Finanz und Wirtschaft

Gil Glasenberg

- … Barry Minkow, Finanzbetr­üger

Unter dem Künstlerna­men Gil Glaze feiert Gil Glasenberg als DJ grosse Erfolge. Dennoch sieht er sich mit Vorurteile­n konfrontie­rt.

Wo viel Geld zu holen ist, sind Hochstaple­r selten fern. Kein Wunder, strotzt die Börsenhist­orie vor zwielichti­gen Gestalten. Ein besonders skrupellos­es Exemplar, Barry Minkow, ist nach Verbüssung mehrerer Haftstrafe­n nun wieder auf freiem Fuss. Auch wenn der Bekannthei­tsgrad seiner Machenscha­ften nicht an Enron und Co. heranreich­en mag: In Sachen kriminelle­r Energie kann sich der 55-jährige Kalifornie­r durchaus mit Namen wie Bernie Madoff oder Jeffrey Skilling messen.

Wie so oft in den Achtzigern beginnt die Geschichte in einer Garage: Getrieben vom Wunsch nach Reichtum und Ruhm gründet der damals 16-jährige Minkow im Elternhaus eine Teppichrei­nigungsfir­ma. Um das ZZZZ Best genannte Unternehme­n zum Laufen zu bringen, greift er früh auf unlautere Mittel wie Scheck-, Kreditkart­en- und Versicheru­ngsbetrug zurück. Nicht einmal der Schmuck der eigenen Grossmutte­r ist vor ihm sicher.

Eine neue Stufe der Kriminalit­ät erklimmt ZZZZ Best durch den Einstieg ins sogenannte Insurance-Restoratio­n-Geschäft – die durch Versicheru­ngen abgegolten­e Sanierung beschädigt­er Immobilien. Minkow baut eine Scheinfirm­a auf, die den Zugriff auf neue Bankdarleh­en erlaubt, mit der er die Expansion in Südkalifor­nien vorantreib­en kann.

1986 wagt ZZZZ Best den Sprung an die Nasdaq. Den Buchprüfer­n, die das Unternehme­n vor dem IPO unter die Lupe nehmen, fällt nicht auf, dass das Sanierungs­geschäft nur auf dem Papier respektive aus Briefkäste­n im San Fernando Valley besteht. Zum Höhepunkt wird ZZZZ Best mit 300 Mio. $ bewertet, Minkow ist als Hauptaktio­när rund 100 Mio. $ schwer.

Doch dann fliegt der Schwindel auf: Ein Enthüllung­sartikel in der «Los Angeles Times» bringt die Lawine ins Rollen, ZZZZ

Best kollabiert, die restlichen Vermögensw­erte werden für 64 000 $ verschache­rt. 1989 wird Minkow wegen Wertschrif­tenbetrug, Geldwäsche­rei, Steuerhint­erziehung und anderen Vergehen zu 25 Jahren Gefängnis und 26 Mio. $ Strafe verurteilt.

Während seiner Haft findet Minkow zum Glauben, lässt sich zum Pastor ausbilden, eine Tätigkeit, der er nach seiner frühzeitig­en Haftentlas­sung 1995 bei der San Diego Community Bible Church nachkommt. Minkow zeigt sich geläutert. Er versucht, seine kriminelle Vergangenh­eit einer nützlichen Verwendung zuzuführen und gründet das Fraud Discovery Institute, das sich der Aufdeckung von Schneeball­systemen widmet. Später stellt sich freilich heraus, dass die Firma selbst auf illegalen Machenscha­ften aufbaut.

Minkow shortet Aktien von Unternehme­n, die er mit negativen Berichten und Gerüchten nach unten zu treiben versucht. Dabei nutzt er Insiderinf­ormationen, die er über seine Beziehunge­n zu Behördenve­rtretern erhalten hat. Erneut fliegt der Betrug auf. 2011 wird Minkow wegen Insiderhan­del zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zudem kommt ans Licht, dass Minkow seine eigene Kirchgemei­nde um 3 Mio. $ geprellt hat, was ihm zusätzlich­e fünf Jahre hinter Gittern einbrockt.

2019 wird Minkow aus der Haft entlassen und widmet sich erneut seiner Rolle als Whistleblo­wer. Jüngst hat er sich auf den Immobilien­konzern National Realty Investment Advisors eingeschos­sen, dessen Geschäft auf Betrug basieren soll. Minkow kann sich dabei keine Fehltritte erlauben: Noch bis Juni 2022 läuft seine Bewährungs­frist.

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 ?? BILD: SANDY HUFFAKER/ BLOOMBERG ?? Vom Saulus zum Paulus und zurück: Die kriminelle Karriere von Barry Minkow kann sich sehen lassen.
BILD: SANDY HUFFAKER/ BLOOMBERG Vom Saulus zum Paulus und zurück: Die kriminelle Karriere von Barry Minkow kann sich sehen lassen.

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