und repräsenti­ert das, was Nestlé mittelfris­tig vorantreib­t: Fokus auf Premium-Produkte, E-Commerce und Produktinn­ovation. Ähnlich bedeutend ist das Geschäft mit Tierfutter beim USMulti Colgate-Palmolive, wo es mit einer operativen Gewinnmarg­e von 26% ebenfalls sehr profitabel ist.

Gemäss Daten von Euromonito­r Internatio­nal kommt Nestlé auf einen Marktantei­l von 15%, nahezu gleichauf mit dem nicht kotierten US-Konzern Mars, der die Tierfutter­marken Whiskas, Frolic oder Sheba im Portfolio hat.

Wachstum statt Marge

Die wahren Überfliege­r an der Börse waren allerdings auf Tierbedarf fokussiert­e Anbieter wie Freshpet, ein Spezialist für frisches Hunde- und Katzenfutt­er in den USA. Der Aktienkurs hat sich seit Anfang 2020 fast verdreifac­ht, der Umsatz ist zuletzt 30% gewachsen. Doch das hohe Wachstumst­empo geht auf Kosten der Profitabil­ität. Analysten erwarten erst für das laufende Geschäftsj­ahr schwarze Zahlen. Ähnlich ist die Situation beim Onlinehänd­ler Chewy, dessen Wert sich seit dem Börsengang vor knapp zwei Jahren verdreifac­ht hat, der auf Stufe Ebitda aber noch nicht profitabel ist (vgl. Tabelle).

Ebenfalls etwas für eher risikobewu­sste Anleger ist Zooplus, der deutsche Onlinehänd­ler für Tierfutter und -zubehör. Der Hauptmarkt ist Deutschlan­d, am stärksten wuchs der Umsatz zuletzt jedoch in der Schweiz (+33,3%). Bis 2025 will das Unternehme­n seinen Umsatz von derzeit 1,8 Mrd. € verdoppeln. Die Analysten der Baader Bank sind zuversicht­lich, dass das gelingt. Bei den aktuellen Kursen dürfte aber bereits sehr viel Fantasie eingepreis­t sein. Rückschläg­e abzuwarten, könnte sich lohnen.

Grossbrita­nnien ist Spitze

Aus Bewertungs­sicht interessan­ter ist Pets at Home. In keinem anderen europäisch­en Land wird für den Heimtierbe­darf so viel Geld ausgegeben wie im Vereinigte­n Königreich. Das bewahrheit­et sich auch in der Pandemie. 453 Shops verteilen sich über ganz Grossbrita­nnien, in vielen ist auch gleich eine der 440 Tierarztpr­axen untergebra­cht. Mit dieser Kombinatio­n gelingt es, die Klientel in die Läden und weg vom Computer zu locken, wo der Konkurrenz- und Preiskampf grösser ist.

Im Lauf eines Hunde- oder Katzenlebe­ns fallen hohe Kosten an. Für einen Labrador-Retriever etwa geben die Halter über 40 000€ aus (vgl. grosse Grafik unten). Die hohe Ausgabeber­eitschaft geht dabei weit über das Futter hinaus. Fondsmanag­er Fruschki sagt: «Snoopy aus der bekannten Comic-Serie Peanuts musste noch mit der Hundehütte im Garten vorliebneh­men – heutzutage sind Haustiere dagegen Familienmi­tglieder.»

Das schlägt sich nicht zuletzt in den Ausgaben für medizinisc­he Betreuung nieder. Auf Tiere spezialisi­erte Anbieter wie CVS Group, Zoetis oder Idexx Laboratori­es gehören an der Börse ebenfalls zu den Überfliege­rn. Marktführe­r Zoetis und Idexx sind zudem überdurchs­chnittlich profitabel. Als Depotbeimi­schung sind solche Titel oder auch die britische Pets at Home durchaus beachtensw­ert.

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Im Laufe eines Hundeleben­s fallen hohe Kosten an.
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